Meinung
04.04.2015

Menschmaschinenmeisterschaften

Japanische Forscher arbeiten an der Zukunft der olympischen Spiele. Sport soll mit technischer Hilfe auf ungewöhnliche Weise demokratisiert werden.

Forscher an der Keio University in Tokio arbeiten daran, anläßlich der 2020 in Japan stattfindenden Olympischen Spiele erweiterte Disziplinen an den Start zu bringen – Menschen und Maschinen sollen dann gemeinsam zu Wettbewerben antreten können. Unterstützung durch Robotertechnik und High-Tech sollen es sowohl Profi-Sportlern als auch Amateuren, Jung und Alt, wie auch Behinderten und Nichtbehinderten möglich machen, jeweils auf Augenhöhe miteinander um Medaillen kämpfen zu können.

Der Gruppe unter der Leitung von Masahiko Inami - er ist Professor für „human enhancement“, also die Verbesserung des Menschen - gehören unter anderem Prothetik-Ingenieure und Robotiker, aber auch ehemalige Spitzensportler und Game-Designer an. Angestrebt werden neue, fruchtbare Verbindungen zwischen den verschiedenen Fachgebieten. Das Gremium nennt sich Superhuman Sports Committee, wobei man „Superhuman“, um Mißverständnisse zu vermeiden, nicht gerade mit Übermensch übersetzen und stattdessen den englischen Begriff übernehmen oder es mit einer Neubildungen versuchen sollte, zum Beispiel „MehrMensch“. Kinder würden sicher an „Supermenschen“ Gefallen finden.

Mit Hilfe ausgefeilter technischer Hilfsmittel sollen auch Menschen mit Handicap oder ohne Erfahrung in bestimmten Sportarten eine „mehrmenschliche Fähigkeit“ erwerben können, um sich mit eigentlich überlegenen Athleten oder Erwachsenen messen zu können. Ein solcher Wettkampf wäre aber nicht interessant, das weiß Inami, „wenn allein die Technik für das Ergebnis ausschlaggebend wäre“. Es sei deshalb wichtig, ausgewogene Regeln zu schaffen, damit die Teilnehmer tatsächlich mit ihrer jeweils eigenen Stärke miteinander konkurrieren und beispielsweise bei einem Fußballspiel einen hervorragenden Pass spielen.

Japaner haben lange Erfahrung mit solchen speziellen Arten von Ausgleich. So kennt zum Beispiel das Brettspiel Go ein mehrstufiges Vorgabesystem, das für Chancengleichheit sorgen soll, wenn Spieler unterschiedlicher Kampfstärke gegeneinander antreten. Ähnlich wie bei Judo oder Karate werden die Fertigkeiten in niedrige Kiu- und höhere Dan-Grade eingeteilt, die einem Spieler niedrigeren Ranges Startvorteile verschaffen.

Professor Inami entwickelt derzeit eine spezielle Brille, mit der man gleichzeitig nach vorne und nach hinten schauen kann. Dazu trägt er zwei kleine, in die jeweilige Richtung zeigende Kameras auf dem Kopf und läßt sich deren Bilder entweder parallel oder überlagert zeigen. Wenn man den Umgang mit diesen Doppelbildern einmal gemeistert hat, könnten diese Brillen die Wahrnehmungsfähigkeit des Trägers erweitern.

Ein anderes Committee-Mitglied, Professor Takuya Nojima, hat sich auf das Studium virtueller Realitäten verlegt und arbeitet an einem neuartigen Spiel, das Dodgeball (bei dem man ähnlich wie beim Völkerball einem Ball ausweichen muß) und ein Rollenspiel kombiniert, bei dem die Spieler nach und nach eliminiert werden. Jeder Teilnehmer startet mit einen Überlebensquotienten, der sich jedesmal reduziert, wenn er von dem Ball getroffen wird. Wenn er auf Null ist, muß er vom Feld. Einige Fähigkeiten lassen sich variieren, wodurch wirklich jeder an dem Spiel teilnehmen können soll. Diejenigen, die körperlich nicht ganz so fit sind, können zum Beispiel auf ein höheres Aktivitätslevel versetzt werden und sich dort besser verteidigen, auch wenn ein Ball sie trifft.

Inami ist von der Idee des maschinenunterstützten Sports überzeugt. „Ich hoffe“, zeigt er sich für die Zukunft zuversichtlich, „dass künftig an den Schulen Superhuman-Sportvereine eingerichtet werden“.