Digital Life
23.01.2018

WLAN im Zug: Filme streamen bei 230 km/h

Die ÖBB gaben der futurezone einen Einblick in die Technik hinter der WLAN-Versorgung in ihren Zügen. In jedem Speisewagen reisen mehrere LTE-Modems und Server mit.

Seit 2011 bieten die ÖBB in ihren Railjet-Zügen WLAN an. Seither hat sich viel getan, um Kunden die bestmögliche Internetverbindung zu liefern, die in einem fahrenden Zug möglich ist. Stefan Schultheis, der Enterprise IT Architect der ÖBB Personenverkehr AG und WLAN-Projektleiter Bernhard Krautschneider haben der futurezone einen Einblick in die Technik hinter der WLAN-Versorgung in den ÖBB-Zügen gewährt.

"Das WLAN-Erlebnis im Zug ist mit jenem daheim nicht vergleichbar", meint Schultheis bei einer Railjet-Fahrt vom Wiener Hauptbahnhof zum Flughafen. "Manche Kunden verstehen das nicht. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass man mit bis zu 230 km/h unterwegs ist und die Bandbreite mit den Mitreisenden teilt." Wer im Zug sitzend die Railnet-Webseite der ÖBB (railnet.oebb.at) ansteuert und über diese auf die ORF TVthek zugreift und einen Film auf sein Smartphone oder Tablet streamt, hat mit keinerlei Ausfällen zu rechnen.

Verbindung zu mehreren Netzen

In jedem Railjet sind sechs Modems verbaut, mit denen Datenverbindungen zu mehreren Mobilfunknetzen gleichzeitig aufgebaut werden. In Österreich sind etwa SIM-Karten von allen drei großen Netzbetreibern in den Modems eingebaut. Ist der Zug im Ausland unterwegs, werden SIM-Karten für dortige Netzanbieter aktiviert. Seit einem Hardware-Update im Jahr 2016 läuft die Verbindung über den Mobilfunkstandard LTE. Innerhalb des Railjets, der üblicherweise aus einer Lokomotive und sieben Waggons besteht, ist ein Ethernet-Ringnetzwerk vorhanden. Sollte es in einem Strang zu einem Fehler kommen, etwa durch ein defektes Kabel, bleibt das Netzwerk aufrecht.

Über an dieses Ringnetzwerk angeschlossene WLAN-Antennen, die meist als halbrunde Bauteile über den Gangtüren erkennbar sind, wird die Datenverbindung mit den Mobilgeräten der Fahrgäste aufgebaut. Die zentralen Komponenten des Zug-Netzwerkes sind in einem Kabinett im Speisewagen des jeweiligen Railjet untergebracht. Neben den Modems finden sich darin auch Server, auf denen Inhalte aus dem Railnet-Programm, also beispielsweise Sendungen der TVthek, sowie Tageszeitungen und Magazine gespeichert sind. Um diese Inhalte zu beziehen, müssen Daten nicht erst während der Fahrt über das LTE-Netz auf den Zug geholt werden - sie sind bereits dort.

Tunnel-Antennen

Ein Railjet bietet mehr als 400 Fahrgästen Platz. Die verfügbare Internet-Bandbreite des Zuges wird unter allen Fahrgästen geteilt. Trotz bestmöglicher Nutzung von LTE-Netzen kann die Surfgeschwindigkeit spürbar sinken, vor allem in Streckenabschnitten mit geringerer Netzabdeckung. In Tunneln errichten die ÖBB eigene Mobilfunkinfrastruktur, ähnlich wie im Wiener U-Bahnnetz. Neue Tunnel werden mit solch einer Mobilfunkinfrastruktur ausgestattet, ältere Tunnel wollen die ÖBB in den kommenden Jahren nachrüsten.

Gefilterte Inhalte

Wer das WLAN im Zug benutzt, wird von einer Firewall geschützt. Ein Contentfilter sorgt dafür, dass bestimmte Online-Angebote, etwa nicht jugendfreie Webseiten, nicht zugänglich sind. "Wir haben bestimmte Kategorien definiert. Manchmal werden Webseiten falsch kategorisiert, aber Irrtümer lassen sich schnell beheben", meint Systemarchitekt Schultheis. In der Vergangenheit sei es etwa dazu gekommen, dass bestimmte Online-Dating-Portale gesperrt wurden. "Dating-Seiten sind aber okay für uns."

Betriebsinterne Funktionen

Das Bordnetz wird im Zug aber nicht nur zum Vergnügen der Fahrgäste angeboten, es erfüllt auch wichtige betriebsinterne Funktionen. Unter anderem werden darüber Sensordaten vom Zug an die ÖBB-Zentrale geliefert.

In Zukunft wollen die ÖBB durch Echtzeit-Daten mögliche entstehende Defekte frühzeitiger erkennen und noch vor Auftreten von Schwierigkeiten im Betrieb beheben (predictive maintenance). "Natürlich gibt es eine Grenze, wo es um die Sicherheit geht", erklärt Schultheis. "Die Zugsteuerung ist niemals über WLAN zugänglich. Da gibt es eine strikte Trennung."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und den ÖBB.