Netzpolitik
10.12.2013

Autoren starten Aufruf gegen Massenüberwachung

Mehr als 500 Schriftsteller aus aller Welt prostieren mit einem öffentlichen Aufruf gegen die Massenüberwachung durch Regierungen und Unternehmen.

„Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr“, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem die „ Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Dienstag veröffentlichte. Der Aufruf sollte in 30 Zeitungen weltweit erscheinen. Zu den Unterzeichnern gehören auch die fünf Literaturnobelpreisträger Günter Grass, Elfriede Jelinek, J.M. Coetzee, Tomas Tranströmer und Orhan Pamuk. Daneben sind namhafte Autoren wie Umberto Eco, Don DeLillo, Daniel Kehlmann, Henning Mankell, Richard Ford, David Grossman, Paul Auster oder T.C. Boyle vertreten. Auf change.org können Bürger den Protestbrief ebenfalls unterschreiben. Mehr als 16.000 Leute haben das bis Dienstag am frühen Nachmittag bereits getan.

Bürger sollten mitentscheiden dürfen, welche Daten über sie gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden, erklärten die Initiatoren, unter anderem die Schriftsteller Juli Zeh, Eva Menasse, Ilija Trojanow und der Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, Josef Haslinger. In einer Internationalen Konvention sollten die Vereinten Nationen die digitalen Rechte der Bürger festschreiben.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hatte Dokumente über eine massive Internet-Überwachung unter anderem durch den amerikanischen Geheimdienst NSA und das britische Pendant GCHQ veröffentlicht und damit eine weltweite Welle des Protests ausgelöst.

"Unschuldsvermutung ausgehebelt"

Die Autoren aus Europa, den USA, Lateinamerika, Asien und Afrika rufen die Bürger auf, ihre Rechte zu verteidigen. „Massenhafte Überwachung behandelt jeden einzelnen Bürger als Verdächtigen“ und heble so die Unschuldsvermutung aus, schrieben sie.

„Mit ein paar Maus-Klicks können Staaten unsere Mobiltelefone, unsere E-Mails, unsere sozialen Netzwerke und die von uns besuchten Internet-Seiten ausspähen“, heißt es in dem Aufruf, den von österreichischer Seite u.a.a auch Thomas Glavinic, Olga Flor, Michael Köhlmeier, Robert Menasse, Josef Winkler, Marlene Streeruwitz, Kathrin Röggla und Doron Rabinovici unterschrieben und die IG Autorinnen Autoren unterstützt haben.

Zusammen mit kommerziellen Internet-Anbietern seien Staaten in der Lage, menschliches Verhalten - nicht nur ihr Konsumverhalten - vorherzusagen. Die Unverletzlichkeit des Individuums sei eine der Säulen der Demokratie. Alle Menschen hätten das Recht, in ihren Gedanken und Privaträumen, in ihren Briefen und Gesprächen frei und unbeobachtet zu bleiben, heißt es in dem Aufruf. Dieses Menschenrecht sei inzwischen null und nichtig, weil Staaten und Konzerne die technologische Entwicklung massiv missbrauchten.