Solomons Motto lautet "Folge dem Geld" - "Wenn man die Geldflüsse aufdeckt, kommt man an die Hintermänner und an die terroristischen Zellen."

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World Check
05/05/2011

Die Datenbank des globalen Terrors

Seit 2000 werden sämtlichen Informationen über Terroristen in einer Datenbank zusammengetragen, die ihren Ursprung in Österreich hatte. 300 Geheimdienste weltweit haben einen Zugang zu dieser größten privaten terroristischen Datensammlung, mit der – so die Betreiber – Attentate verhindert werden.

Es waren lange Tage und lange Nächte für John Solomon, doch es werden noch längere Tage und Nächte folgen, denn nun ist seine Arbeit und die seines etwa 450-köpfigen Experten-Teams gefragt. Solomon verwaltet die größte private Terroristen-Datenbank und die ist, da nach dem Tod Osama bin Ladens Vergeltungsschläge befürchtet werden, eine der heißesten Informationsquellen der Antiterror-Experten.

Umfassende Sammlung
15 der 21 Drahtzieher der Terroranschläge des 11. September 2001 waren darin gespeichert, zwei der Hauptverantwortlichen der Attentate auf die Londoner U-Bahn und auch der Hauptverdächtige der Madrider Anschläge. Alle diese Informationen waren schon vor den Attentaten in dieser Datenbank abrufbar, die sich World-Check nennt. Im Jahr von 9/11 ging „World-Check“ online, die Firmenzentrale wurde in London errichtet, die World-Check-Server standen in der Wiener Innenstadt. Zehn Jahre später ist das Service eines der am meisten gefragten bei Banken, Polizei und Geheimdiensten, finden sich doch fast eine halbe Million Menschen in der Datenbank – Mitglieder der Organisierten Kriminalität genauso wie so genannte PEPs (Political Exposed Persons). Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Politiker und deren Angehörige aus dem Nahen Osten oder Afrika, deren Geldflüsse nicht immer nachvollziehbar sind.

Der Antiterror-Experte
John S. Solomon ist der Chef der Anti-Terrorismus-Einheit bei World-Check, der„Director of Threat Finance Research“ verwaltet einen besonderen Datensatz: Jenen der Terroristen. Seit 2006 baut der Amerikaner, der in Kairo studiert hat und auch fließend arabisch spricht und davor Terrorismus-Analyst bei der amerikanischen Jamestown Foundation war, die Terroristen-Datenbank auf. Es stehen aber nicht nur Namen drinnen, sondern wie sich die einzelnen Gruppierungen finanzieren und welche Reiserouten die Terroristen nutzen, um von A nach B zu gelangen. Damit ist diese Datenbank die wohl größte globale Terrorismus-Sammlung.

Bei Geheimdiensten gefragt
„Etwa 300 Nachrichtendienste sind an unser Service angeschlossen, 49 der größten Banken weltweit“, schildert Solomon im futurezone-Interview. „Seit 9/11 ist die Zahl unserer Kunden gestiegen.“ Die Informationen in der Datenbank tragen etwa 450 „Researchers“, wie er sie nennt, zusammen. Unter seinen Mitarbeitern fänden sich „verschiedene Talente“, so Solomon, sie wohnen über den Globus verstreut. Die einen sind Wirtschafts-Experten, die anderen haben auf Universitäten gearbeitet, manche auch bei Geheimdiensten. „Wir setzen auf Internationalität“, so Solomon. Nur so könne man auf Terroristen-Netzwerke halbwegs ein Auge werfen.

"Folge dem Geld"
„Wie wir sie finden? Das ist Training“, sagt Solomon. „Unsere Devise lautet: Folge dem Geld, dann kommst du auch zu ihnen. Das ist schon immer das Mantra von Geheimdiensten gewesen.“ Mit den 5000 wichtigsten Banken der Welt steht man in direktem Kontakt. Auch Online-Casinos und Online-Bezahl-Plattformen stehen auf dem Überwachungsradar. Auch hier wird Geld verschoben. Das Dschihad-Netzwerk nutzte ein Online-Casino. Die sogenannten 7/7-Bombenattentäter, die am 7.7. 2005 Bombenanschläge in drei Londoner U-Bahnen verübt hatten, waren alle Mitglieder in Online-Casinos und wurden über Pokerräume mit Geldmittel für ihre Anschläge versorgt. Mudja Hedin nutzten ein Payment-Portal. Manchmal werden die Portale beobachtet, manchmal lässt man sie sperren.

Jede terroristische Gruppe habe ihre eigene Signatur. So etwa die ideologische, die sich auf Webseiten, in Videos manifestiert. „Wir sind gut, Verlinkungen und Zusammenhänge zu finden.“ Und: „Wir können terroristische Attacken verhindern, da wir die Logistik hinter den terroristischen Zellen analysieren und Kunden darauf aufmerksam machen, wenn wir Interessantes finden. Jeden Tag finden wir neue Puzzle-Steine, um den Terrorismus noch besser bekämpfen zu können.“

Zoom in den Terror
So seien Transitrouten bekannt, über welche Zwischenstationen sie etwa von ihrem Ausbildungslagern oder Geheimverstecken in die westliche Welt gelangen. Oft auch der (ungefähre) Aufenthaltsort. Intern – das Produkt könnte bald angeboten werden – können die Standorte terroristischer Zellen auf einer Weltkarte (siehe Bildergalerie) angezeigt werden. In diese kann man sich – ähnlich Google Earth – zoomen. Mit Abkürzungen wie SIMI, HuJI, IJG oder ETLO werden die Terroristen in Zellen eingeteilt. Diese befinden sich im Jemen, in Somalia, in der Maghreb/Sahel-Zone Nordafrikas, im Irak, in Teilen von Gaza aber auch in den Diaspora-Gemeinschaften in Europa, Nord und Südamerika. Es gibt Zehntausende Mitglieder. In der World-Check sind etwa 30.000 gespeichert. Solomon: „Jeder kennt Ali Baba, aber keiner die 40 Räuber. Und genau die suchen wir.“

Die Ideologie Al-Kaida
„Der Tod bin Ladens war ein strategischer und auch symbolischer Sieg für die Anti-Terrorismus-Bewegung“, meint Solomon. „Aber Al Kaida ist nach 9/11 weniger eine hierarchische Organisation als mehr ein Netzwerk geworden, daher ist es fraglich, wie wichtig bin Laden noch war. Er war eine symbolische Figur, aber hatte keinen bis wenig Einfluss in terroristische Aktionen.“ Al Kaida sei nach dem 11. September vielmehr zu einer Ideologie geworden, mit Anhängern des Salafismus und Dschihadismus. (Salfanismus ist eine Ideologie, die gewaltsamen Dschihad gegen Ungläubige im Kontext des Heiligen Krieges vorschreibt. Takfiri erklären andersdenkende Muslime zu Abtrünnigen, die getötet werden können. Anm.) Diese Ideologie manifestiert sich in vielen dazugehörigen Gruppierungen und angeschlossenen Zellen. Al-Kaida ist mehr ein Deckmantel, unter der terroristische Aktionen durchgeführt und Zellen zusammengefasst werden.

Al Kaida ist auch ohne bin Laden gefährlich“, bestätigt Solomon jene Aussagen, die in den vergangenen Tagen bereits von vielen Terrorismus-Experten getätigt wurde. Die Führungsriege der Al-Kaida ist aufgrund der Drohnen-Angriffe (UAV-Attacken) stark unter Druck geraten, „aber andere Gruppierungen sind aktiv geworden, die Tehrik-i-Taliban in Pakistan, die al-Shabbab in Somalia oder die Al-Kaida in Yemen und der Arabischen Halbinsel – aber zum Glück konnten alle Attacken größtenteils vereitelt werden“.

World Check John Solomon Terroristendatenbank

Screenshot World Check Terroristenzellen

World Check Screenshot Terroristenzellen

World Check-Gründer David Leppan Terroristendatenbank

World-Check.com

Der Südafrikaner David Leppan, der in Salzburg studierte, gründete zur Jahrtausendwende in London das Unternehmen „Global Objectives“ und gründete 2000 „World-Check“ – 2001 waren in dieser Datenbank 65.000 Personen gespeichert, die entweder der Organisierten Kriminalität zuzuordnen waren und/oder „politisch exponiert“ – etwa Politiker und deren Angehörige aus dem Nahen Osten oder Afrika. Derzeit umfasst die Datenbank etwa 400.000 Menschen, etwa 30.000 von ihnen sind Terroristen. Einige der World-Check-Server standen bis vor kurzem bei einem Provider in der Wiener Innenstadt.

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