© http://lulzsecurity.comlzsecurity.com

Hintergrund
06/17/2011

Die Hacker mit der Grinsekatze

Die CIA, der US-Senat, Sony – sie haben eines gemeinsam: Eine rätselhafte Hackergruppe namens „Lulz Security“ knackte ihre Websites. Ihr Motiv liegt irgendwo zwischen kindischem Spaß und politischer Ambition.

von Christiane Schulzki-Haddouti

Sie machten mit einem Hack auf Sony erstmals auf sich aufmerksam: Eine Hackergruppe unter dem Namen „Lulz Security“. Ihre Website ist ein wenig rätselhaft: Ein Wikingerschiff namens „Lulz“ aus ASCII-Zeichen schaukelt begleitet von Jazz-Musik auf ASCII-Wellen – im Hintergrund ein ASCII-Sternenhimmel, in dessen Höhen sich eine grinsende Katze auf einem Regenbogen hochschießt. Darunter eine Liste der mutmaßlichen Opfer von Lulz Security: Die Website des US-Geheimdienstes CIA, des US-Senats, diverser US-Fernsehsender sowie mehrere Online-Datenbanken der Unterhaltungskonzerne Sony und Nintendo.

„Spaß und Gerechtigkeit“
Das Wörtchen „Lulz“ ist eine Verballhornung des Internet-Akryonms LOL – „laughing out loud“. Sollte man Lulz Security also nicht so ernst nehmen? Über die Zusammensetzung des Teams twittert die Gruppe unter ihrem Twitter-Account LulzSec: „Ein Team von Unterhaltungs- und Sicherheitsexperten, die sich auf die Produktion bösartig komödiantischer Cyber-Materialien spezialisiert hat“. Noch immer ist unbekannt, wer hinter der Gruppe steckt. Anbahnversuche verschiedener Medien wurden bislang ignoriert bzw. verlacht. Gegenüber dem US-Magazin „Forbes“ gab ein Mitglied als Motiv jedenfalls „Lulz and Justice“ an – also „jede Menge Spaß und Gerechtigkeit“.

Das Ziel der Gruppe: „Sicherheitsexperten, Spione und Bundespolizei“, ist auf ihrem Twitter-Account zu lesen. Sie sollen „aus unserer Community verschwinden“. Hintergrund ist ein Bericht der britischen Tageszeitung „The Guardian“: Demnach soll die amerikanische Bundespolizei FBI die amerikanische Hacker-Community derart unterwandert haben, dass diese nurmehr paranoid und misstrauisch agiert. Jeder vierte Hacker soll demnach als FBI-Informant arbeiten.

Drastische Strafen
Der prominenteste der Abtrünnigen ist Adrian Lamo, der den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning an die Behörden verriet. Manning soll sich ihm gegenüber damit gebrüstet haben, Daten aus dem Militärnetz abgezogen zu haben. Anders als Lamo, der aus nationalem Pflichtgefühl gehandelt haben will, haben die meisten Hacker jedoch Respekt vor Strafen. Zahlreiche Gesetze wurden in den letzten Jahren weltweit verschärft und belegen Eingriffe in Computersysteme teils mit drastischen Strafen.

Noch ist unklar, ob Lulz Security eine neue Hackergruppe ist oder etwa eine Splittergruppe von Anonymous ist. Anonymous, eine lose Hacker-Gruppierung, geriet jüngst unter starken Druck. Gleichwohl kündigte jetzt erst wieder einen neuen Angriff an: Die  Website der US-Notenbank soll mit einer verteilten Denial-of-Service-Attacke lahm gelegt werden. Bei Denial-of-Service-Attacken werden Websites in schneller Reihenfolge so lange aufgerufen, bis sie unter der Last der Datennachfrage zusammenbrechen. Hintergrund der Attacke ist eine Rücktrittsforderung an Notbankchef Ben Bernanke wegen seines Verhaltens während der globalen Finanzkrise.

Ob hinter dem kürzlich erfolgten Angriff auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) ebenfalls Anonymous steckt, ist unklar. Der IWF vermutet aufgrund des gezielten Vorgehens vielmehr einen Staat, der sich vertrauliche Informationen über andere Länder beschaffen will.

Politik und Spiele
Ähnlich wie Anonymous  verfolgt auch Lulz Security mit diversen Online-Tools Internetattacken vornehmlich prominente Ziele. So wurde die Website des amerikanischen Fernsehsenders PBS angegriffen, da dieser ein aus Sicht der Gruppe die Whistleblower-Plattform Wikileaks unfair portraitiert hatte. Die Website des US-Senats wurde attackiert, da er zurzeit über härtere Maßnahmen gegen Cyberkriminalität debattiert. So sollen zum einen Kunden umgehend über Datendiebstähle informiert werden, zum anderen sollen die Strafen verschärft werden.

Das Spektrum der Opfer ist jedoch breit, denn Lulz Security attackierte auch Unternehmen wie Bethesda, die

entwickeln -  was Rückschlüsse auf das Alter der Protagonisten liefern könnte. Das FBI jedenfalls versteht keinen Spaß: Es hat längst die Verfolgung durch die Netze aufgenommen. Bislang jedenfalls ohne Erfolg.
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.