Netzpolitik
12.04.2017

Die österreichischen Adressen des IS

Die Terrororganisation Islamischer Staat verbreitet massiv Propaganda im Netz - zuletzt verstärkt über österreichische .at-Adressen.

Der Islamische Staat investiert viel in seinen Propagandafeldzug im Internet. Unter anderem unterhält die Terrororganisation mit "Amaq" eine eigene "Nachrichtenagentur", die auch genutzt wird, um Bekennerschreiben nach Anschlägen zu publizieren. Zuletzt verwendete Amaq auch eine österreichische .at-Domain, um seine Weltsicht zu verbreiten. Das war kein Zufall, wie Vice berichtet. Zwar wurde die österreichische Amaq-Seite durch Hacker, die unter dem Hashtag #OpISIS eine Anti-IS-Kampagne im Netz fahren, unschädlich gemacht, aber auch andere .at-Adressen sind dem IS zuzuordnen.

Rund ein Dutzend österreichische Domains soll der IS in den vergangenen Monaten für seine Zwecke genutzt haben. Das ist auch Online-Aktivisten aufgefallen. Sie beschweren sich im Netz, dass zu wenig gegen die Propagandaseiten mit österreichischen Domains unternommen werde. Die österreichische Vergabestelle nic.at, die in Salzburg sitzt, weiß von dem Problem, verweist was die Verantwortung für eine mögliche Prüfung der Domains angeht aber auf die Domainhändler, über die .at-Adressen überall auf der Welt erworben werden können, und die Dienstleister, die die betreffenden Seiten auf ihren Servern beheimaten.

Reaktion

Aktivisten, Behörden und internationale Geheimdienste haben nic.at bereits über mehrere Problemfälle informiert. Wenn nic.at eine IS-Seite identifiziert hat, werden entsprechende Schritte eingeleitet. Da die Seiten oft unter falschen Namen registriert sind, sind die Verträge nicht selten ungültig, was eine schnelle Stilllegung der Domain ermöglicht. Ist das nicht machbar, wendet sich nic.at an die österreichischen Behörden, die dann versuchen, eine Löschung der Seiten durchzusetzen. Der Verfassungsschutz ermittelt derzeit ebenfalls in der Angelegenheit.

Der Händler, über den zumindest ein Teil der IS-Domains erworben wurde, sitzt in den USA. Bezahlt haben die Kunden für die österreichischen Adressen mit Bitcoins. Die Digitalwährung macht eine Identifizierung der Verantwortlichen praktisch unmöglich. Die gestiegene Aufmerksamkeit für seine österreichischen Adressen hat beim IS offenbar bereits ein Umdenken ausgelöst: Derzeit scheint die Domain .xyz besonders beliebt zu sein. Trotzdem wurde erst vor wenigen Tagen erneut eine .at-Domain an eine IS-nahe Organisation vergeben. Der Propagandasender "Al Bayan" hat sich eine hiesige Adresse gesichert. nic.at wurde bereits informiert.