© Michael Leitner

IFA
09/05/2014

Gegen die Kugelschreiber-Jäger

Falsche Fachbesucher strömen auf die IFA und versperren auf Kugelschreiber-Jagd den Weg.

von Michael Leitner

Rettet euch, das IFA-Wochenende steht bevor! Jeder, der schon einmal auf einer Publikums-Messe war, weiß, dass das Wochenende mörderisch sein kann. Massen an Besuchern strömen herbei, auf den Gängen bleibt kaum Luft zum Atmen und man kommt Unbekannten körperlich näher, als man möchte. Zugegeben, die IFA ist im Vergleich zur Gamescom relativ harmlos, dennoch ist sie mit rund 240.000 Besuchern die größte Unterhaltungselektronik-Messe der Welt.

Um diesen Massen zu entgehen, öffnen die Messen meist ein, zwei Tage vor Beginn ihre Pforten für Journalisten und Fachbesucher. Das klingt zwar bequem, in der Realität sind aber auch diese Tage bereits der blanke Horror. Der Kampf um einen Sitzplatz im Pressezentrum beginnt früh, die Warteschlange vor dem Kaffeeautomaten reicht bis zum Eingang. Der Grund dafür: Die Definition eines Fachbesuchers hat sich in den vergangenen Jahren stark gedehnt.

Alles Gratis

Mittlerweile ist der Fachbesucher-Tag für viele Händler oder andere Vertreter der Elektronikbranche zu einem Familienausflug verkommen. Nicht nur sie selbst sind dort unterwegs, auch ihre Ehepartner, Kinder und deren Freunde treiben sich auf dem Gelände herum. Die Geschäfte interessieren die aber herzlich wenig, meist handelt es sich um die sogenannten „Kugelschreiber-Jäger“. Sie wollen nur möglichst viele Give-Aways, Taschen, Kulis, Pfefferminz-Zuckerln oder anderen Schnickschnack mitnehmen. Hauptsache Gratis.

Enttäuschung macht sich auf den Gesichtern vieler dieser „Kugelschreiber-Jäger“ breit, wenn sie feststellen, dass die Messe meist noch halb leer ist. Viele Hersteller bauen ihren Stand erst kurz vor dem Publikumstag auf, große Pressekonferenzen finden meist außerhalb des Messegeländes statt.

Wie ein Ikea-Besuch

Das kümmert viele nicht, ich habe einige dieser Besucher auch schon bei halb geöffneten Schachteln zugreifen gesehen. Für mich hat die riesige Baustelle vor allem Geschwindigkeits-Vorteile. Denn so kann man noch durch einige Schleichwege schlüpfen und rascher von Halle zu Halle wechseln.

Der Weg heute hingegen erinnert mich an einen Besuch bei Ikea. Obwohl ich auf direktem Weg deutlich schneller wäre, zwingt mich der Irrgarten-förmige Aufbau zum Hindernislauf durch die Massen, vor mir Familien, Senioren und Jugendliche, die jede Tasche mitnehmen, die ihnen entgegengehalten wird. Sechs Hallen später, vorbei an Staubsaugern, Saftpressen und Selfie-Stangen, sehe ich endlich wieder Tageslicht. Und das, ohne einen einzigen Kugelschreiber mitzunehmen.

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