Netzpolitik
27.03.2013

Beschwerde gegen Microsoft von Linux-Usern

Eine spanische Gruppe von Open-Source-Anhängern reicht vor der EU-Kommission eine offizielle Beschwerde gegen Microsoft ein, weil Windows 8 PCs die Installation von Linux erschweren. Der Grund liegt in der Firmware-Funktion UEFI Secure Boot. Die EU sieht darin bisher keine Verletzung von Wettbewerbsregeln.

Hispalinux, so der Name des spanischen Beschwerdeführers, spricht bei UEFI Secure Boot von einem "Hemmmechanismus". Die Firmware-Funktion verhindert, dass Betriebssysteme auf einem PC installiert werden, die kein vertrauenswürdiges Zertifikat aufweisen. Linux-Fans hat das bisher allerdings nur selten davon abgehalten, dennoch das Betriebssystem ihrer Wahl zu installieren, berichtet Ars Technica. Die UEFI Secure Boot Funktion lässt sich in den Firmware-Einstellungen ausschalten. Außerdem gibt es bereits Verfahren, mit denen sich die Funktion umgehen lässt.

Dennoch sei UEFI Secure Boot "de facto ein technologisches Gefängnis für Boot-Systeme... was Microsofts Windows-Plattform weniger neutral als jemals zuvor macht", so Hispalinux gegenüber globalpost. "Wir beantworten zusätzliche Fragen gerne, aber wir sind zuversichtlich, dass unser Ansatz in Übereinstimmung mit dem Gesetz ist und den Kunden Sicherheit bringt", gibt Microsoft in einer Stellungnahme zu Protokoll.

Die EU, obwohl ansonsten Microsoft gegenüber nicht gerade als zimperlich bekannt, sieht in den Sicherheitseinstellungen von Windows 8 bisher keine Verletzung von europäischen Wettbewerbsregeln. Diese Feststellung von EU-Wettbewerbshüter Joaquin Almunia stammt allerdings von Anfang März. Ob die Hispalinux-Beschwerde daran etwas ändern wird, erscheint zweifelhaft.

Am 6. März hatte die EU zuletzt eine Strafe über 561 Millionen Euro über Microsoft verhängt, weil es das Unternehmen verabsäumt hatte, Windows-Nutzern innerhalb einer von der EU gesetzten Frist eine Auswahl an Webbrowsern neben dem eigenen Internet Explorer vorzuschlagen. Insgesamt ist Microsoft von der EU in den letzten zehn Jahren zu Strafzahlungen von 2,2 Milliarden Euro verdonnert worden.

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