Das Internet als unerschütterliches Netzwerk
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Das Internet als unerschütterliches Netzwerk

Das Internet als unerschütterliches Netzwerk

Die Weitläufigkeit des Internets bietet Menschen die Möglichkeit, grenzenloses Wissen zu erlangen und Meinung mit der ganzen Welt zu teilen. Für viele Regierungen beziehungsweise Regime stellt diese Freiheit jedoch eine Gefahr dar. In vielen Länder versucht die Staatsmacht deswegen regierungskritische Äußerungen sowie Inhalte, die gegen die Moralvorstellungen der jeweiligen Landeskultur bzw. Religion verstoßen, durch Zensur oder manchmal sogar komplette Sperren des Internets zu unsichtbar zu machen.

Während Länder wie die USA, Deutschland oder Argentinien Meinungsäußerung im Internet keineswegs zensieren, werden in verhältnismäßig vielen anderen Staaten Meinungen geblockt oder gar strafrechtlich verfolgt. Seit der Rückkehr von Wladimir Putin 2012 wurden die Regulierung in Sachen Internet Zensur in Russland verschärft. So werden auf einer Liste Websites geführt, die nicht den Vorstellungen der Regierung entsprechen. Betreiber, deren Links dort aufscheinen, müssen ihre Inhalte offline nehmen, um einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen. Gerechtfertigt werden die “Kontrollen” meist mit dem Kampf gegen Kinder-Pornographie oder Drogen-Handel, das eigentliche Ziel ist jedoch regierungskritische Meinungen zu entfernen.

Komplette Zensur

Trotzdem können Länder wie Russland noch als teilweise frei in Sachen Internetzugang bezeichnet werden, gilt doch der Nachbar China als das Aushängeschild, wenn es um die Zensur des Internets geht. Projekt Goldenes Schild, besser bekannt als The Great Firewall, ist ein Projekt zur Überwachung sowie zur Zensur des Internetverkehrs, das durch das chinesische Ministerium für Staatssicherheit betrieben wird. Durch Blockierung von IP-Adressen, das Durchsuchen von URLs auf Stichworte sowie der Anwendung eines Paketfilter, der bei der Überschreitung einer Stichwort-Anzahl den Nutzer umleitet, werden so unerwünchte Inhalte entfernt. Die chinesische Suchmaschine Baidu versieht zusätzlich jene Websites mit eine schlechten Index-Wert, um diese in den Suchergebnissen weit hinten zu platzieren.

Zu den unerwünschten Inhalten zählen unter anderem Nachrichtenportale wie der chinesische Ableger von BBC News, die über Redefreiheit, Demokratie oder Polizeibrutalität berichten. Weiters werden Seiten, die über den Dalai Lama und seine Lehren schreiben, pornographischen Inhalte verbeiten, E-Mail Dienste wie Google Mail sowie Website mit dem Themen Religion, Tawain, Marxismus, Tibet und regierungskritsche Äußerungen geblockt. Unregelmäßig wird auch der Zugang zu Blogging-Portalen wie wordpress.com oder blogger.com gesperrt.

Soziale Netzwerke gefährdet

Viele Länder garantieren die vollumfängliche Nutzung des Internets oder zensieren Inhalte nur sehr gezielt. Manche Staaten blockieren jedoch komplette Portale, die oft als “Gefahr für die öffentliche Sicherheit” deklariert werden. So sind YouTube, Twitter und Facebook in China oder Nordkorea nicht erreichbar. Pakistan blockiert seit September 2012 YouTube, da sich Google weigerte ein Video offline zu nehmen, welches den Islam verunglimpft und den Propheten Mohammad darstellt.

Im Iran werden seit 2009 die Portale YouTube, Facebook sowie Twitter blockiert. Der damals wiedergewählt Präsident Mahmud Ahmadinedschad lies kurz vor seiner Ansprach zum Wahlsieg die sozialen Netzwerke blockieren und das Mobilfunknetz abdrehen. Während zweiteres kurze Zeit später wieder aktiviert wurde, können Iraner bis zum heutigen Tag nicht auf Facebook oder Twitter zugreifen. Da der seit 2013 amtierende Präsident Hassan Rohani als vertreter einer gemäßigteren Politik gilt und sogar selber auf Twitter aktiv ist, versucht dieser langsam die Blockaden aufzuheben. Bis jetzt scheiterte er jedoch an den Behörden, da seine Einflussmöglichkeiten nur begrenzt sind.

Abschaltung nur bedingt möglich

Neben der Zensur besteht auch die Gefahr eines kompletten Shutdown des Internets. Als bestes Beispiel der jüngeren Geschichte gilt die Unterbrechung des Internetverkehrs in Ägypten während des arabischen Frühlings. Auf Anweisung der ägyptischen Regierung mussten die fünf großen Internet-Provider des Landes (darunter der britische Anbieter Vodafone) ein sogenanntes “Null-Routing” betreiben und blockierten somit jeglichen ein- bzw. ausgehenden Internetverkehr. Um trotzdem Informationen über die Landesgrenzen hinaus zu verbreiten, stellten vor allem Journalisten und Blogger per Telefon Dial-Up Verbindungen nach Europa her. Dass die Regierung überhaupt einen Großteil der Bevölkerung vom Internet abschneiden konnte, lag an der geringen Anzahl von unabhängigen Verbindungen im Land.

In den USA beispielsweise wäre ein Internet Shutdown theoretisch möglich, würde in der Praxis jedoch kaum umsetzbar sein. Abgesehen davon, dass ein Shutdown per Gesetz verboten ist, würde dieser auch an infrastrukturellen Hürden scheitern. Zwar könnten die großen Provider des Landes zum Kappen der Verbindung gezwungen werden, es würden jedoch noch viele anderer, kleinere Knotenpunkte (Universitäten, Groß-Unternehmen, Klein-Provider) übrigbleiben, die eine Verbindung zum Internet herstellen könnten.

Ein fast unverwundbares Netzwerk

Internet-Knoten führen an einem bestimmten Punkt meist hunderte Provider sowie verschiedene, kleinere Rechenzentren zusammen. Durch die Verbindung dieser Knotenpunkte, können Daten rund um die Welt transportiert werden. Da um den Erdball verteilt fast 360 solcher Datenzentren stehen, ist das Internet als Netzwerk nur minimal gefährdet, einen Totalausfall zu erleiden. Fällt einer der Knotenpunkt aus, wird der Datenverkehr auf die Nächstgelegenen umgeleitet. Zwar kann es hier zu Einschränkungen in Erreichbarkeit und Geschwindigkeit kommen, jedoch ist niemals eine komplette Blockade des Datenflusses möglich.

In Österreich gilt der VIX (Vienna Internet Exchange) in Wien als zuständiger Knotenpunkt für den Internetverkehr. Seit 1996 betreiben der Zentrale Informatikdienst der Universität Wien sowie InterXion den in 2 Rechenzentren redundant untergebrachten Knoten. Der VIX zählt aufgrund seiner Neutralität und Größe zu den wichtigsten Verbindungspunkte in Europa.

Zu den größten der Welt gehört der AMS-IX (Amsterdam Internet Exchange). Der in den Niederlanden untergebrachte Knotenpunkt operiert mit bis zu 3 TBit/s. Im Mai 2014 erreichte der Standort mit knapp 600.000 TB Traffic seinen bislang höchsten Wert. Die Infrastruktur ist über 12 Daten-Zentren in Amsterdam verteilt. Unter anderem verwenden Facebook, Netflix und Google diesen Standort zum Verteilen ihrer Daten.

Der wichtigste und gemessen am Durchsatz auch größte Internetknoten der Welt steht in Deutschland in Frankfurt am Main. Der DE-CIX verteilt sich auf 7 Rechenzentren in Frankfurt und erreicht bei Messungen zu Spitzenzeiten einen Durchsatz von rund 3,5 TBit pro Sekunde. Seit einiger Zeit steht der DE-CIX im Fokus, da Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden darauf hindeuten, dass an diesem Knotenpunkt in Zusammenarbeit mit dem deutschen Geheimdienst BND Daten durch die NSA gesammelt werden. Es wird vermutet, dass der komplette Datenverkehr gedoppelt und dann an den BND zur Auswertung weitergeleitet wird.

Geheimdienste zapfen Kabel an

Die NSA hat jedoch nicht nur Knotenpunkte im Visier, sondern auch komplette Glasfaser-Verbindungen, die ganze Kontinente miteinander verbinden. Africa Coast to Europe (ACE) ist eine der wichtigsten Telekommunikationsverbindungen von Afrika nach Europa. Ein Konsortium von 17 Betreibern unter der Administration von Orange verbindet über die Leitung 18 afrikanische Länder sowie Spanien, Frankreich und Portugal. Mit 17.000 km gehört es auch zu den fünf längsten Glasfaser-Verbindungen der Welt.

Noch im Bau befindet sich ein Glasfaserprojekt, das quasi die ganze Welt miteinander verbindet. Arctic Fiber, dass Anfang 2016 in Betrieb gehen soll, verbindet Irland, Japan, Kanada sowie die USA und Großbritannien miteinander. Das Projekt wird sich auf rund 620 Mio. US-Dollar belaufen und über eine Strecke von 15.200 km verlegt.

Mehr als doppelt so groß ist das längste und auch wichtigste Glasfaserkabel der Welt. Sea-Me-We 3 erstreckt sich über eine Distanz von 39.000 km und wird von 92 Unternehmen rund um die Welt betrieben. Ägypten, Indonesien, Saudi-Arabien sowie Deutschland, Portugal und China zählen zu den insgesamt 33 Staaten, die über dieses Unterseekabel verbunden sind. In geheimen Unterlagen der NSA ist Sea-Me-We 3 als Spionageziel verzeichnet. Da ein Großteil des europäischen Datenverkehr über dieses Kabel abgewickelt wird, soll der britische Geheimdienst GCHQ Daten abgreifen und mitschneiden. Laut Unterlagen werden die Daten drei Tage gespeichert sowie Metadaten bis zu 30 Tage.

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Amir Farouk

Early-Adopter. Liebt Apps und das Internet of Things. Schreibt aber auch gerne über andere Themen.

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