© Sebastian Pirlet, reuters

Analyse
10/24/2011

Werner Faymann und Social Media

Am 26. Oktober 2011 wird es für selbst ernannte Social-Media-Experten und politische Gegner von Werner Faymann spannend. Denn an diesem Tag startet der Bundeskanzler seinen neuen Online-Auftritt. Eine neue Website, eine App, Facebook- und Twitter-Channels warten nur darauf, mal ordentlich kritisiert zu werden.

Einen ersten Vorgeschmack bekamen wir bereits vergangene Woche, als Faymann zuerst ankündigte nicht und dann wieder doch twittern zu wollen. Der Hohn, der sich in Windeseile im Netz verbreitete, kannte keine Grenzen.

Deshalb bin ich sehr gespannt, was uns am Nationalfeiertag geboten wird. Denn, ganz abgesehen von allen politischen Programmen und Startschwierigkeiten, die der Launch eines solchen Mega-Auftritts mit sich bringt, könnte Werner Faymann alles bisher da gewesene toppen. Wohl gemerkt: könnte.

HC Strache als Vergleich?
Zunächst werden sicherlich nicht hunderte Rückmeldungen auf einzelne Facebook-Postings, wie bei HC Strache, folgen - aber ein paar werden es schon sein. Aber mal davon abgesehen: wer will sich schon mit HC Strache messen!? Der Bundeskanzler sicher nicht. Viel mehr könnte er sich ein wenig vom “Superpraktikanten” der ÖVP abschauen - aber eher von der grundsätzlichen Idee, wie man politische Themen verpacken kann. Und nicht so sehr von der stümperhaften Umsetzung.

Die Kanzler-App
Wenn wir schon bei der Umsetzung sind: ich frage mich, was die Kanzler-App zu bieten haben wird. Ob sie wohl ein weiterer Folder sein wird, den man der Bevölkerung digital zur Verfügung stellt? Oder wird sie so informativ und serviceorientiert sein, wie die “nrw-Politik 2.0”-App, oder so schön gemacht, wie “Elysee.fr”. Oder wird sich der Kanzler eher an der Applikation des Weißen Hauses (“White House”) orientieren und alles ganz “straight” belassen? Oder, vielleicht wird die App sogar die besten Features aller genannten Beispiele (alles iPhone-Apps) enthalten. Vielleicht.

Twittern wie ein Grüner?
Gute Beispiele gibt es auch auf twitter - etwa Michel Reimon oder Christoph Chorherr. Dabei sollte man sich als twitter-Einsteiger nicht davon abhalten lassen, die Kommunikation der anderen zu analysieren und im positiven Sinne zu kopieren, auch wenn es dabei um Mandatare der anderen Fraktionen geht - das Internet kennt keine Grenzen!

Commitment als Erfolgsrezept
Die österreichische Politik denkt noch immer in Kampagnen, in abgeschlossenen Zeiträumen, in denkwürdigen Terminen. Das liegt in der Natur der Sache. Wenn sie sich davon aber nicht löst, wird sie immer weniger zu den Menschen durchdringen können - das hat nicht mit den Plattformen zu tun, die sie nutzt oder den technischen Lösungen, die ihr zur Verfügung stehen. Das hängt mit den sich ändernden Machtverhältnissen zusammen. Die Bürger sind mittlerweile in der Lage, ihre Anliegen an eine größere Öffentlichkeit zu bringen und dadurch (zum Teil) Antworten und Verhaltensänderungen zu erzwingen.

In der politischen (Online-)Kommunikation geht es darum die eigene Arbeit sichtbar zu machen, komplizierte Zusammenhänge möglichst einfach und zielgruppengerecht darzustellen.

Es geht darum, sich auf die Kommunikation mit einem durchaus offenen Ausgang einzulassen und nicht darum wirkungslose Werbebotschaften auszusenden, ohne jemals über einen Feedbackkanal nachgedacht zu haben.

Der neue Auftritt von Werner Faymann könnte wirklich gut werden. Der Überraschungseffekt ist noch immer auf seiner Seite. Ob er ihn nutzen wird, werden wir hier beobachten können. In diesem Sinne wünsche ich einen entspannenden Nationalfeiertag!

Marko Zlousic ist Social-Media-Berater bei echonet communication in Wien und bloggt unter www.politx.at über Politik im Web. Sein neuestes Blog www.ultimatemoms.at beschäftigt sich mit dem Thema Väter und Kinder.