Digital Life
19.01.2017

Yolocaust: Blog kritisiert Selfies am Holocaust-Denkmal

Ein israelischer Satiriker hält der Selfie-Generation den Spiegel vor. Nutzer, die Selfies am Holocaust-Denkmal gemacht haben, werden mit der Vergangenheit konfrontiert.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin ist wohl eines der eindrucksvollsten Mahnmale der Welt. Auf einer Fläche von 19.000 Quadratmeter wurden mehr als 2700 Betonquader aufgestellt, die an den Holocaust erinnern sollen. Doch das ist vielen Besuchern oftmals nicht bewusst - oder sie ignorieren es aufgrund des hübschen Fotomotivs einfach. Darauf will nun der israelische Satiriker Shahak Shapira aufmerksam machen, der am Mittwoch das Online-Projekt „Yolocaust“ startete.

Darauf zeigt er öffentliche Selfies am Holocaust-Mahnmal, die mit Original-Bildmaterial aus Konzentrationslagern des zweiten Weltkrieges kombiniert wurden. So sind etwa Menschen zu sehen, die gerade ein Selfie machen, während hinter ihnen abgemagerte Menschen stehen. Unter ihnen stehen die „Kommentare, Hashtags und ‚Likes’“ der Originale. Die Bilder hat der Satiriker öffentlich auf Plattformen wie Facebook, Instagram, Tinder und Grindr gefunden. Shapira wolle mit dem Projekt die Erinnerungskultur hinterfragen.

Für Erinnerung sorgen

In einem Interview mit jetzt.de erklärt Shapira, er wolle den Menschen „nicht sagen, was sie machen dürfen und was nicht.“ Stattdessen soll das Projekt zum Nachdenken anregen. „Die Bilder zeigen, wie schnell Erinnerung in Vergessenheit geraten kann. Viele sehen das Mahnmal leider immer mehr als Lifestyle-Foto-Objekt und weniger als Stätte der Erinnerungskultur.“

Wie er selbst im FAQ-Bereich auf Yolocaust anmerkt, ist die Bedeutung des Mahnmals umstritten. So betonte Peter Eisenman, der Architekt des Mahnmals, mehrmals in Interviews, dass es „keine bestimmte Bedeutung“ habe. So erklärte Eisenman gegenüber der Berliner Morgenpost: „Ich wollte eine täglich präsente Erinnerung an den Holocaust für die Deutschen machen, keine private, sondern eine öffentliche Erinnerung. Etwas, das ganz normale Bürger besuchen können, ohne sich schuldig zu fühlen.“

Undouche.me

Shapira will mit Yolocaust dafür sorgen, dass diese Erinnerung nicht verblasst. Er widmet das Projekt dem umstrittenen AfD-Politiker Björn Höcke, der zuletzt mit einer radikalen Rede in Dresden in die Schlagzeilen gekommen ist.

Kritik erntete Shapira jedoch für die Tatsache, dass die Personen auf den Aufnahmen nicht unkenntlich gemacht wurden. Er bietet jedoch eine Kontakt-Adresse an, unter der man um die Löschung bitten kann: undouche.me@yolocaust.de.