Netzpolitik
07.03.2017

Deutschland investiert 100 Mrd. Euro in schnelles Internet

Der für digitale Fragen zuständige deutsche Bundesminister Alexander Dobrindt verständigte sich am Dienstag mit Vertretern der Telekomfirmen auf einen Zeitplan bis 2025.

Mit Investitionen von 100 Milliarden Euro wollen der Bund und die Telekombranche das Internet in Deutschland beschleunigen. Die Leitungen sollen dann Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich ermöglichen. Das ist 20-mal so schnell wie heute verbreitete 50-Megabit-Verbindungen. Dobrindt sagte, dazu sollten modernsten Technologien zusammengeführt werden, etwa Glasfaser und der künftige Mobilfunkstandard 5G, für den 2018 die nächsten Frequenzen durch den Bund vergeben würden.

Maschinen erzeugen Daten

Neue Anwendungen wie die Vernetzung von Maschinen brächten ein enormes Datenwachstum. Benötigt würden „mehr Bandbreite, eine zuverlässige Echtzeit-Übertragung und intelligente Netze, die Daten selbstständig verarbeiten, priorisieren und schnellstmöglich zum Nutzer transportieren“. Laut Dobrindt stecken die Unternehmen weiter acht Milliarden Euro jährlich in den Netzausbau. Der Marktführer Deutsche Telekom schultert mit gut vier Milliarden Euro pro Jahr mehr als die Hälfte der Ausgaben.

Extra in die Tasche greifen die Konzerne nicht, da die Zahlen den geplanten Investitionen entsprechen. Der Bund subventioniert die Aufrüstung ab 2018 jährlich mit drei Milliarden Euro. Zu höheren Zusagen hätten sich die Unternehmen nicht bereiterklärt, da nicht klar sei, welcher Betrag bei den Frequenzvergaben im kommenden Jahr auf sie zukomme.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist als Ziel vorgesehen, dass bis 2018 alle Haushalte mit Internet mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit in der Sekunde ausgestattet sind. Drei Jahre nach dem Start der sogenannten Netzallianz hätten 75,5 Prozent aller Haushalte einen entsprechenden Anschluss, sagte Dobrindt.

Breitband durch LTE-Ausbau

Allerdings lässt das Ziel eine Hintertür offen, da die geforderte Datenrate nicht mit einem Festnetzanschluss erreicht werden muss, sondern auch der Mobilfunk mitgezählt wird. Dieser weist dank LTE auf dem Papier enorm hohe Geschwindigkeiten aus, die jedoch fallen, wenn sich mehrere Surfer gleichzeitig einklinken. Ohne mobiles Breitband ist das Regierungsziel wohl nicht zu schaffen.

Nach Daten des Infrastrukturbetreibers Akamai sind Bürger in Deutschland über ihre leitungsgebundenen Anschlüsse im Schnitt vergleichsweise langsam unterwegs. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland demnach auf Platz 26 - noch hinter Litauen und
der Slowakei. Der Präsident des Branchenverbands Bitkom und Ex-Chef von Telefonica Deutschland, Thorsten Dirks, zeigte sich mit den Verabredungen der Netzallianz zufrieden.