Meinung
07.10.2015

Wenn Apple und Google streiten, freut sich Microsoft

Beim Wettkampf zwischen Apple und Google bleibt Innovation auf der Strecke. Stattdessen könnte Microsoft der lachende Dritte sein.

Microsoft ist innovativer als Apple und Google. Ein Satz, der vor zwei Jahren noch undenkbar war. Doch der Konzern aus Redmond zeigt in den letzten Monaten einen erfreulichen Aufwärtstrend. Während nach Präsentationen von Google und Apple meist nur diskutiert wird, wer welches Feature zuerst hatte, schafft es Microsoft in letzter Zeit, so etwas wie kindliche Vorfreude auszulösen. Das beste Beispiel: Die Präsentation der Augmented-Reality-Brille HoloLens.

Als ein Microsoft-Mitarbeiter für die Demonstration die Bühne betrat, bereiteten sich viele Journalisten schon auf eine trockene Präsentation vor. Da kommt jetzt sicher Tabellenkalkulation in 3D, dachten wohl viele. Doch weit gefehlt. Plötzlich bildete sich um seine Hand ein gepanzerter Handschuh, der Laser abfeuern kann. Bitter notwendig, denn wenige Augenblicke später reißt eine Explosion ein Loch in die Wand und fliegende Roboter-Spinnen strömen herein. Das eigene Wohnzimmer wird zum Videospiel - davon träumen nicht nur Kinder.

Killer-Feature Continuum

Doch auch die Sorgenkinder Surface und Lumia muss man mittlerweile ernst nehmen. Der Grund dafür: Microsoft hört auf seine Kunden. Die Surface-Pro-Reihe setzt bereits seit der ersten Generation auf die gleichen Features, doch Microsoft hat kontinuierlich Feinschliff am Tablet-Laptop-Hybriden vorgenommen. Das Produkt kommt offenbar an, auch Apple (iPad Pro) und Google (Pixel C) wollen nun Surface-Konkurrenten auf den Markt bringen. Bei den Smartphones heißt die Devise hingegen: Aller guten Dinge sind drei.

Mit Windows 10 Mobile startet man bereits den dritten Anlauf auf den Smartphone-Markt, dieses Mal aber, ähnlich wie bei Windows 10, mit viel Feedback aus der Community. Zudem liefert man mit Continuum ein wahres Killer-Feature mit. Die Idee: Smartphones sind mittlerweile ähnlich leistungsfähig wie so mancher Laptop. Diese Rechenkraft zapft Microsoft an. Die Windows-Smartphones können per Dock mit Bildschirm, Maus und Tastatur verbunden werden, sodass sie als (fast) vollwertiger Windows-10-PC verwendet werden können. Und dann war da noch der erste Microsoft-Laptop, das Surface Book.

Nach Google-Vorbild

Die Produkt-Strategie mag auf den ersten Blick wirr erscheinen, doch Microsoft-CEO Satya Nadella gibt eine klare Linie vor. Während früher Dienste wie Xbox Live oder OneDrive angeboten wurden, um mehr Windows-Geräte zu verkaufen, sind nun die Dienste selbst die Cash-Cows. Wie Google will Microsoft mit seiner Hardware dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen Microsoft-Dienste nutzen, sei es nun Bing, Office oder Azure. Diese liefern letztendlich das entscheidende Umsatz- und Gewinnwachstum, das die Branche von Microsoft verlangt. Das Geschäft mit Software-Lizenzen macht da nur mehr einen kleinen Anteil aus.

Ein Ende von Surface und Lumia, wie es oftmals durch die Gerüchteküche geisterte, ist daher sehr unwahrscheinlich. Auch wenn die Hardware-Sparte auf dem Papier ein Verlustgeschäft sein mag, Microsoft ist darauf angewiesen. Zu lange sind Microsofts Hardware-Partner untätig herumgesessen, nun bekommen sie vom US-Konzern klar die Richtung vorgegeben.

Hoher Preis für Innovation

Das Hick-Hack zwischen Google und Apple, die vor allem auf dem Smartphone-Markt in Schwellenländern um Marktanteile kämpfen, kommt Microsoft da gerade recht. Innovative Funktionen oder Technologien sucht man bei der Konkurrenz vergeblich, meist bekommt ein System lediglich eine neue Funktion, die es auf dem anderen System schon lange gab. Auch das Feedback der Konsumenten wird nur zu gerne ignoriert, erweiterbarer Speicher oder tauschbare Akkus sind mittlerweile auch bei Android-Smartphones Mangelware.

Aufsehenerregende Projekte wie Google Glass verschwinden währenddessen in der Versenkung und Apple liefert lediglich Smartwatches und große Tablets nach - Produkte, die die Konkurrenz bereits seit Jahren anbietet. Nun kann Microsoft den Beweis antreten, dass man es besser kann. Man sollte die Chance besser nutzen, denn der Preis war hoch: Zwei Krisen (Windows 8 und der bröckelnde PC-Markt) und ein neuer CEO waren für den Strategiewechsel notwendig.