Games 06.08.2015

Unreal Tournament: “Sie wollten es immer schneller"

© Bild: Epic Games

Der US-Entwickler Epic Games will den Klassiker "Unreal Tournament" mit einem kleinen Team und tausenden Freiwilligen wiederaufleben lassen.

Zwei Wörter reichten im Vorjahr aus, um Millionen Shooter-Fans weltweit glücklich zu machen: “Unreal Tournament”. Der legendäre Multiplayer-Shooter ließ sieben Jahre lang auf einen Nachfolger warten, im Mai 2015 kündigte Entwickler Epic Games endlich einen neuen Ableger an. Doch die noch größere Überraschung: Der neue Titel, der ganz einfach “Unreal Tournament” heißen soll, wird kostenlos für Windows, OS X und Linux erscheinen.

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Unreal Tournament

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All das hatte auch einen Haken: Epic hatte bisher keine einzige Zeile Code verfasst, ein Erscheinungsdatum gab es auch nicht. Stattdessen sollen tausende “Unreal Tournament”-Fans gemeinsam mit einer Handvoll Profis das Spiel aus dem Boden stampfen. Ein einzigartiges Experiment, zu dem man auf der Games Developers Conference in Köln mehr verriet.

Kronjuwelen verschenkt

“Wir haben so eine großartige Community und jetzt haben wir uns dafür entschieden, dieses Spiel mit ihnen zu entwickeln”, erzählt Jim Brown, Senior Designer bei Epic, der futurezone. Epic hatte bereits zuvor ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den eigenen Fans. “Fast jeder aus unserem Team kommt aus dieser Gemeinschaft und hat mit Mods begonnen”, sagt Brown. Einige Titel wurden zudem mit Zusatzinhalten, die von der Community erstellt wurden, ausgeliefert. Da lag es nur auf der Hand, die Fans noch ein Stück aktiver an der Entwicklung zu beteiligen. Doch das Ausmaß überraschte wohl neben Branchenkennern auch die Fans.

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Jim Brown von Epic Games © Bild: Michael Leitner
Epic gab im März kurzerhand sein wertvollstes Kronjuwel frei: Die Unreal Engine 4. Statt eine monatliche Gebühr zu bezahlen, darf jeder Interessierte einen Blick in den Code werfen oder diesen für eigene Projekte verwenden. Erst wenn damit erstellte Spiele eine bestimmte Umsatzgrenze überschreiten, zwackt Epic einen Teil der Erlöse ab. Dieser unerwartete Schrittöffnete vor allem die Schleusen bei “Unreal Tournament”, denn seitdem kann sich ausnahmslos jeder an der Entwicklung beteiligen. Am Anfang gab es sechs Mitarbeiter, über die letzten Monate kamen tausende Freiwillige aus dem Netz dazu.

Spieleentwicklung für Anfänger

Die Demografie ist bunt gemischt, neben erfahrenen Spieleentwicklern, die ihre Freizeit opfern, versuchen sich auch viele Einsteiger. “Die Community-Mitglieder haben meist wenig Erfahrung mit Spieleentwicklung. Viele haben gute Ideen, die aber nicht unseren technischen Vorgaben entsprechen”, erklärt Brown. Damit die Fans lernen, versorgt Epic sie aber mit Feedback und lässt sie nicht mit einer knappen Begründung im Regen stehen. Beteiligen kann sich jeder, nicht nur Grafiker und Programmierer. “Wir wollen Wege finden, in denen jeder etwas zum Spiel beitragen kann, sei es die Titelmusik, das Logo oder als Tester. Jeder, der irgendein Talent hat, kann helfen.”

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Jim Brown von Epic Games und Michael Leitner von der futurezone © Bild: Gregor Gruber
Doch warum verschenkt ein bekanntes Unternehmen wie Epic seine wohl wichtigste Technologie? Unter anderem, weil sich die Branche im Wandel befindet. Unternehmen wie Unity und Autodesk setzen auf ähnliche Modelle, bei denen erst Bezahlung fällig wird, wenn die Entwickler Geld verdienen. So soll langfristig ein Win-Win-Effekt entstehen: Die Entwickler werden an die hauseigene Technologie gebunden und die Branche floriert. Das bestreitet Brown auch nicht: “Wir hoffen natürlich, dass uns das immer noch Geld bringen wird. Auf dem Weg dahin wollen wir aber so großzügig wie möglich sein und möglichst vielen Nutzern etwas beibringen.” Für ihn habe dieses Modell aber deutlich mehr Zukunft als Free-to-Play. “Das ist so viel besser als Paywalls oder Nutzern mit Psycho-Tricks kleine Summen Geld aus der Tasche zu ziehen. Das funktioniert nur auf kurze Zeit gut.”

“Es wird nie wirklich fertig”

An den Abläufen habe man trotz des gewaltigen Projekts nichts verändert. “Wir wollen, dass jeder hautnah lernen kann, wie man ein Spiel entwickelt”, sagt Brown. “Sie sollen sich hinterher nicht beschweren müssen, wieso ihre verrückte Idee nicht im Spiel ist. Stattdessen sollen sie lernen, wie so etwas funktioniert und wieso das nicht hinhauen kann.” Obwohl sich jeder über GitHub oder die Foren einbringen kann, behält das kleine Epic-Team das letzte Wort. “Es herrscht nicht Anarchie, nicht jeder kann machen was er will. Einen demokratischen Prozess, bei dem die Mehrheit der Fans entscheidet, gibt es aber auch nicht.”

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Die Community organisiere sich selbst und helfe in kleinen Gruppen untereinander aus, doch das Feedback sei nicht bindend. Vielmehr habe man ein klar definiertes Ziel, das jeder im Wiki nachlesen kann. Von “Springen an den Wänden entlang” und “bunten Hüten” will Brown vorerst nichts hören. “Alles, was im Spiel landet, soll sich an den Kernelementen von ‘Unreal Tournament’ orientieren. Wenn dieser Kern steht, können wir darüber reden, ihn zu erweitern.” Der “1.0”-Status soll nächstes Jahr erreicht werden, aber dieser Termin steht auf wackeligen Beinen. “Eigentlich wollten wir schon dieses Jahr dort sein, aber das ging sich nicht aus.” Das lahme Tempo sei der wohl größte Nachteil, den man aber hinnehmen müsse. Wirklich “fertig” werde das Projekt wohl nie sein, stattdessen soll es laufend weiterentwickelt werden.

Wenig Vertrauen in VR

Ein Punkt machte den Entwicklern aber zu Beginn Sorgen: die Geschwindigkeit des Spiels. Während sich klassische Multiplayer-Shooter wie “Quake 3 Arena” und “Unreal Tournament” in den Neunzigern auf hohes Tempo konzentrierten, musste im neuen Jahrtausend das Tempo etwas zurückgefahren werden. Schuld daran sind unter anderem Spielkonsolen, bei denen man auf Maus und Tastatur verzichten muss. “Wir haben langsam begonnen, wie man es von aktuellen Shootern kennt, und das Tempo dann gesteigert. Den Spielern hat es gefallen, jedes Mal”, erklärt Brown. “Irgendwann mussten wir Stopp sagen, denn die Spieler wollten es immer schneller.”

Damit das Spiel auch bei hohem Tempo gut aussieht, peilt man eine Bildrate von 120 Bildern pro Sekunde an. Das soll für flüssige Bewegungen sorgen, auch in Kombination mit Virtual-Reality-Hardware. Dort können niedrige Bildraten oftmals für Übelkeit und Schwindelgefühle sorgen. Das neue “Unreal Tournament” läuft bereits auf der Oculus Rift. “Das war eines der ersten Dinge, die wir gemacht haben, als es einen Prototypen von Unreal Tournament gab”, erklärt Brown. Obwohl er vom Ergebnis begeistert ist, sieht er die Technologie noch etwas skeptisch: “Ich bin mir nicht sicher, ob Videospiele die Zukunft von Virtual Reality sein werden. Irgendetwas lässt sich aber sicher damit machen.”

Disclaimer: Die Pressereise zur GDC Europe und Gamescom wird vom Österreichischen Verband für Unterhaltungssoftware (ÖVUS) und futurezone bezahlt. Roaming für das Posten von Fotos auf Instagram und Facebook wird voraussichtlich von A1 übernommen.

( futurezone ) Erstellt am 06.08.2015