Netzpolitik
28.12.2010

Die österreichischen Energiesparmeister

Die Energieagentur und die Futurezone haben sie gesucht und auch gefunden: die besten Energiespar-Ideen für Privathaushalte.

Die Saruggs sind auf den ersten Blick eine klassische Durchschnittsfamilie - Vater, Mutter und zwei Kinder, die in einer 80-Quadratmeter-Wohnung in Wien leben. Die Saruggs fallen aber dennoch aus dem Rahmen, weil sie so etwas wie die Energiesparmeister 2010 sind. "In dieser Familie ist kein Energiesparpotential unentdeckt geblieben", sagt Thomas Bogner vom Projektteam topprodukte.at der Österreichischen Energieagentur. "Egal ob beim Standby der Waschmaschine oder bei der Beleuchtung, sogar bei den Komponenten im PC hat die Familie auf Energieeffizienz geachtet." Die Familie Sarugg gewann den gemeinsam im Rahmen der Aktion klima:aktiv von der Energieagentur und Futurezone.at durchgeführten Energiesparwettbewerb, mit ihren Ideen konnten sie eine Expertenjury überzeugen. Den zweiten Platz belegten Roman Schwalbe (ebenfalls aus Wien) sowie die Familie Michael Langerhorst und Andrea Fink aus Neuhofen an der Krems. Das sind die Top-Spar-Ideen der Wettbewerbs-Sieger:

Energieeffizienzklassen
Bei Waschmaschinen und Kühlgeräten wird die Effizienzklasse beachtet - am besten A++ oder A+. Ein A++-Gerät verbraucht 42 Prozent, ein A+-Kühlschrank 30 Prozent weniger Strom als ein A-Gerät. Auf die Energieeffizienzklassen muss man spätestens ab Dezember 2011 auch bei Flat-TV & Co. achten. Die Waschgänge bei Waschmaschinen und Geschirrspülern werden immer nur dann gestartet, wenn die Geräte voll sind.

Aufstellort
Kühl- und Gefriergeräte (am besten voll) werden an einem kühlen Ort aufgestellt und es wird für eine gute Hinterlüftung gesorgt. Lebensmittel aus dem Tiefkühlfach werden langsam im Kühlschrank aufgetaut, damit wird die Auftauenergie genutzt.

Eco-Funktion
Bei allen Haushaltgeräten, ob Geschirrspüler, Waschmaschine oder Staubsauger, wird die Eco-Funktion aktiviert, die meist ausreichend ist. Wäsche oder Geschirr wird mit niedrigeren Temperaturen (40 statt 50 Grad) gewaschen, wodurch ebenfalls Energie eingespart wird.

Standby-Verbrauch
Da eine Waschmaschine und auch ein Geschirrspüler im ausgeschalteten Zustand einen Standby-Verbrauch haben, werden sie immer vollständig vom Netz genommen - Geräte sind mit einem Kippschalter versehen.

Beim Home-Entertainment (TV, DVD-Player, Spielkonsolen etc.) hängen alle Geräte an einem Kippschalter, damit sie völlig vom Netz genommen werden können. Geräte lassen sich auch separat über einen Conrad-Power-Manager (Stromverbrauch 0,02mW) bzw. über Stromsparleisten (Master-Slave) ein- und ausschalten.

Beleuchtung
Fast alle Glühbirnen wurden durch Energiesparlampen ersetzt. Nur dort, wo man rasch und kurz Licht benötigt (WC) wird eine Glühbirne eingesetzt. Wer kein Fan des ESL-Lichts ist, für den könnten auch Energy-Saver-Halogenlampen eine Option sein.

Licht-Areale
Licht sollte nur dort erzeugt werden, wo es wirklich gebraucht wird, daher wurden Lichte-Areale festgelegt - ein Esslicht, Leselicht, TV-Beleuchtung oder Klavier-Licht.

Büro
Schon beim Kauf des Notebooks sollte man sich für einen Computer entscheiden, der um 70 Prozent weniger Strom verbraucht. So sollte auf Geräte gesetzt werden, die mit energiesparsamen Prozessoren oder Grafikkarten arbeiten, die weniger Hitze erzeugen. Für Computer/Notebooks/Netbooks gibt es 80plus-Netzladegeräte, die um 80 Prozent mehr Energieeffizienz als herkömmliche Netzteile erzielen.

Computer
Beim Notebook sind alle Einstellungen hinsichtlich Energiesparen aktiviert - der Monitor geht nach kürzester Zeit in den Ruhemodus, die Helligkeit des Bildschirms wird ein wenig gedimmt. Ob Computer, Modem oder Drucker - die Geräte werden nur dann eingeschaltet, wenn man sie benötigt.

Bewusstseinsbildung
Das Bewusstsein für Energiesparen ist Erziehungssache. Daher sollte man schon den Kindern erklären, was Energiesparen bedeutet und sie erinnern, wenn sie einmal vergessen, das Licht abzuschalten.

Stromsparer der Zukunft==
Beim Energiesparwettbewerb ging es aber nicht nur darum, wie heute der Stromverbrauch eingedämmt werden kann, sondern auch um neue, innovative Ideen, die der breiten Masse noch nicht bekannt sind.

Stromsparer der Zukunft wurde 2010 Thomas Greiner. Seine Idee: Hausgeräte wie Waschmaschine, Trockner oder Geschirrspüler werden an eine "grüne" Steckdose gesteckt, die von der Hauszentrale dann den Strom erhalten, wenn der Hauptenergiebedarf vorbei ist und die Kraftwerke nicht mit Volllast laufen müssen. Die Idee ist eine Vorstufe der "Smart Grids", wie sie bereits seit einigen Jahren angedacht sind und 2011 populärer werden sollen.

Wer immer einen Überblick über seine Energiekosten haben möchte, sollte die Idee von Michael Langerhorst nutzen: Er führt bereits seit 2007 eine Energiebuchhaltung am Computer, mit der er den aktuellen Stromverbrauch mit jenen der Vormonate vergleichen kann. Die Software, die sich schon 14.000 Computernutzer heruntergeladen haben und mit der er im ersten Jahr 30 Prozent Energie einsparen konnte, gibt es kostenlos unter http://templates.services.openoffice.org/de/node/2398.

Platz drei in der Kategorie Stromsparer der Zukunft ging an Christoph Hochleitner. Er regt an, auf neue Produkte zurück zu greifen, die manchmal nur in Nischenmärkten verfügbar oder noch nicht populär sind. Ein Utensil, das Hochleitner auf der Plattform www.liligreen.at entdeckt hat, ist etwa eine Tasche mit Solarmodulen, mit der man Geräte wie Handys, Musikplayer oder auch Digicams aufladen kann.

( Gerald Reischl)