Digital Life
27.03.2014

"Wir werden ganze Städte ausdrucken können"

Der Designer Eric Klarenbeek hat ein 3D-Druck-Verfahren entwickelt, mit dem Objekte aus lebenden Organismen, unter anderem Pilzen, hergestellt werden können.

Sei es Schokolade, Zucker oder Metall, mit 3D-Druck lassen sich mittlerweile nahezu alle Materialien verarbeiten. Dem Designer Eric Klarenbeek ist gemeinsam mit der Universität Wageningen nun aber ein neues Kunststück gelungen. Er hat im Rahmen des "Mycelium"-Projekts einen Sessel mit dem 3D-Drucker produziert, der aus lebenden Organismen besteht. Dazu wurden ein Substrat, bestehend aus pulverisiertem Stroh und Myzelien, entwickelt.

Myzelien sind fadenförmige Zellen eines Pilzes und dienen den Bauteilen als Kleber, der die Bauteile des Sessels zusammenhält. Klarenbeek stellt das Projekt und seine Vorstellungen zu den 3D-Druck-Materialien der Zukunft auf der PRINT3Dfuture am Donnerstag vor. Die futurezone hat sich bereits vorab mit ihm über sein Projekt unterhalten.

Das Mycelium-Projekt in Bildern

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Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Mycelium-Projekt von Eric Klarenbeek

Eric Klarenbeek: Worum handelt es sich beim Mycelium-Projekt?
futurezone:
Das “Mycelium”-Projekt ist ein Beispiel für Bio-Design, in dem biologische Elemente mit digitalen Produktionsprozessen kombiniert werden. Wir versuchen dabei, Verfahren zu entwickeln, mit denen wir 3D-gedruckte Objekte aus lebenden Organismen herstellen können, beispielsweise mit Myzelien, dem netzartigen Geflecht auf Pilzen. Zum Drucken verwenden wir experimentelle Roh-Materialien, zum Beispiel organisches Substrat für die Züchtung von Pilzen und regional produzierte Biokunststoffe. Es ist also ein Forschungsprojekt, bei dem wir mit Partnern zusammenarbeiten, die unsere Leidenschaft und Vision für dieses Thema teilen, unter anderem die Universität von Wageningen und einige Filament-Hersteller. Jeder, der glaubt, etwas beizutragen zu können, ist dazu eingeladen.

3D-Druck mit lebenden Organismen - wie kann man sich das vorstellen?
3D-Drucker verbreiten sich zunehmend und helfen uns dabei, Dinge zu erschaffen, für die man früher viel Arbeit oder Hilfe von anderen benötigte. Wir haben die industrielle Fertigung auf die Größe einer Kiste reduziert. Aber was steckt dahinter? Mit den meisten 3D-Druckern werden kleine Objekte aus Kunststoff hergestellt. Ich will aber herausfinden, wie 3D-Druck das Leben generell verbessern kann.

Aus technischer Sicht funktioniert 3D-Druck wie ein Roboter. Stellen Sie sich vor, ein Roboter würde Ihnen dabei helfen, die Bäume zu schneiden oder ein Haus zu bauen. Da wird es erst interessant. Warum sollte man aber einen Baum pflanzen, sodass der Roboter erst nach einigen Jahren seine Arbeit an diesem Projekt beginnen kann? Unsere Roboter wollen keine ausgewachsenen Bäume haben, sie können nur Pulver und Kleber aufeinander schichten. Wir mussten also einen Weg finden, das zu kombinieren. Wir drucken mit einer Mischung aus pulverisiertem Stroh und Myzelien. Nachdem diese Masse ausgedruckt wurde, halten die lebenden Organismen, die Myzelien, alles zusammen. Dieser Vorgang dauert eine Woche.

Könnten diese Materialien auch für andere Objekte eingesetzt werden?
Ich hoffe, dass das “Mycelium”-Projekt zu einer verantwortungsbewussteren Produktion und Verwendung von regionalen Rohmaterialen für den 3D-Druck führt. So sollen Produkte entstehen, die nicht nur weniger Müll verursachen, sondern die Umwelt sogar bereichern können. Myzelien können mit zahlreichen Rohstoffen vermengt werden, zudem ist für die Züchtung keine zusätzliche Energie erforderlich. Die Anwendungsmöglichkeiten sind nahezu endlos. Die Frage ist vielmehr, wo man anfangen soll. Wir haben bislang einen Sessel und einen Hocker gebaut, arbeiten aber weiterhin auch am Material und dem Fertigungsprozess. Ich glaube, dass wir bereits in naher Zukunft mit solchen Robotern ganze Städte “drucken und wachsen” lassen können. Stellen Sie sich folgendes vor: Unsere Einrichtung, Häuser und komplette Städte wachsen rund um uns. Wir würden uns von einer statischen in eine dynamische Umwelt verwandeln.

Wäre das Projekt auch ohne 3D-Druck möglich gewesen?
Es gibt bereits ein US-Unternehmen namens Ecovative, das Verpackungsmaterial aus Myzelien herstellt und damit sehr erfolgreich ist. Wir konzentrieren uns auf 3D-Druck, da es gewisse Vorteile mit sich bringt. Dazu zählen die Möglichkeit, komplexe Strukturen auszudrucken und die Innen-Struktur eines Objekts anzupassen. Das ist vor allem hilfreich, um die Menge an Material zu reduzieren und den Grad der Flexibilität sowie Isolierung festzulegen.

Wie kann 3D-Druck Designer und Künstlern helfen?
Ich glaube, dass wir uns zu einer selbstregulierenden, teilenden Gesellschaft entwickeln, in der wir immer mehr Dinge selbst produzieren. Dieses Erschaffen und Reagieren auf Dinge aus der eigenen Umwelt fördert Kreativität und Vielfältigkeit. Daher brauchen wir keine standardisierten Stühle oder Häuser mehr. Alles auf dieser Welt wird irgendwann einzigartig sein, sodass die Identität und Qualitäten des Schöpfers dabei herauskommen. Dafür braucht es die “Kreativen”.

Was ist als nächstes geplant?
Wir arbeiten weiterhin am “Mycelium”-Prozess und entwickeln derzeit einen neuen 3D-Drucker. All das wird von meiner Faszination für die Implementierung neuer Technologien in unsere Umwelt sowie die konstante Suche nach Balance zwischen Natur und künstlicher Bepflanzung angetrieben.