Digital Life
13.06.2016

Wie Bitcoin-Nutzer ticken

Nicht anonym, aber transparent: Das dezentrale Zahlungssystem Bitcoin © Bild: REUTERS/JIM URQUHART

Das Forschungszentrum SBA Research hat in einer Studie erhoben, wie die Digitalwährung praktisch genutzt wird und was sich Nutzer von der Verwendung von Bitcoins versprechen.

Bitcoin hängt der Ruf nach, bevorzugtes Zahlungsmittel von Cyberkriminellen zu sein. Eine Studie des österreichischen Sicherheitsforschungszentrums SBA Research, die die Nutzung der Kryptowährung untersuchte, zeichnet ein gänzlich anderes Bild. "Wir wollten Zahlen erheben, um die Diskussion über Bitcoin zu versachlichen", sagt Edgar Weippl, wissenschaftlicher Geschäftsführer von SBA Research. Für die Studie "The Other Side of the Coin: User Experiences with Bitcoin Security and Privacy" wurden rund tausend Nutzer anonym befragt. Weippl und sein Team erhoben, wie Bitcoins praktisch verwendet werden, welche Probleme es dabei gibt und wie Bitcoins von ihren Nutzern eingeschätzt werden.

Mythos Anonymität

Interessant sei, dass fast ein Drittel der Befragten glauben, Bitcoins seien anonym, sagt Weippl. Das stimme aber so nicht. Man könne zwar innerhalb des Systems Bitcoin mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen weitgehend anonym bleiben, sobald man aber Bitcoins in eine andere Währung umtauschen wolle, werde es schwierig.

Bitcoin-Nutzer würden generell Wert auf Anonymität legen, ergänzt Aljosha Judmayer, Mitautor der Studie. 25 Prozent der Befragten verwenden Bitcoin etwa über den Anonymisierungsdienst Tor, 18 Prozent gaben an, regelmäßig Methoden zur Wahrung ihrer Anonymität zu verwenden.

Spenden und virtuelle Güter

Bitcoin © Bild: ulifunke.com / bitcoin.de
Ausgegegeben werden Bitcoins laut der Studie vorwiegend für Trinkgeld und Spenden (38 Prozent), für den Kauf virtueller Güter (33,3 Prozent) und für Online-Shopping (27,5 Prozent) oder Glücksspiel (26,5 Prozent). Mehr als 26 Prozent wechselten Bitcoin auch in alternative Digitalwährungen, etwa Dogecoin oder Litecoin, um. Fünf Prozent gaben an, sich mit Bitcoins Drogen gekauft zu haben.

17 Prozent der Nutzer begannen das 2009 gestartete dezentrale Zahlungssystem zwischen 2011 und 2012 zu verwenden, rund 70 Prozent zwischen 2013 und 2015. Für den hohen Anstieg der Nutzung in dieser Zeit dürften die starken Kursanstiege und die mediale Berichterstattung über Bitcoin verantwortlich sein, vermutet Weippl.

Als Motive für die Bitcoin-Nutzung wurden unter anderem das technische Interesse an der Digitalwährung und die Hoffnung auf Investitionsgewinne genannt. Für letzteres spricht, dass mehr als 25 Prozent angaben, Bitcoins einmal im Jahr oder seltener zu nutzen. 25 Prozent nutzen die Digitalwährung monatlich, 30 Prozent wöchentlich und 19 Prozent mindestens einmal täglich. Durch die hohen Kursschwankungen dürften sehr viele Nutzer auch Geld verloren haben, vermutet Weippl.

Weitere Motive: Ein Nutzer aus der Ukraine habe etwa angegeben, dass er von seinem westlichen Arbeitgeber in Bitcoins bezahlt werde, weil es aufgrund der politischen Situation in dem Land nicht anders möglich sei. Dass die Transaktionsgebühren noch sehr niedrig seien, sei auch ein Grund für die Nutzung, sagt Weippl. Auch der dezentrale Charakter der Währung spreche viele Nutzer an: "Sie ist unabhängig von zentralen staatlichen Stellen."

Zentrale Verwaltung

Bemerkenswert sei, dass viele Nutzer zur Verwaltung der dezentralen Währung auf zentrale Dienste wie etwa Wallets (z.b. coinbit) zurückgreifen würden. Durch Bitcoin werden Nutzer zwar zu ihrer eigenen Bank, viele geben diese Verantwortung aber wieder ab", analysiert Judmayer.

Als beliebteste Bitcoin-Exchanges, also Online-Dienste, bei denen man Geld in Bitcoins tauschen und wieder zurücktauschen kann, wurden BTCE (20,9 Prozent), Bittrex (14 Prozent) und Bitstamp (13 Prozent) genannt.

Risiken: Kurschwankungen und Verlust

Als Risiken wahrgenommen werden vor allem die hohen Kursschwankungen und der Verlust von Bitcoins. Mehr als 22 Prozent der Befragten gaben an, bereits Bitcoins verloren zu haben. 42,2 Prozent waren laut eigenen Angaben selbst daran schuld. "Etwa weil sie kein Back-up gemacht haben", sagt Judmayer. Fast ein Fünftel wurde Opfer eines Bitcoin-"Diebstahls". Die Gesamtsumme der Verluste der Befragten beträgt nach dem gegenwärtigen Kurs der Digitalwährung immerhin rund 360.000 Euro (660,7 Bitcoin).

© Bild: REUTERS/BRENDAN MCDERMID
Selbst Bitcoin-Mining, also das Bereitstellen von Rechenleistung für das dezentrale System, betreiben etwas mehr als elf Prozent der Befragten. Viele hätten das Mining jedoch wieder aufgegeben, weil es für sie nicht profitabel sei.

Repräsentativ sei die Studie nicht, sagt Judmayer. 85 Prozent der Befragten seien männlich und der Altersschnitt liege bei 27 Jahren. Einen Technik-Hintergrund hatte laut Judmayer rund die Hälfte der Teilnehmer. Rückschlüsse auf die Verbreitung der Digitalwährung in Österreich oder anderen Ländern ließen sich aus der Studie keine ziehen.

Hypethema

Und wie geht es mit der Digitalwährung und der darunter liegenden Blockchain-Technologie weiter? Die Blockchain, in der Transaktionen festgehalten und dezentral auf den Rechnern der Nutzer gespeichert werden, sei ein Hypethema, das von sehr vielen Unternehmen und Start-ups aufgegriffen werde, erzählt Weippl. Damit solche Konzepte funktionieren, seien jedoch Anreize ganz wesentlich. Bitcoin habe bewiesen, dass solche Anreizsysteme funktionieren und eine dezentrale Währung möglich sei. Die Technologie stoße jedoch langsam an ihre Grenzen. Um die steigende Anzahl an Nutzern und Transaktionen zu bewältigen, sei eine Weiterentwicklung notwendig.

Man dürfe auch nicht vergessen, dass für das Bitcoin-System wahnsinnig viele Ressourcen verschwendet würden, denkt Weippl über die Energieeffizienz der digitalen Währung nach: "Man muss sich vor Augen halten, dass mehrere Kraftwerke Strom produzieren, damit an und für sich sinnlose Hashkollisionen errechnet werden können." Andererseits sei das dezentrale "Proof of Work"-Modell essenziell, damit das System nicht von einzelnen dominiert werden könne.

Transparenz

Es sei auch nicht so sehr Anonymität, sondern Transparenz, die mit dem dezentralen Zahlungssystem erreicht werden könne, sagt Weippl. Weil jede Transaktion in der Blockchain vermerkt werde und jeder Nutzer sie einsehen könne, könnten Zahlungsflüsse transparent gemacht werden. "Sobald Sie ihre Bitcoin-Adresse bekannt geben, sieht jeder, wie viel eingegangen ist und wohin das Geld überwiesen wurde." Auch die Forscher von SBA Research haben für ihre Studie darauf zurückgegriffen. Für die Teilnahme an der Umfrage wurde den Nutzern der Digitalwährung eine kleine Belohnung in Bitcoins in Aussicht gestellt, erzählt Judmayer. "Es konnte jeder überprüfen, ob wir fair waren und die versprochenen Bitcoins ausbezahlt haben."

Security-Start-ups gesucht

Mit der zunehmenden Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Wirtschaftsbereiche wird auch die Datensicherheit immer wichtiger. Besonders führende Industrie- und Dienstleistungsstandorte zählen zu den attraktivsten Zielen von Cyberangreifern. Experten schätzen den Schaden, der jährlich durch Cyberkriminalität entsteht, auf rund 750 Milliarden Euro. Um aktuelle und zukünftige Cyberrisiken bewältigen zu können, braucht es geeignete Technologien und Produkte. Dafür bedarf es der Kreativität und der Innovationskraft von Start-ups.

Nach dem Erfolg des Wettbewerbs „Start Secure“ im vergangenen Jahr werden heuer im Rahmen des Wettbewerbs „Security Rockstars“ europaweit Sicherheits-Start-ups und Ideen für Cybersecurity-Lösungen gesucht.

35.000 Euro Preisgeld

Der Gewinner des Wettbewerbs erhält 20.000 Euro Preisgeld, der zweite Platz ist mit 10.000 Euro dotiert, für den dritten Platz gibt es 5000 Euro. Die Top 5 werden zu einem fünftägigen Start-up-Bootcamp eingeladen und von Experten, Gründern und Risikokaptalgebern auf die finalen Pitches vorbereitet. Für die 25 besten Start-ups gibt es Hilfestellungen bei der Erstellung des Business-Plans und Feedback von Experten.

Teilnahmebedingungen

Teilnahmeberechtigt sind Personen und Gründerteams aus dem Bereich Informationssicherheit mit Sitz in Europa. Das Start-up kann in der Konzeptphase, in Gründung oder bereits gegründet sein, erste Prototypen dürfen existieren.

Weitere Bedingungen: Das Start-up darf nicht älter als drei Jahre sein, kein Venture Capital aufgenommen und nicht mehr als fünf Mitarbeiter (ausgenommen Gründer) haben, erste Kunden sind erlaubt.

Auswahlverfahren

Um die Eintrittshürde auf für frühphasige Start-ups niedrig zu halten, ist zur Teilnahme an der ersten Phase des Wettbewerbs nur ein kurzer Abstract (maximal zwei Seiten) notwendig, in dem Problemstellung, technischer Lösungsansatz sowie Team und Geschäftsmodell vorgestellt werden. Die Einreichfrist endet am 15. Juli.

Die besten 25 Start-ups und Ideen entwickeln unter professioneller Anleitung einen Businessplan, der von einer prominent besetzten Jury bewertet wird. Die Top-5 steigen ins Finale auf. Die Sieger werden am 24. Oktober in Wien präsentiert.

Detaillierte Informationen zum Wettbewerb finden sich unter: www.securityrockstars.com

Der Wettbewerb "Security Rockstars" wird von SBA Research organisiert und vom Bundesministerium für Inneres (BMI) und dem Kuratorium Sicheres Österreich unterstützt.

© Bild: futurezone
Entgeltliche Kooperation mit dem Bundesministerium für Inneres ( BMI) .