Facebook ist im Grunde eine Singlebörse

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Kommentar
05/11/2011

Facebook-Freunde, stoppt das Draufklicken!

Auf Facebook wütet die "Wer-ruft-mein-Profil-auf"-Plage - wer auf den Link klickt, tritt eine Nachrichten- und Event-Einladungslawine los. Zum Missfallen vieler, die auf den Facebook-Wurm bereits mit "Entfreundungen" reagieren.

Allein heute zwischen acht und zehn Uhr Vormittag waren es acht Event-Einladungen auf Facebook - „WOW Jetzt kannst du sehen wer sich dein Profil ansieht!“ oder „gerald wow facebook kann dir jetzt anzeigen wer dein Profil ansieht! Schaus dir an @ ow.ly/?!?!?“. Und während ich diese Zeilen schreibe, sind weitere Einladungen eingelangt.

Na das sind Freunde
Verschickt wurden diese Benachrichtigungen von „Freunden“, denen ich teilweise eigentlich zugetraut hätte, dass sie nicht gleich überall raufklicken müssen, wenn ihnen etwas versprochen wird. Seit geraumer Zeit schon macht nämlich ein kleiner Facebook-Hoax die Runde, nun ist er auch im deutschsprachigen Facebook angekommen. Beworben wird eine App, mit der man feststellen kann, wer seine Facebook-Profilseite aufruft. Das Programm erinnert ein wenig an eine App, die bereits im vergangenen Jahr auf Facebook aktiv war, mit der man feststellen konnte, von wem man entfreundet wurde. Die "Wer-ruft-mein-Profil-auf"-App ist Fake!

Gefährliche Neugier
Der interne Facebook-Wurm verbreitet sich, sobald man auf den externen Link klickt und verschickt sich an alle Facebook-Freunde - mittlerweile nicht nur als gewöhnliche Nachricht, sondern als Event.  Jene, die auf den Link klicken sind zum einen zu gutgläubig; nur weil es ein „Freund“ verschickt, muss es nicht heißen, dass da etwas dran ist. Zum anderen sind User auch zu neugierig - sie wollen wissen, wer sich das Profil ansieht. Bei der Bezahlversion von Xing erfährt man das übrigens automatisch, wer sich sein Profil angesehen hat.

Abgesehen davon, dass es nervig ist, ständig Einladungen zu erhalten, ist das Draufklicken auch nicht ungefährlich, denn immerhin leitet der Link auf eine externe Webseite, auf der man sich theoretisch Computerschädlinge (Stichwort: Drive-by-Downloads) einfangen kann. Seit Jahren sollten Internet-Nutzer wissen, dass sie nicht auf jeden Link klicken sollen, der ihnen per Mail zugeschickt wird. Denn es kann sich nicht nur um einen Virus handeln, sondern auch – seit einigen Jahren hipp – um eine Phishing-Site; eine nachgebildete Homepage der Bank, des Online-Bezahlinstituts oder der Kreditkartengesellschaft. Die „Nigeria-Connection“ – per Mail wird man eingeladen, die Erbschaft eines vermeintlichen Angehörigen oder Schwarzgeld einzusacken – ist mittlerweile bekannt. Aber der Loveletter-Virus, der sich auch relativ simpel verbreitet hatte, weil man ihn durch einfaches Draufklicken aktiviert hat, ist doch schon wieder fast elf Jahre her.

Eine solche App wird es nicht geben
Eine "Wer-ruft-mein-Profil-auf"-App dürfte übrigens nicht im Sinne von Facebook sein, obwohl sich eine solche App wohl auch blendend verkaufen würde. Zwar wäre es für die Profil-Inhaber interessant zu wissen, wer das Profil besucht hat, aber für die Besucher weniger. Man würde sich zweimal überlegen, ob man auf dieses oder jenes Profil klickt, da man relativ rasch den Ruf eines Stalkers haben würde. Bei Xing ist es ja heute schon so, dass man - im Wissen, dass der Andere wüsste, dass man sein Profil angeklickt hat - auf den Profilbesuch verzichtet. Würde Facebook eine solche App erlauben, hätte das zwei Effekte: Die Kommunikation würde sinken und die Zahl der Fake-Accounts, mit denen man dann diverse Profile besucht, würde steigen. Das ist nicht im Interesse von Facebook, da man echte Profile, mit echten Daten, auswertbaren Informationen haben will. Diese lassen sich ja schließlich besser verkaufen.

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