Meinung
13.03.2014

Programmierer-Suche unterm Corona-Fähnchen

Im Rahmen von Meetups entstehen im Silicon Valley manchmal Webseiten, Apps und auch ganze Unternehmen. futurezone-Chefredakteur Gerald Reischl war bei einem dabei.

„Wir sind gespannt, wer von denen als nächster den Jackpot knackt“, sagt Viki und blickt in die Menschenmenge. Viki ist die Assistentin von David Cao, Gründer der Interessensgruppe „SVEntrepreneurs“, die regelmäßig so genannte Meetups veranstaltet. Es war mein erstes Meetup hier im Silicon Valley. Als Meetups werden jene Treffen genannt, die hier zu wirklich allem Möglichen veranstaltet werden, man kann gar nicht genau sagen, wie viele es sind. Wer unter meetup.com nachschaut, bekommt einen Eindruck, welche Treffen da laufend stattfinden – da gibt es Gruppen wie „Bay area single parents“ oder „The Palo Alto Wine Group“ oder aber auch jene Gruppierungen, die man sich im Silicon Valley erwartet – von „Intrapreneurship Silicon Valley“ über „Health 2.0 Silicon Valley“ oder „Big Data Science“ bis zu „Google Glass und Smart Glass Developers Designers“ – letztere werde ich übrigens am Freitag besuchen.

Es gibt praktisch zu fast allem und jedem eine Meetup-Gruppe. Der vielverspechender Titel des Meetups, das ich am Mittwoch abend besucht habe: „Entrepreneur Mixer - Mountain View #svesocial“. Der Programmablauf sah eine Begrüßung vor, einleitende Worte des Google Android-Entwicklers Dan Galpin, der übrigens mit Google Glass auftrat (ich bin mittlerweile felsenfest davon überzeugt, dass das bei Google Pflicht ist), danach stand ein „Start-up-Pitch“ bzw. ein „Open Micro“ auf dem Programm. Und dann sollten sich alle vernetzen.

Biergarten-Stimmung

258 Leute meldeten sich an, so an die 150 sind auch gekommen, um sich im Gastgarten der Sports Page Bar & Grill in Moutainview zu mixen. Eine skurrile Kulisse, Hightech gepaart mit Biergarten-Atmosphäre mit Ausschankbude und Corona-Fähnchen, das Podium war ein Sessel und die Lautsprecher-Anlage war so dimensioniert, dass man ein Wohnzimmer damit beschallen kann, nicht aber einen Gastgarten. So hörten eigentlich nur jene etwas, die maximal vier Meter vor dem jeweiligen Redner standen. Der Socialising-Lärm überdünkte alles. Dennoch ließen sich eine Handvoll Leute nicht entmutigen, auf einen Sessel zu steigen und via Mikrofon Partner, CTOs oder Programmierer zu finden.

"A guy like Steve Wozniak"

Mramana Annamraju etwa suchte einen „kind of guy like Steve Wozniak“ – er hat die Idee einer Gesundheits-App, die Leben rettet und Geld spart. Und dabei soll „God's magic in iPad“ eine Rolle spielen. Amy Li suchte via Mikrofon einen CTO – damit man sie in der Menge besser erkennt, habe sie sich extra einen Hut aufgesetzt. Auch sie hat eine Gesundheits-App in Planung – dance4healing – aus einer Kombination von künstlicher Intelligenz (AI), Verhaltensanalyse sowie Musik und Tanz soll die heilende Kraft freigesetzt werden. Dann betrat einer den Sessel, der seine Dienste als App-Entwickler anbot, ein anderer suchte einen, der sich beim Thema Wearables auskennt, weil er etwas wie eine Samsung Smartwatch bzw. Google Glass entwickeln möchte und so weiter und so fort. Mehr von dem, was es schon gibt.

Netzwerken

Interessant war aber anzusehen bzw. zu lesen, was sich rund um das Meetup an Postings und im Mail-Verkehr abgespielt hat – da wurden Treffen vereinbart, Mail-Adressen und Telefonnummern ausgetauscht und gemeinsame Projekte diskutiert. Was mich besonders erheitert hat, war das Posting von Pranav Rao, einem Studenten der Purdue University in West Lafayette, Indiana. Er bot sich kostenlos für einige Monate als Programmierer an – und bekam viele Anfragen per Mail.