Games
30.10.2016

Lego Dimensions im Test: Das steckt hinter dem Hype

Mit Mr. T Voldemort verprügeln und mit Homer Simpson Mittelerde erkunden: Lego Dimensions lässt analog bauen, digital spielen und zieht Usern das Geld aus der Tasche.

Lego Dimensions ist bereits vor einem Jahr erschienen. Nach Skylanders (hat mich nie gepackt) und Disney Infinity (schöne Figuren, mäßige Spiele, wurde eingestellt) hatte ich das Videospiel in die Rubrik „und schon wieder ein Game mit Spielzeugfiguren“ eigeordnet. Und das, obwohl ich Team Lego bin (Playmobil-Kinder heißen Kevin und Jaqueline) und die meisten Lego-Videospiele mochte.

Jetzt ist die „Welle 6“ der Zusatzpacks für Lego Dimensions erschienen. Mit dabei: Mr. T als B.A. Baracus aus dem A-Team und Adventure Time. Höchste Zeit herauszufinden, was hinter Dimensions steckt und ob es sich auszahlt, ein Ticket für den Hype Train zu lösen.

Galerie: Lego Dimensions

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Leuchtplatte

Wie Skylanders und Disney Infinity ist auch Lego Dimensions ein Game im Toy-to-Life-Format. Das Starter-Paket (PS4, Xbox One, Wii U, PS3, Xbox360, ab 60 Euro) enthält das Spiel, drei Figuren, ein Fahrzeug und das so genannte Toy Pad.

Das Toy Pad wird per USB mit der Konsole verbunden und ist die Schnittstelle zwischen echter und Videospiele-Welt. Jede Lego-Figur und jedes Fahrzeug steht auf einer runden Platte, die einen NFC-Chip eingebaut hat. Wird die Figur auf das Toy Pad gestellt, taucht diese im Spiel auf.

Lego mit Digital-Upgrade

Im Gegensatz zu Skylanders und Disney Infinity sind die Figuren und Fahrzeuge keine proprietären Kreationen – sie sind echtes Lego. Und das macht für mich viel vom Charme von Lego Dimensions aus.

Die Minifigs (Lego-Fachausdruck für die Figuren) sehen nicht nur gut aus, sondern können auch ganz normal fürs Legospielen verwendet werden. Hätte ich mein Piratenlego aus der Kindheit noch, wäre Mr. T wohl der neue Kapitän des Dreimasters geworden.

Lego-Freiheit kommt aber auch mit Lego-Pflichten: Das Dimensions-Tor für das Starter-Paket muss erst gebaut werden, ebenso die Fahrzeuge. Im Gegensatz zu normalen Lego-Sets gibt es die Bauanleitung für die Lego-Fahrzeuge nur am Bildschirm zu sehen. Lego-Baumuffel (gibt es solche Menschen überhaupt?) müssen die Steinchen nicht zusammensetzen, wenn sie nicht wollen. Es reicht die Chips auf dem Toy Pad zu platzieren. So kann man etwa auch Lego Dimensions spielen, wenn gerade die Marty McFly-Minifig in der analogen Lego-Western-Welt benötigt wird.

Umbauen

Sind die Fahrzeuge und das Portal einmal aufgebaut, ist es mit dem Steinchenstecken noch nicht getan. Die Fahrzeuge im Spiel können aufgerüstet werden, um eine von zwei neuen Varianten, mit neuen Fähigkeiten, freizuschalten. Wird eine neue Version freigeschaltet, wird die Anleitung am TV angezeigt, um diese zu bauen. So wird aus der Lokomotive des Hogwarts Express ein Mech oder Flugzeug.

Kauft man ein Story Zusatzpack, ist darin eine neue Kulisse enthalten, die statt dem Dimensionsportal auf das Toy Pad gestellt werden kann. Beim Ghostbusters-2016-Pack ist das etwa ein Teil des Chinarestaurants, das im Film die Ghostbusters-Zentrale ist. Auch hier gilt: Wer nicht will, muss es nicht aufbauen. Es genügt den Chip der im Story-Zusatzpack enthaltenen Minifig auf das Toy Pad zu legen, um die neuen Inhalte freizuschalten.

Umsetzen

Das Videospiel ist so gestaltet, dass es immer wieder Interaktion mit dem Toy Pad gibt, während man etwa bei Disney Infinity zum Start seine Figur platziert und sie oft bis zum Spielende dort bleibt. Bei Dimensions gibt es in den Levels immer wieder Elemente, die erfordern, die Figuren umzusetzen.

Dazu gehören Farbrätsel. So läuft man Videospiel etwa mit Batman über ein gelbes Farbfeld und platziert diesen dann auf einer der drei Sektionen am Toy Pad. Auf welches ist im Level im Videospiel zu sehen. Sind alle Farben richtig gesetzt (auch mischen ist möglich), ist das Rätsel gelöst.

Bei anderen Rätseln wird durch das Platzieren auf den Sektoren die Figur geschrumpft, vergrößert oder mit Elementarkräften ausgestattet. Eine nette Idee ist das Such-Minispiel. Nähert man sich mit der Figur im Spiel dem versteckten Gegenstand, leuchtet das Toy Pad Grün. Entfernt man sich, färbt sich das Licht zu Rot um.

Mitgedacht: Das Kabel des Toy Pad ist lang genug, damit das Pad nahe beim Sofa oder am Sofa platziert werden kann. Ein Aufstehen zum Umplatzieren der Figuren ist nicht nötig.

Teamwork

Das Toy Pad hat sieben Plätze, die in die bereits oben erwähnten drei Sektoren aufgeteilt sind: Drei Plätze sind links, einer ist in der Mitte und drei sind rechts. Die Plätze können beliebig mit Fahrzeugen oder Minifigs befüllt werden können.

Zwar sind im Starter Paket nur drei Figuren und ein Fahrzeug enthalten, es können aber alle Plätze genutzt werden. Denn, wie auch bei den anderen Lego-Videospielen, ist man immer im Team unterwegs. Hat man sieben Figuren am Toy Pad, kann man im Game per Tastendruck zwischen denen hin und her wechseln.

Ist die gewünschte Figur nicht am Toy Pad, nimmt man einfach Batman runter und setzt stattdessen Supergirl drauf. Der Wechsel im Spiel ist fließend und dauert nur ein paar Sekunden. Ein Pausieren des Games oder Bestätigen des Figurenwechsels ist nicht nötig.

Vier verschiedene Packs

Wie bei früheren Lego-Spielen hat jede Figur bestimmte Eigenschaften. Für das Abschließen der Story reichen die Fähigkeiten der mitgelieferten Figuren aus. Will man aber alle versteckten goldenen Steine finden (über 1000), benötigt man früher oder später die Figuren der Zusatzpacks. Die Packs sind in vier Kategorien eingeteilt. Die Preis variieren je nach Händler und Alter der Packs. Die Packs sind konsolenunabhängig, zum Spielen wird aber immer das Starter-Paket mit dem Toy Pad benötigt.

Story Pack (ca. 45 Euro): Enthält eine Kulisse für das Toy Pad, eine Figur, ein Fahrzeug und eine Story, bestehend auf mehreren zusammenhängenden Levels. Beim Ghostbusters-2016-Story-Pack wird etwa die Handlung des Films nachgespielt.

Level Pack (ca. 30 Euro): Eine Figur, ein Fahrzeug, ein Gadget, ein neues Level

Team Pack (ca. 25 Euro): Zwei Figuren, zwei Fahrzeuge

Fun Pack (15 Euro): Eine Figur, ein Fahrzeug oder Gadget

Mischmasch

Angesichts des umfangreichen Pack-Angebots lässt sich erahnen, dass Lego Dimensions das Budget ordentlich belasten kann. Allerdings bekommt man auch etwas dafür. Jede Figur und jedes Fahrzeug kann in jeder Lego-Welt genutzt werden. Der Joker mischt das Geisterjäger-New-York auf? Kein Problem. Harry Potter ringt mit Velociraptoren aus Jurassic Park? Check.

Jedes Pack schaltet zudem eine passende, offene Welt frei. Dort gibt es zwar keine geführte Handlung, dafür aber viele Mini-Quests und goldene Sammelsteine zu entdecken. Selbst mit einem 15-Euro-Fun-Pack werden also neue, spielbare Inhalte freigeschaltet – sofern man nicht bereits ein Pack aus dem Set besitzt.

Und dann kommt noch der Charme der Minifigs dazu. Mr. T als Legofigur sieht genial aus und auch viele andere, wie Doc Brown, Doctor Who und die Simpsons-Figuren sind gelungen. Lediglich Jake aus Adventure Time sieht ein bisschen gruselig aus.

Der Lego-Schmäh

Glücklicherweise kann Lego Dimensions nicht nur mit Quantität punkten. Abgesehen von den Toy-Pad-Minigames und den Fahrzeugen, ist das Gameplay aus den früheren Lego-Videospielen bekannt, die es zu Franchises wie Jurassic Park, Star Wars, Harry Potter und vielen anderen gibt. Man läuft durch das Level, verprügelt Bösewichter, löst Rätsel (die in Dimensions etwas komplexer sind als in den anderen Lego-Games) und versucht möglichst alle versteckten Sammelgegenstände zu finden.

Die Stärke von Dimensions ist, dass ein ganzer Haufen Franchises in ein Spiel geschmissen wird. Wie der Name schon sagt, geht es um die verschiedenen Dimensionen. Im Laufe der Story besucht man das New York der alten Ghostbusters, Hill Valley zur Zeit des Wilden Westens, Mittelerde, das Universum von Doctor Who, Arcade-Videospiele und viele andere. Mein Favorit ist die Aperture-Forschungseinrichtung, aufgrund der sarkastischen K.I. GlaDOS.

Durch das Vermischen der Dimensionen und das Aufeinandertreffen der Charaktere kann Dimensions den für Lego-Games typischen Humor noch viel stärker ausspielen, als bei bisherigen Lego-Videospielen. Es ist wie ein gewaltiges Crossover-Special, das aber nicht erzwungen lustig, sondern einfach nur lustig ist.

Wie die früheren Lego-Games kann auch Dimensions kooperativ zu zweit an einer Konsole durchgespielt werden. Mit den aktuellen Zusatzpacks ist auch ein Versus-Modus dabei, an dem sich vier Spieler gegeneinander, in Teams oder gegen Bots, messen können. Dieser Versus-Modus hat nicht besonders viel Tiefgang und ist mehr Dreingabe als Kaufargument.

Kein Disney, dafür Hasselhoff

Schade ist, dass es derzeit keine Disney-Inhalte für Lego Dimensions gibt, obwohl es bereits Lego-Games zu Star Wars, diversen Marvel-Produktionen und Fluch der Karibik gab. Grund dafür könnten Disneys strenge Regeln bezüglich Crossovers mit Konkurrenzprodukten sein (DC gibt es in Lego Dimensions). Vielleicht muss Disney auch erst das Scheitern seiner Infinity-Spielereihe verdauen.

Dafür sind aber bereits weitere Highlights für Lego Dimensions in Aussicht. Dazu gehören Knight Rider (mit David-Hasselhoff-Minifig). Gremlins, Teen Titans Go, Powerpuff Girls, E.T., Sonic und Fantastic Beasts.

Fazit

Lego Dimensions fängt den Geist von Lego besser ein, als jedes andere Lego-Videospiel. Denn auch das analoge Lego ist nicht weltenrein: Wer will kann seine Piraten in den Weltraum schicken oder Lego City mit dem Mittelalter verschmelzen lassen. Und auch in Lego Dimensions kann ich mit jeder Figur jede Welt bereisen, unabhängig davon, ob sie dazu passt oder nicht. Es ist ein bisschen wie die Moral aus dem Lego-Kinofilm: Trau dich ruhig mal die Regeln zu brechen.

Abgesehen davon hat Lego Dimensions ein paar Schwächen. Es gibt einige Bugs, aufgrund derer man ein Level neu starten muss. Auch gibt es zu wenig Speicherpunkte, was im Fall des gezwungenen Level-Neustartens besonders ärgerlich ist.

Für ein Lego-Game ist außerdem zu wenig erklärt, gemessen an dem massiven Aufgebot an Inhalten. Es ist nicht intuitiv genug, damit junge Gamer alles sofort verstehen. Aber da das ganze Spiel kooperativ zu zweit gespielt werden kann, kann man den Nachwuchs-Gamern zur Hand gehen. Oder ihnen die nicht benötigten Legofiguren zum Spielen geben und mit dem Ehepartner Dimensions durchzocken.