Meinung
09.08.2012

Valley Blog: Semantic Web Company goes US

Florian Kondert, COO bei dem Start-up Semantic Web Company, bloggt drei Monate lang für die futurezone aus dem Silicon Valley. Einmal pro Woche gibt es News darüber, was man als Jungunternehmer dort lernt, wie das Valley tickt und welche Chancen österreichische Start-ups in der Welt von Google, Apple und Co. haben.

51 heimische Startups haben sich in Frühjahr für die Technologie-Initiative "Go Silicon Valley" der Wirtschaftskammer beworben, bei der sie drei Monate im Plug&Play Tech Center in Sunnyvale lauf das harte Geschäft im IT-Business vorbereitet werden und Investoren treffen. 13 Unternehmen wurden von einer Jury ausgewählt, eines davon ist die Wiener „Semantic Web Company“. Ihr COO, Florian Kondert, schreibt ab sofort wöchentlich auf futurezone.at, was man in diesen drei Monaten lernt, wie das Valley tickt und welche Chancen man als heimisches Start-up in der Heimat von Google, Facebook, Apple & Co. hat.

1) Semantic Web Company goes US

Wie bekommt man in 3 Wochen 70 neue Kontakte auf LinkedIn, warum bestellt man schon die zweite Packung Visitenkarten und friert man im Hochsommer? Die Antwort: Silicon Valley.

Genau da bin ich jetzt und bringe unser Produkt PoolParty auf den US-Markt. Warum gerade hier? Weil nirgendwo auf der Welt so viel Hightech auf so kleinem Raum zu finden ist.

Mein Name ist Florian, ich bin COO und kümmere mich um`s Business Development bei der Semantic Web Company GmbH, einer Software-Firma mit Sitz im Herzen Wiens. Wir unterstützen Organisationen dabei, Bedeutung aus unterschiedlichsten Informationsquellen zu extrahieren, die passenden Informationen zu vernetzen und dadurch Ordnung in die Informationsflut zu bringen.

Für die nächsten drei Monate verbringe ich meine Zeit hauptsächlich in Sunnyvale (südlich von San Francisco) und im Umkreis von 15 Meilen sind 10 der weltweit größten IT-Player zuhause. In meinem Office haben zuvor PayPal und Co. ihre ersten Schritte gemacht – und wie schon erwähnt, die Räume sind (zu) gut klimatisiert.

PlugandPlay Tech Center
„Hier" ist das PlugandPlay Tech Center (PnP), ein sogenannter Incubator für Unternehmen, die gerade erst beginnen, oder aber – wie wir – ein Sprungbrett in den USA nutzen wollen, um ein fertiges Produkt auf den Markt zu bringen. Das PnP sagt von sich selbst, es ist eine Art Silicon Valley „in a box", und zumindest die Büros (hier „Cubicles" genannt) erinnern in der Tat an eine Box. Klein, viereckig, keine Fenster, wir erinnern uns an Neo in „Matrix".

Meine erste Woche ist belegt mit der PnP-University, ein Workshop vollgepackt mit Success-Stories, Best Practices, „great stuff", Händeschütteln und Zahlen. Das PnP selbst beherbergt derzeit über 300 Firmen aus allen möglichen Ländern, die entweder auf der Suche sind nach Venture Capital, oder um Ihr Business Model zu optimieren, oder um Kunden und Partner zu finden, oder um gekauft zu werden.

Für viele der hier gelandeten Firmen ist es das Ziel, ihre Entwicklung soweit zu bekommen, dass Cisco, Google, Facebook, ebay, Microsoft & Co. aufmerksam werden und die Portokasse bemühen. Um eine Vorstellung zu bekommen:

Eben jeder dieser Big Player kauft pro Woche ein Unternehmen für durchschnittlich 15 Millionen Dollar und solcher Art „Exits" gab es im letzten Jahr 250. Das Prinzip ist einfach, man sucht für seine Idee einen Investor, der hält 60 Prozent Anteile an der Firma und nach 2-3 Jahren Entwicklungsarbeit wird das Produkt geschluckt. Wohlgemerkt, das Prinzip ist einfach, die Umsetzung keineswegs.

Business-Alltag
Der Business-Alltag ist atemberaubend schnell und von so ziemlich jeder Lösung gibt es hier ca. 10 Variationen auf engstem Raum, gegen die man sich etablieren muss – was bin ich froh, dass wir nicht auf Fremdkapital aus sind.

Einfach ist es aber auch für mich keineswegs. Folgende Fragen schießen mir jeden Tag mehrfach um die Ohren:

„Was macht Ihr, was unterscheidet Euch von XY, mit welchem Business Model verdient Ihr Euer Geld, wie groß ist die Firma, welche Märkte habt Ihr, warum bist Du hier im Valley, kannst Du mir was zeigen?"

Eigentlich alles nicht so schlimm, wenn man es nicht in 3 Minuten packen müsste. Das ist die durchschnittliche Spanne für ein erstes Gespräch. Kein Wunder also, dass die Firmen hier eine Vielzahl an Pitch-Decks (meist Powerpoint-Slides) vorbereiten und im Schlaf beherrschen.

Ein Gebot lautet hier: „The target for the first meeting is to get the second one."

Dementsprechend sind die Präsentationsunterlagen immer nach dem gleichen Schema aufgebaut, egal wem man zuhört: Problem, Lösung, Beispiel, Appell. Das Ganze verfügbar für jeweils 30 Sekunden, 3 Minuten, 5 Minuten, 20 Minuten, eine Stunde – kein Scherz. Henry Ford lässt grüßen.

Gar nicht so einfach, wenn man die Wiener Gemütlichkeit gewohnt ist. Mehr vom Alltag hier im Valley nächste Woche.

Bis dahin, take care.

Florian