Games
27.02.2015

Dying Light im Test: Zombieprügeln mit Spaßbremse

Open World, Parkour, Zombies und alles aus der First-Person-View: Dying Light kann Spaß machen, stellt aber Spieler zuvor auf eine Geduldsprobe.

Dying Light (PS4, Xbox One, PC) ist der inoffizielle Nachfolger von Dead Island, für das ebenfalls das polnische Entwicklerstudio Techland verantwortlich war. Auch wenn Dead Island nicht ganz ausgereift war, hatte es doch einen gewissen Charme. Schließlich gab es 2011 (und jetzt eigentlich auch) kaum First-Person-Zombiespiele in einer offenen Welt, bei denen der Nahkampf gegen die Untoten im Fokus steht.

Dying Light will von allem mehr bieten. Mehr Spielzeit, mehr Zombies und mehr Abwechslung durch Parkour und nächtliche Schleich-Elemente. Spaß daran hat man allerdings erst nach einer steilen Lernkurve. Die futurezone hat sich durch die Frustmomente gekämpft und Dying Light getestet.

Galerie: Dying Light

1/20

18.jpg

8.jpg

16.jpg

12.jpg

19.jpg

15.jpg

6.jpg

11.jpg

14.jpg

9.jpg

2.jpg

13.jpg

17.jpg

5.jpg

7.jpg

10.jpg

4.jpg

3.jpg

1.jpg

20.jpg

In geheimer Mission

Die Story von Dying Light ist ein Fall für das Hämmern auf den Skip-Button. Der Spieler ist ein Geheimagent, der in der Zombie-verseuchten, abgeriegelten Stadt Harran eine Datei akquirieren soll. Es läuft darauf hinaus, dass man, mal mehr und mal weniger, zusammenhängende Laufburschen-Aufgaben erfüllt.

Die Zwischensequenzen in Spielegrafik sind im Grunde nur Dialoge, die zu banal und zu lang sind. Noch dazu ist die deutsche Sprachausgabe nicht besonders gelungen. Die Bewohner Harrans sprechen mit gekünstelten Akzenten, die irgendwo zwischen russisch, afrikanisch und dann wieder gelegentlich hochdeutsch einzustufen sind. Immerhin liefert Dying Light eine Erklärung dafür: Die Zombieseuche ist während eines Sportereignisses ausgebrochen, bei dem viele internationale Gäste in der Stadt waren.

Interessanter als die Haupthandlung sind einige der Nebenquests. Manche beginnen mit einfachen Aufgaben, werden dann aber zu eigenen Handlungssträngen, die die Geschichte von Nebencharakteren erzählen. Lässt man sich Zeit um die Gegend zu erkunden und die Nebenquests zu erledigen, kommt man locker auf über 30 Stunden Spielzeit.

Aller Anfang ist tödlich

Allerdings nur, wenn man innerhalb der ersten fünf bis acht Stunden nicht das Handtuch wirft. Die Lernkurve ist steil und der Tod allgegenwärtig. Die Nahkampfwaffen, die man in den ersten Stunden findet, sind lächerlich schwach. Noch dazu kann man Schläge kaum gezielt auf den Kopf oder die Gliedmaßen platzieren, was dazu führt, dass der simple, langsame Zombie schon mal zehn Schläge einstecken kann.

Die zehn Schläge muss man aber überhaupt erst einmal anbringen. Zu Beginn ist die Ausdauer so niedrig, dass die Spielfigur schon nach vier oder fünf Schlägen nach Luft ringt und verschnaufen muss. Auch den Waffen geht die Puste aus. Jeder Treffer reduziert die Haltbarkeit. Ist die Waffe kaputt, muss sie mit gefundenen Metallteilen repariert werden. Im Gegensatz zu Dead Island sind Waffen nach zwei bis vier Reparaturen komplett im Eimer. Man sollte sich also nicht zu sehr an eine Waffe gewöhnen, da die Romanzen mit dem Hackbeil mit Feuer-Mod oder Armeespaten mit Strom-Upgrade ein Ablaufdatum haben.

Jump and Run

Wer es nicht in Fäusten hat, sollte es besser in den Beinen haben. Zum Glück ist die Spielfigur Parkour-begabt und kann vor den herantorkelnden Zombies relativ einfach auf Hausdächer oder über Mauern flüchten. Vorausgesetzt, man hat etwas Übung darin. Die Springen-Taste ist auf die Schulter-Taste gelegt, was ungewöhnlich für ein First-Person-Game ist.

Noch dazu muss man die Kante anschauen, die man greifen will. Steht man also vor einer zwei Meter hohen Mauer und schaut nicht nach oben, hüpft die Spielfigur nur am Stand, anstatt sich nach oben zu ziehen. Gerade am Anfang, wenn man von simplen Parkour-Systemen wie das der Assassins Creed-Reihe verwöhnt ist, hüpft man in feinster Slapstick-Manier gegen einen Zaun statt darüber und wird kurz darauf von zehn Zombies verspeist.

Learning by Doing

Das Ableben hat Folgen: Der Respawn ist in der nächsten Sicherheitszone. Hat man nur wenige Sicherheitszonen freigeschaltet, kann diese ein ganzes Stück entfernt vom Sterbeort sein. Da es keine Schnellreisefunktion gibt, läuft man mitunter mehrere Minuten um wieder dem Ausgangspunkt zu kommen.

Außerdem verliert man beim Sterben Erfahrungspunkte in der Kategorie Überleben. Ist man kurz vor einem Level Up gewesen, ist dies besonders bitter. Stirbt man mehrmals hintereinander, kann so der Fortschritt von mehreren abgeschlossenen Missionen zu Nichte gemacht werden.

Es gibt noch zwei weitere Kategorien: Parkour und Kampf. Die Erfahrung steigt durch entsprechende Aktionen. Springen und klettern erhöht die Parkourwertung, schlagen und Feinde besiegen die Punkte in der Kampf-Kategorie.

Meine Stadt, mein Spielplatz

Ab Level Fünf oder Sechs in den Kategorien gibt es erste Lichtschimmer, ab Level Acht beginnt Dying Light Spaß zu machen. Man hat mehr Ausdauer, genügend Ressourcen, um Waffen zu modifizieren und Medi-Packs zu basteln, die Waffen halten länger und durch die zusätzlichen Fähigkeiten werden die Kämpfe gegen Zombies interessanter.

So kann man etwa im vollen Sprint über einen Zombie springen oder ihn mit einer Rutschattacke die Beine brechen. Die zweite Stufe des Dropkicks schleudert Feinde meterweit weg und mit der Fähigkeit ein Schild zu basteln, ergeben sich neue Kampftaktiken.

Harran wird so zum Spielplatz, in dem man immer mal wieder gerne vom eigentlichen Ziel abschweift, um kunstvoll Zombies zu erledigen. So probiert man etwa aus, wie viele Zombies man mit Tritten auf einer Stachelbarriere aufspießen kann, schleudert mit Dropkicks Feinde ins Meer oder versucht mit Knallkörpern möglichst viele Zombies auf einen Fleck zu locken, bevor man sie mit einem Molotow-Cocktail in Brand steckt.

Superzombies und Gangster

Leider sind nicht alle Gegner so sterbewillig. Im Spielverlauf stößt man auf stärkere Zombies. Einige spucken Gift, andere sprengen sich selbst in die Luft. Das ist besonders unangenehm, wenn die beiden verwechselt und gegen die untote Bombe tritt, was meist das sofortige Ableben zur Folge hat.

Übergroße Zombies halten viel aus und schleudern den Spieler mit wuchtigen Angriffen zu Boden oder stürmen heran. Hat man das Angriffsmuster aber mal durchschaut, sind sie relativ einfach zu besiegen, solange man vorher die normalen Zombies rundherum entfernt hat.

Macht man zu viel Lärm, in dem man etwa eine Explosion auslöst oder eine Schusswaffe verwendet, werden schnelle, stärkere Zombies angelockt, die Klettern und Angriffen ausweichen können. Während man einen schnellen Zombie noch gut abwehren kann, sind mehrere eine ernstzunehmende Gefahr. Deshalb sollte man auf Sprengstoff und Schusswaffen eher verzichten oder sie nur einsetzen, wenn man einen guten Fluchtplan hat.

Eine der größten Herausforderungen sind menschliche Gegner. Die Gang-Mitglieder weichen aus, werfen Messer, haben manchmal Schusswaffen, bewegen sich fast ausschließlich in Gruppen und können Angriffe blocken und ordentlich viel Schaden einstecken.

Licht aus

Dying Light hat einen dynamischen Tag-Nacht-Wechsel. In der Nacht gelten andere Regeln. Schnelle, starke Zombies bevölkern die Straßen. Da eine Konfrontation mit diesen meist tödlich ist, wird Dying Light nachts zu einem Stealth-Game. Wird man dennoch entdeckt, beginnt eine hektische Verfolgungsjagd zur nächsten Sicherheitszone. In der Nacht, nur im spärlichen Licht der Taschenlampe, kann dies durchaus ein Adrenalinkick sein.

In den ersten Spielstunden wird man die Nacht eher meiden. Die meisten Nacht-Missionen sind in der Anfangsphase des Spiels optional. Mit höheren Levels und mehr Ausdauer werden die nächtlichen Spaziergänge zunehmend interessanter. Nicht nur wegen des Nervenkitzels, sondern weil es in der Nacht auch Erfahrungsboni gibt.

Lustiger mit Freunden

Ein Problem bleibt sowohl bei Tag als auch Nacht: Viele Quests und Aufgaben sind eintönig. Die oben beschriebenen Quests mit Fokus auf Nebencharakteren bilden leider die Ausnahme.

Meistens lautet die Aufgabe: Gehe zum Punkt A, hole einen Gegenstand und komme wieder zurück. Nervig ist, wenn nicht ein, sondern mehrere mögliche Orte angegeben sind, auf denen der besagte Gegenstand sein könnte. Immerhin ist Harran abwechslungsreich gestaltet und bieten immer wieder interessante Punkte zum Erforschen. Während das erste Gebiet noch eher rural ist, ist die Altstadt urbaner.

Glücklicherweise bietet Dying Light einen Online-Coop-Modus für die gesamte Kampagne (außer dem Tutorial). Bis zu vier Spieler können zusammen Missionen meistern oder auf Zombie-Jagd gehen. So machen selbst die sich wiederholenden Quests Spaß, da man mehr Möglichkeiten hat, die Aufgaben zu lösen und auch einige Frustmomente entfallen.

Dying Light wird am besten mit Freunden mit guten Headsets gespielt. Wenn die Verständigung nicht stimmt, ist ein echtes kooperatives Spielen in Dying Light kaum möglich. Wer einfach nur anderen Spielern schaden will, muss dazu nicht in ihr Game einsteigen und Blödsinn machen, sondern kann den kostenlosen „Be a Zombie“-DLC nutzen.

Haben Spieler die Option „Zombie-Invasion“ aktiviert, kann man als Super-Monster in ihre Games einsteigen und Jagd auf sie machen. Gegen einzelne Spieler ist es teilweise unfair, da man als Super-Zombie meist überlegen ist. Steigt man in ein Spiel ein, in dem mehrere menschliche Spieler sind, wird es interessanter. Man verfolgt die Spieler, wartet bis sie abgelenkt sind und versucht dann einen einzelnen als Ziel herauszupicken.

Coop-Bug

Leider hat es Techland bisher nicht geschafft, den Coop-Modus auf der PS4 stabil zu machen. Während der Online-Coop mit zufälligen Partner einigermaßen funktioniert, stürzt das Spiel bei Coop-Games mit Spielern aus der Freundesliste sehr oft ab. Im Test der futurezone konnte zwischen zwei Redakteuren deshalb gar nicht gespielt werden. Techland hat zwar in seinem Support-Forum Abhilfe per Patch versprochen, bislang besteht das Problem aber weiter (Stand 17. 02. 2015).

Fazit

Mit dem eigenwilligen Charme von Dead Island kann Dying Light nicht ganz mithalten. Wer sich eine Fortsetzung mit einfach nur besserer Grafik und mehr Inhalt erhofft hat, wird möglicherweise enttäuscht sein. Die oft eintönigen Quests, die lange Startphase und die wenig motivierende Story können echte Spaßbremsen sein.

Spaß kann Dying Light trotzdem machen, man muss nur eine hohe Leidensbereitschaft haben oder gleich von Anfang an mit Freunden kooperativ spielen - wenn das mal funktioniert und nicht beim Einsteigen in eine Coop-Partie ständig das Spiel abstürzt.