Meinung
16.11.2012

Allee Blog: Fail Faster!

In Europa gilt die deutsche Hauptstadt bereits vielen Jung-Unternehmern als Start-up-Mekka. Auch die Wiener Firma Weavly hat den Sprung nach Berlin gewagt. Ihr CEO, Oliver Lukesch, schreibt wöchentlich auf futurezone.at über die Hype-Stadt und den Alltag im Inkubator-Programm "Startupbootcamp".

Hinter mir 15 Flaschen Clubmate, rechts müllgewordene Überbleibsel einer intensiven Nacht im Quelltext, vor mir flimmert die neue Version von Weavly über den Bildschirm. Fesch ist sie, allerdings mit einem dicken Makel: Sie ist läuft aktuell nur auf unserem Entwicklungsserver, nicht online. Sollte sie aber.

Was am Mittwoch Abend noch als augenscheinlich harmloser Bug seinen Ursprung genommen hat, ist im Laufe der Nacht zu einem handfesten Problem gewachsen, an einen Release ist mittlerweile nicht mehr zu denken. Dabei hätte es einer der ersten größeren Releases von Weavly werden sollen, inklusive einem netten Batzen Pressearbeit und einem großartigen Kooperationspartner an Bord. Aber auch das gehört zum Startupleben dazu - einen Release ordentlich zu verhauen und daraus hoffentlich lernen. Fail faster.

Stimmungsbild aus dem Bootcamp
Sonst ist es eher ruhig geworden im Bootcamp. Unser Office, in den letzten Wochen dominiert von einer Melange aus Hektik, intensiven Diskussionen und durch die Türe polternden Mentoren, lässt mittlerweile tatsächlich konzentriertes Arbeiten zu. Beinahe eine Premiere.

Einige Teams haben kräftig expandiert und dennoch, viele der Tische stehen meistens leer. Was an Entrepreneurs noch vorzufinden ist, sitzt fest verkabelt und mit starrem Blick auf dem Monitor am Schreibtisch. Mitglieder der Spezies Coder lassen sich sowieso nur noch sporadisch im Office blicken; viele arbeiten von ihrer Wohnung aus oder treiben sich mittlerweile im eigens für sie geschaffenen Coding Cave ein Stockwerk unter dem Office herum. Klischee olé.

Demo Day
Woran es liegt? Zwei Gründe: Zum einen steht das Ende des Bootcamps vor der Tür. Ein Dinner letzte Woche zur Ehre all jener Mentoren, welche unentgeltlich ihre Zeit den Startups im Bootcamp geschenkt haben, war der Anfang vom Ende; vor allem der nahende Demo Day wirft seinen Schatten voraus. Nur noch 11 Tage bis zu jenem mit 300 Investoren, Journalisten und sonstigen Angehörigen der Szene bestückten Event, welcher allein den 10 Startups des aktuellen Berliner Calls gewidmet ist.

Grund zwei: Die Aktivität hat sich nach außen verlagert. Wer nicht gerade an seinem Produkt arbeitet, d.h. entweder bereits so gut wie fertig ist oder sich dafür entschieden, die restliche Zeit im Startupbootcamp für Fragen abseits der Entwicklung zu reservieren, ist mittlerweile kaum noch im Office anzutreffen. Liquid State pitcht bei Springer, capsule.fm holt sich Fernsehwerbung im Wert von einer Million Euro bei der Noah Conference in London ab und it`sPlatonic wagt mit den Nachwehen der US Wahl einen netten PR Stunt.

Es ist ein inneres Blumenpflücken zu sehen, wie all jene mühsamen Diskussionen der Teams, welche wir gerade am Anfang oftmals sehr direkt miterlebt haben, langsam Früchte tragen. Und auch wenn aus unserem Süppchen diese Woche nichts geworden ist – nächste Woche gibt`s einen neuen Anlauf.

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