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Chaos Computer Club Deutschland: Software zur Auswertung der Wahl unsicher.

Laut dem Chaos Computer Club wurden die elementaren Grundsätze von IT-Sicherheit in der Software nicht beachtet.
Laut dem Chaos Computer Club wurden die elementaren Grundsätze von IT-Sicherheit in der Software nicht beachtet. - Foto: APA/dpa/Monika Skolimowska
Bei dem Computerprogramm "PC-Wahl" für die deutsche Bundestagswahl am 24. September gibt es erhebliche Sicherheitsprobleme, so eine Analyse des Chaos Computer Clubs.

Lücken in dem Programm könnten dazu führen, dass das vorläufige Wahlergebnis manipuliert wird, berichtete die Zeit Online am Donnerstag. Ein unabhängiger Informatiker hatte demnach die Sicherheitsprobleme entdeckt, zwei Analysten des Chaos Computer Clubs (CCC) bestätigten seine Ergebnisse.

Die Analyse ergab eine Vielzahl von Schwachstellen und mehrere praktikable Angriffsszenarien. Diese erlauben die Manipulation von Wahlergebnissen auch über die Grenzen von Wahlkreisen und Bundesländern hinweg. Die untersuchte Software „PC-Wahl“ wird seit mehreren Jahrzehnten für die Erfassung, Auswertung und Präsentation von Wahlen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene eingesetzt. "Das Ergebnis der Sicherheitsanalyse ist ein Totalschaden für das Software-Produkt", schreibt der CCC in einem Blogeintrag dazu.

Was passiert am 24. September?

Auch der Hersteller der Software gestand Lücken in dem Programm ein. Unklar ist, ob es gelingt, sämtliche Sicherheitslücken bis zum 24. September zu schließen. Es habe für den Bundeswahlleiter höchste Priorität, Manipulationen bei den Schnellmeldungen und damit beim vorläufigen Wahlergebnis zu verhindern, sagte ein Sprecher des Bundeswahlleiters zu Zeit Online und dem Wochenblatt „Die Zeit“.

Das Programm PC-Wahl ist nach Angaben des Herstellers Vote iT das meistgenutzte Wahlorganisationssystem in deutschen Verwaltungen. Die Software sammelt die in den Wahllokalen ausgezählten Stimmen und leitet sie an die Kreis- und Landeswahlleiter weiter. Das Programm enthielt den Angaben zufolge bisher keine verschlüsselten Signaturen oder ähnliche Sicherungen, um zu garantieren, dass nur die dafür zugelassenen Stellen Wahldaten übermitteln.

Keine Sicherheitsmechanismen

Nach Angaben von Vote iT haben die zuständigen Kommunen Sicherheitsmechanismen zum Schutz vor Manipulationen bisher nie eingefordert. Am 28. Juli habe das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) den Bundeswahlleiter über die Probleme informiert. Daraufhin wies der Bundeswahlleiter alle Landeswahlleitungen an, Maßnahmen zur Sicherung der Authentizität elektronisch übermittelter Schnellmeldungen zu ergreifen. Das BSI hat den Wahlleitern und dem Hersteller Vorschläge vorgelegt, wie die Software verbessert werden kann.

„Elementare Grundsätze der IT-Sicherheit werden in dieser Software nicht beachtet. Die Menge an Angriffsmöglichkeiten und die Schwere der Schwachstellen übertraf unsere schlimmsten Befürchtungen“, sagte Linus Neumann, an der Analyse beteiligter Sprecher des CCC. Der CCC kam zu dem Ergebnis, dass sämtliche Gegenmaßnahmen sich bereits bei oberflächlicher Überprüfung als ungeeignet erwiesen hätten, die gemeldeten Schwachstellen zu beseitigen.

"Zwingende Sichtkontrolle"

Der Bundeswahlleiter habe verfügt, dass die Ergebnisse der Stimmenauszählungen am Wahlabend im Zweifel „unabhängig von IT-Tools“ weitergegeben werden soll, hieß es in dem Bericht weiter. Außerdem seien die Landeswahlleiter angewiesen, die Ergebnisse am Wahlabend nach der Veröffentlichung mit einer „zwingenden Sichtkontrolle“ noch einmal zu überprüfen. Damit stellten sich die Behörden auf den Notfall ein, „wenn wider Erwarten die Probleme mit PC-Wahl nicht behoben werden können“.

(dpa, futurezone) Erstellt am 07.09.2017, 12:12

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