Meinung
29.03.2014

Aller Anfang mit Google Glass ist schwer

Smartwatches, Fitnessbänder, Datenbrillen – der Wearables-Markt boomt und die Köpfe der Entwickler, coole Apps zu finden, rauchen.

In den 70er-Jahren sind dort Musikgrößen wie Blondie, Iggy Pop oder Metallica aufgetreten, Donnerstagabend wurden die Broadway Studios im Herzen von San Francisco, unweit der Transamerica Pyramid und des Financial District, vom Media Lab des Canadian Film Centre gemietet – „An Evening of New Wearable-Apps“ stand auf dem Programm. Fünf junge Start-ups – alle aus Kanada – stellten Apps für Google Glass vor. Zuerst auf der Bühne und danach gab es die Möglichkeit, die Apps selbst auszuprobieren.

Aller Anfang ist schwer

Als relativ frischer Google Glass-Besitzer weiß ich mittlerweile, dass Googles Datenbrille so ihre Tücken hat; das User-Interface ist noch nicht optimal, die Spracherkennung ist so lala und der Akku ist relativ bald erschöpft. Google Glass ist eine neue Geräte-Gattung, über die wir vermutlich in einigen Jahren schmunzeln werden (vor allem über den Preis, den Entwickler bereit sind, dafür zu zahlen, nämlich mehr als 1600 Dollar). Mich erinnert die ganze Datenbrillen-Entwicklung an die ersten Gehversuche mit dem mobilen Internet, als dieses noch WAP (Wireless Application Protocol) genannt wurde – das war übrigens 1999. 15 Jahre später versuchen Entwickler für die Glass coole Apps zu entwickeln, damit die Datenbrille für sinnvolle Anwendungen zu gebrauchen ist.

Verspielte Apps

Die Apps der fünf kanadischen Start-ups waren auch so lala, wie die Datenbrille. Drei der Anwendungen waren Games für die Brille – „Little Bandits“ ist ein Game für zwei Spieler, auf dem jeder immer auf einem Feld, das in kleine Quadrate unterteilt ist, zwei Züge machen kann und den anderen attackieren/erschießen. Da ich kein Gamer bin, hat dieses Game eher weniger Interesse ausgelöst.

Grenzwertig, da meiner Meinung nach ethisch nicht vertretbar und political aber so was von incorrect ist das Game „Global Food Fight“. Bei diesem Spiel, das es sowohl für iPhone als auch Glass gibt, muss man mit Essen wie Gemüse, Torten etc. herumschmeißen und eine Zielperson in Moorhuhn-Art ins Visier nehmen. Ich hab’s ausprobiert. Naja. Mit essen herumschmeißen wird - auch wenn es spielerisch ist - nicht gut ankommen.

Ein spannender Ansatz ist Smokebomb Entertainment gelungen, die ein – Eigendefinition – hybrides Story-Action-Puzzle-Game „State of Syn – Singularity“ entwickelt haben. Das Design erinnert an eine Mischung aus Matrix, Minority Report, Odyssee im Weltraum und Oblivion, hier gilt es strategisch Aufgaben zu lösen und dabei die Glass zu integrieren – Ziele ins Visier nehmen, Computer hacken etc.

Das Canadian Film Centre selbst hat „Shard“ gezeigt – eine App, die in Echtzeit Videoaufnahmen künstlerisch umbaut und mit Filtern wie etwa Kaleidoskop versieht.

Die spannendste Google-Glass-App des Abends war meiner Meinung nach aber „A to B – Chase Yourself“. Man setzt die Brille beim Laufen, Walken oder Mountainbiken auf und kann entweder gegen eine selbst aufgestellte Bestzeit laufen oder gegen einen anderen. Kombiniert mit einer herkömmlichen Lauf-App könnte das durchaus ein spannendes Produkt werden.

Die 360-Grad-Kamera

Die ganze Veranstaltung wurde übrigens auf Video aufgezeichnet, und auch dabei wurde eine kanadische Erfindung präsentiert, nämlich die 360-Grad-Kamera von bubl. Die Kamera hat einen Durchmesser von etwa zehn Zentimetern, kann auf jedes Stativ montiert werden und nimmt mit vier Objektiven ein 360-Grad-Bild auf – kontrolliert und gesteuert wird die Cam via iPad. „Wir haben das Projekt via Kickstarter realisieren können“, erzählte mir CTO Dan Mills. 100.000 Dollar war das Ziel, 346.000 Dollar hat man erreicht. Mills zeigte mir die Aufnahmen vom Event, und in diesen konnte man beim Abspielen selbst mit dem Finger am Touchscreen den gewünschten Ausschnitt ansehen und sich im Raum bewegen.

899 Dollar wird die Kamera später im Handel kosten, für 579 Dollar kann man sie jetzt aber schon vorbestellen. Anwendungsgebiete fallen Mills genug ein, so seien sie perfekt auch für Drohnen geeignet und mit einer Outdoor-Version traut man sich sogar zu, der GoPro Konkurrenz zu machen.