Netzpolitik
12.06.2011

Beschwerde wegen Facebook-Gesichtserkennung

Die automatische Gesichtserkennungssoftware von Facebook ruft jetzt auch Datenschützer in den USA auf den Plan. Die Gruppe EPIC (Electronic Privacy Information Center) hat am Freitag eine entsprechende Beschwerde bei der US-Handelsaufsicht eingereicht.

Nach der EU muss sich jetzt auch die US-Handelsbehörde, die für Konsumentenschutzthemen zuständig ist, mit der automatischen Gesichtserkennungsfunktion von Facebook befassen. In Europa wurde diese Funktion am Dienstag eingeführt, in den USA ist es bereits vor einem halben Jahr freigeschalten worden. Dabei schlägt einem das Soziale Netzwerk vor, welche befreundeten User man auf neu hochgeladenen Fotos markieren könnte. Das Gesicht der User wird dabei automatisch von Facebook gescannt und erkannt.

In den USA ist jetzt die Datenschutz-Gruppe EPIC aktiv geworden und hat gemeinsam mit mehreren anderen Datenschutz-Organisationen eine offizielle Beschwerde (PDF) bei der Federal Trade Commission (FTC) eingereicht. Die US-Handelsbehörde wird darin dazu aufgerufen, die automatische Gesichtserkennung von Facebook näher zu untersuchen und strengere Standards um Schutz der Privatsphäre einzufordern.

Ohne Zustimmung der User
Die Datenschützer kritisieren zudem, dass Facebook die automatischen Gesichtserkennung als „Opt-out“ eingeführt habe – das heißt, dass sich die Nutzer bewusst dafür entscheiden müssen, diese Funktion nicht nutzen zu wollen.

Die Einführung sei daher ohne Wissen und ohne Zustimmung der Facebook-Nutzer geschehen, und vor allem ohne entsprechende Aufklärung der potentiellen Risiken, die damit einhergehen. Eine derartige Praxis sei unfair und irreführend und deswegen von der US-Handelsbehörde zu prüfen.

Ausbreitung auf Drittanbieter
Die US-Datenschützer befürchten, dass ohne eine entsprechender Weisung der US-Handelsbehörde das Soziale Netzwerk die automatische Gesichtserkennung routinemäßig einsetzen werde, diese Möglichkeit auch an Dritte weitergeben werde, und die Nutzer ihren Anspruch darauf, diese nicht zu verwenden, verlieren würden.

Facebook besitzt mit mehr als 60 Milliarden Fotos die größte Foto-Sammlung der Welt. Photobucket kommt auf acht Milliarden, Flickr auf fünf Milliarden. Zudem seien 500 Millionen Nutzer weltweit von der Einführung der automatischen Gesichtserkennungsfunktion betroffen.

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