Elektrostrahlung
06/01/2011

WHO: Mobilfunk "möglicherweise krebserregend"

Eine internationale Expertengruppe der WHO schließt eine Gefährdung durch Handystrahlen nicht aus.

Handystrahlung ist „möglicherweise krebserregend“. Zu diesem Schluss kommt eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC in Lyon. 31 Fachleute aus 14 Ländern hatten dort rund eine Woche lang „nahezu sämtliche verfügbaren wissenschaftlichen Belege“ ausgewertet, wie die IARC am Dienstag zum Abschluss der Beratungen mitteilte. Ein Krebsrisiko durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie von Handys, Rundfunk und Radar benutzt wird, kann demnach nicht ausgeschlossen werden.

Kein eindeutiger Beleg
„Es ist im Moment nicht eindeutig belegt, dass die Nutzung von Mobiltelefonen Krebs bei Menschen auslösen kann“, erläuterte Kurt Straif, Vorsitzender des Monografien-Programms der IARC, in dem bereits mehr als 900 mögliche Krebsauslöser bewertet worden sind. Dennoch entschlossen sich die Fachleute zur Einstufung der Strahlung als „möglicherweise krebserregend“ („possibly carcinogenic“), da es aus einzelnen Studien Hinweise auf ein möglicherweise erhöhtes Hirntumorrisiko vor allem bei starken Handynutzern gebe.

Weitere Studien abwarten
Die Experten betonten zugleich, weitere Studien seien nötig, auf deren Grundlage das Krebspotenzial der Strahlung in einigen Jahren erneut bewertet werden soll. Die IARC ist das 1965 gegründete Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie soll Regierungen und Behörden unabhängiges Expertenwissen zu möglicherweise krebserregenden Umweltfaktoren zur Verfügung stellen und hat bereits mehr als 900 mögliche Krebsfaktoren in Monografien bewertet.

Kritik von Mobiltelefonherstellern
Der internationale Verband der Mobiltelefon-Produzenten CTIA wies den Bericht zurück. Die IARC-Analyse sei nicht aussagekräftig. „Die IARC hat eine ganze Reihe Beurteilungen durchgeführt und in der Vergangenheit beispielsweise auch eingelegtes Gemüse und Kaffee so eingestuft“, heißt es in einer am Dienstag in Washington veröffentlichten Erklärung von CTIA-Vizepräsident John Walls.

Die Handy-Hersteller kritisierten das Vorgehen der Krebsexperten. Die IARC erkenne auch Ergebnisse statistischer Untersuchungen als Indizien an, „selbst wenn Voreingenommenheit und andere Datenfehler die Grundlage dieser Ergebnisse sein könnten“, sagte CTIA-Vize Walls. Er verwies darauf, dass andere Studien keine Gefahr hinsichtlich der Strahlung festgestellt hätten. „Die US-Kommunikationsbehörde ist zu dem Schluss gekommen, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass die Benutzung drahtloser Telefone zu Krebs führen kann.“ Ähnlich habe sich auch die US-Gesundheitsbehörde FDA geäußert, so Walls.

In Österreich

das alljährlich einberufene Expertenforum des Wissenschaftlichen Beirats Funk (WBF) Ende Mai zu dem Schluss, dass von keiner Gefahr durch Handystrahlen auszugehen ist. Auch vom WBF wurden aktuelle Studien zu dem Thema gesammelt und ausgewertet.

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