AonAustria
07/29/2011

Hacktivism

Hacks soweit das Auge reicht – fast täglich erreichen uns Meldungen über weitere Schläge von Anon, LulzSec und Co. Auch in Österreich finden sich ausreichend Ziele, die medienwirksam geknackt und mit dem blauen Pony geziert werden, analysiert der österreichische Sicherheitsexperte Joe Pichlmayr.

Der regelmäßige Hack. Es wird sich in absehbarer Zeit wenig ändern daran – es sei denn die mediale Berichterstattung erlischt abrupt und entzieht den Bewegungen rund um Anon all die Trittbrettfahrer, Gelegenheits-Defacer  und Möchtegern-Hacker die Plattform. Was übrigens, wenn man internen Diskussionen glauben darf, bei vielen der Szene durchaus Sympathien wecken würde.

Viele Hacker-Ziele
Ziele gibt es noch reichlich – wirtschaftlicher Druck, fehlendes Know-how, mangelndes Systemverständnis, Ignoranz aber auch schlicht und einfach Schlamperei haben es in vielen Fällen nicht gerade zur Rocket-Science gemacht, CMS-Systeme erfolgreich anzugreifen. Die alten Hasen der Hacker Szene rümpfen darüber nicht einmal mehr die Nase – und sie sind es auch nicht, die hier en gros involviert sind – wohl nützen sie dann und wann den Staub, den die Masse der unter dem Deckmantel von Anon operierenden Aktivisten, aufwirbelt, um das eine oder andere Ding durchzuziehen; aber tragende Rollen spielen die Allerwenigsten.

Die uneinheitliche Reaktion auf den Hack gegen die Website der

zeigt einmal mehr, dass Anhänger des „Hacktivism“ durchaus unterschiedliche Beweggründe und „Schmerzgrenzen“ haben. Was die einen als „untersuchungswürdig“ ablehnen, scheint für die anderen unverzichtbar. Hier zeigt sich das Fehlen von hierarchischen Strukturen und dies gibt dem „Hacktivismus“ eben Raum für Interpretation in viele Richtungen.

Klar ist jedoch, bei aller Sympathie die man für einige Anliegen und Motive von Anon und Co aufbringen kann, dass es sich letztlich trotzdem um kriminelle Akte handelt – wie man es auch dreht und wendet. Gleich wie man argumentieren mag – dass ein unsicherer WebServer analog zum steckenden Autoschlüssel zum Diebstahl/Missbrauch respektive zur Straftat verleitet, ist die eine Seite der Medaille – die andere ist jene, dass letztlich auch jemand bereit ist, diesen Umstand auszunützen.

Der Druck der Verfolger
Spannend wird die Sache allerdings bei zunehmendem Druck durch die Strafverfolgungsbehörden. Das simple Prinzip, dass Druck Gegendruck erzeugt, solidarisiert hier nicht nur über die sprichwörtlichen Grenzen, sondern eint so auch Veteranen der Szene, Mitläufer und bloße Sympathisanten. Erhöht sich der Druck gegen die Szene ist naheliegend, dass Defacements und Datenklau erst der Anfang einer Reihe weit unangenehmerer Angriffe sein werden. Ist die Spreu erst einmal vom Weizen getrennt und haben sich die harten Kerne der Szene soweit solidarisiert und gefunden, wird die Sache für uns alle nicht einfacher – da davon auszugehen ist, dass dann auch erheblich besser gesicherte Systeme, die unter Umständen viel kritischer für uns alle sind – in den Fokus der Angreifer rücken.

Was uns allen – gleich ob "Hacktivist" oder „Hack-tivierter“ letztlich aber noch mehr schadet ist, dass eine Eskalation der Sache unser aller Grundrechte und Freiheit weiter einschränken wird.

Mehr zum Thema

Antiviren-Kämpfer: Joe Pichlmayr ist CEO der österreichischen Sicherheitsfirma Ikarus Security Software und verfügt seit Jahren über Einblicke in Malware und Hackerszene.