Die Seite war rund fünf Jahre lang aktiv

© Screenshot: Blutgruppe HC Negativ

Netzpolitik
09/20/2015

Blutgruppe HC Negativ: Satireseite von Facebook gesperrt

Die satirische Facebook-Seite "Blutgruppe HC Negativ" wurde womöglich dauerhaft auf Facebook gesperrt. Schuld ist wieder mal ein von Facebook falsch verstandener Beitrag.

Die österreichische SatireseiteBlutgruppe HC Negativ“, die zuletzt knapp 48.000 Likes verzeichnete, wurde von Facebook gesperrt. Das soziale Netzwerk begründet die Sperre damit, dass die Betreiber gegen die Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen haben. Laut derStandard.at wurden auch die Betreiber der Seite für 30 Tage von ihren Facebook-Accounts ausgesperrt.

Facebook sah offenbar den letzten Post der Seite als Verstoß an. Darauf waren junge Männer in T-Shirts des RFJ (Ring freiheitlicher Jugendlicher) zu sehen, die ihre Hand zum Hitlergruß erheben. Die Aufnahme entstand offenbar bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung 2009 in Graz. „ Blutgruppe HC Negativ“ versah das Bild zusätzlich mit einer scherzhaften Sprechblase, in der „Hat irgendjemand den Heinz-Christian gesehen? So groß ist er!“ zu lesen ist.

Nutzer fordern Rückkehr

Das fand Facebook offenbar nicht so lustig und sperrte die Seite am Freitag Nachmittag. Laut den Seitenbetreibern war das nicht das erste Mal, immer wieder wurden kurze Sperren verhängt. Das Ausmaß der Sperre, die dieses Mal auch die Privataccounts der Betreiber umfasst, deute darauf hin, dass es sich um die letzte Sperre gehandelt haben könnte und die Seite offline bleibt. Zuletzt konnte „Blutgruppe HC Negativ“ mehr als eine Million Facebook-Nutzer mit den Postings erreichen. Die Seite wies immer wieder mit satirischen Beiträgen auf die Verfehlungen rechter Parteien in Österreich hin.

Eine Facebook-Seite mit dem Titel „Gebt die Seite ‚Blutgruppe HC Negativ‘ wieder zurück“ konnte bis zuletzt (Stand 20.9., 10:30 Uhr) mehr als 5.200 Likes sammeln. Neben „Blutgruppe HC Negativ“ wurden offenbar weitere Satireseiten von Facebook gelöscht, darunter auch „Auslenda nehm uns der Bildunk weg“.

Satire kommt unter die Räder

Am Montag kündigte Facebook an, künftig verstärkt gegen Hasspostings vorgehen zu wollen. Dass der US-Konzern nun ausgerechnet jene Seiten löscht, die auf satirische Art und Weise auf Hassrede hinweisen wollen, mutet seltsam an. Zuletzt löschte Facebook auch einen Artikel des satirischen Portals „Der Postillon“ mit dem Titel „Nazis rächen sich an Flüchtlingen, indem sie nach Syrien fliehen“. Das Maßnahmen-Paket von Facebook sieht unter anderem eine Kooperation mit dem Verein FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) vor, der Facebook künftig bei der Kontrolle gemeldeter Beiträge unterstützen soll. Diese Partnerschaft könnte womöglich für ein etwas behutsameres Vorgehen beim Löschen sorgen.