© Gerald Reischl

Meinung
03/06/2014

Silicon Valley Blog: Der Innovation auf der Spur

Gerald Reischl bloggt für die futurezone aus dem kalifornischen Silicon Valley und versucht, digitalen Innovationen auf den Grund zu gehen.

Ich bin nun dort, wo „es“ passiert, wo die Internet-Giganten der Gegenwart ihre Firmenzentralen haben, wo Start-ups entstehen, die von einem dieser Giganten kurzerhand um hunderte Millionen oder gar Milliarden gekauft werden und wo man darüber nachdenkt, was die nächste Erfindung sein könnte, die so revolutionär ist, wie es die Dampfmaschine einst war.

Das Silicon Valley gilt als Zentrum der Innovation. Die bedeutendsten Unis der Welt haben in der Umgebung um San Francisco ihren Sitz – Stanford und Berkeley – meist sind es Studenten dieser Unis, die Unternehmen wie Google oder Facebook entwickeln. Es scheint fast so, als ob fast alles, was die Gegenwart bewegt, hier im Silicon Valley entwickelt, erfunden oder zur Perfektion getrimmt wird. Sind „die Amerikaner“ bzw. ist man „im Valley“ intelligenter? Sind sie intelligenter als wir Europäer?

Um zu verstehen, was hier passiert, verbringe ich die kommenden zwei Monate hier im Valley, habe mich unweit der Universität Stanford und der Firmenzentrale von Google, Facebook & Co. einquartiert, um der Entstehung von Innovation auf den Grund zu gehen. Ich bin nämlich überzeugt, dass die Menschen hier in der Bay-Area nicht gescheiter sind als wir in Europa, auch, wenn hier aufgrund der Universitäten Stanford und Berkeley die besten Köpfe der Welt studieren und arbeiten.

Aber hier im Valley wird einiges, nein, vieles besser gemacht, hier stimmen einfach die Voraussetzungen, was Innovationsmanagement und Realisierung anlangt, hier werden Jungunternehmer motiviert, an sich selbst zu glauben und ihre Ideen zu realisieren. In den USA gibt es ein besseres Gesamtkonzept, was die steuerliche Situation, die Einstellung von Milliardären zu Investitionen, Risikokapital etc. anlangt. Und der Staat hat – im Gegenteil zu Europa und insbesondere Österreich – auch die entsprechenden steuerlichen Voraussetzungen geschaffen.

Ich will in den kommenden zwei Monaten zusammentragen, wie wir von diesem Konzept profitieren, was wir adaptieren und nach Europa transferieren können, um auch unsere (jungen) Pioniere zu motivieren, die nächste (symbolische) Dampfmaschine zu erfinden. Denn jeder, der eine gute Idee hat, kann die Welt verändern.

Ich werde hier dutzende Experten, Universitätsprofessoren, CEOs großer und kleiner Firmen treffen, mich mit Studenten unterhalten, Meetups – wie die Treffen von Nerds bezeichnet werden – besuchen und ich werde mit Österreichern reden, die hier erfolgreich sind. Mario Herger, ehemaliger SAP-Mitarbeiter und einer der globalen Gamification-Experten, ist einer von ihnen.
So etwas wie den Startschuss des Projekts gab es im Cafe Venezia in Palo Alto – einer der vielen Punkte, wo sich Startups mit VCs (Venture Capitalist) treffen, wo man Tisch an Tisch mit Investoren oder Acceleratoren sitzt und zwanglos ins Plaudern kommt, Visitenkarten austauscht und einen Termin fixiert. So passiert schon am ersten Tag, denn am Tisch hinter mir saß Gil Ben-Artzy. Mitgründer des israelischen Accelerators Upwest labs, der im Herbst 2013 eines seiner Startups – Slicklogin – an Google verkauft hat. Slicklogin hat einen Ersatz für Webpasswörter entwickelt, bei dem mit Hilfe einer fast unhörbaren Tonsequenz der Zugang freigegeben wird.