Netzpolitik
08.02.2012

"Die Abgeordneten haben Augen gemacht"

Rund zwei Dutzend Jugendliche haben am Dienstag anlässlich des neunten Safer Internet Days mit österreichischen Parlamentariern über die Chancen und Risiken des Internets diskutiert. Auch Workshops haben stattgefunden. Ein Überblick.

Da machten die wenigen Abgeordneten, die in der sitzungsfreien Woche ins Parlament zum Safer Internet Day 2012 gekommen waren, ganz schön Augen. Rund zwei Dutzend Jugendliche aus ganz Österreich und aus den verschiedensten Schultypen hatten sich intensiv mit verschiedensten Aspekten der digitalen Gegenwart auseinandergesetzt und zwar sowohl in Online-Foren im Vorfeld als auch in einer Live-Diskussion am Dienstagnachmittag. Der Bogen reichte von Datenschutz bis Cybercrime, von Urheberrecht bis Cybermobbing, von Kostenfallen bis zum digitalen Alltag und nicht zuletzt zu ACTA, dem umstrittenen internationalen Anti-Piraterieabkommen, das von Österreich bereits unterzeichnet wurde.

Gleich einleitend zeigte die Gruppe "digitaler Alltag" die Allgegenwärtigkeit des Netzes für "Digital Natives", also die heutige Generation von Jugendlichen, die bereits mit dem Netz aufgewachsen ist. Nicht zuletzt anhand des bekannten fast dreiminütigen Youtube-Videos "A life on Facebook by Alex Droner" wurde deutlich auf den Punkt gebracht, wie es sich als "Digital Native" lebt.

Breites Wissen über Problemfelder
Viel Wissen über die Vorteile und Vorzüge des ständigen Arbeitens mit dem Internet machte diese Jugendlichen aber ganz und gar nicht blind gegenüber möglichen negativen Folgen. Von der Vermittlung nötigen Wissens über potenzielle Abzocke-Seiten bis zum Bewusstmachen der Folgen von Cybermobbing, untermauerten sie diese mit etlichen konkreten Beispielen. Letzteres kann oft leichter, weil anonym, bewerkstelligt werden und gleichzeitig gröbere Auswirkungen für Betroffene haben, weil Opfer in einer viel breiteren Öffentlichkeit bloßgestellt werden können.

Sarah Defant, Peer-Mediatorin in der HIB Saalfelden ( Salzburg) und ihre Kollegen Marc Wechselberger und Djordje Ilic hatten in ihrer Schule in einer Schulstufe einen derartigen Fall. Es gab, so berichtet die Erstgenannte, eine Schülerin, deren Pinnwand von den Mitschülern  mit einem von ihr ungeliebten Spitznamen zugemüllt worden war. Die Betroffene wandte sich an die jugendlichen Streitschlichter. "Wir haben dann mit der ganzen Klasse gesprochen. Erst dadurch wurde den meisten bewusst, wie tief sie die Kollegin getroffen hatten. Sie haben es begriffen und es tat ihnen echt leid, so unser Eindruck", können sich die drei darüber freuen, der Betroffenen geholfen zu haben – und möglicherweise nicht nur ihr. Auch die Täte konnten ihr Handeln hinterfragen und somit sein lassen.

"Ausufernde Überwachung"
Auch über ACTA wurde diskutiert. Was ist Fälschung, was Kopie, was hingegen aber nur einfach geteiltes Wissen? Dass unter dem Begriff Urheberrecht manche gleich weite Teile des Internets einschränken, endlos ausufernde Überwachung einführen wollen, das verdeutlichte die entsprechende Arbeitsgruppe anhand des einfachen, übersichtlichen etwa siebeneinhalb Minuten dauernden You-Tube-Videos "Was ist ACTA?".

Im Anschluss an die Diskussion über ACTA wurde noch auf die unterschiedlichen Situationen in Österreichs Schule aufmerksam gemacht. Während Jugendliche aus dem BG/BRG Hallein froh berichten konnten, "Internet und neue Medien werden bei uns von vielen Lehrern eingesetzt und wir können im Unterricht da echt was lernen", mussten andere berichten, dass allein schon Power Point Präsentationen so was wie eine Sensation wären, noch schlimmer: In einer Schule mit Informatik-Schwerpunkt gäbe es Lehrende, die sich ziemlich gar nicht auskennen.

Für ein eigenes Schulfach
"Gleiche Bedingungen für alle Kinder und Jugendliche, egal wo und in welche Schule sie gehen", lautete eine der zentralen Forderungen, die Marie-Theres Zembacher, (BRG Zell am See) Lukas Wagner (Mediendesign-Lehrling bei der Dornbirner Suchtprävention), Lisa Gubik (Theresianum, Eisenstadt) und Alexander Motl ( Salzburg, HAK I) bei der Pressekonferenz am Ende der diesjährigen Aktion zum bereits neunten internationalen Safer Internet Day im Parlament vorstellten. Sie schlugen ein eigenes Fach vor und verlangten vor allem, ernst genommen zu werden.

Mehr Bilder des Treffens der Parlamentarier mit den Jugendlichen gibt es auf kiku.at

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