Netzpolitik
14.06.2016

Digitaler Flüchtlingsgipfel soll Angebote verbessern

Bei dem breiten Angebot an digitalen Hilfen für Flüchtlinge drohen viele Apps zu „Datenfriedhöfen“ zu werden. Es fehlt an Koordination.

Das Bundesinnenministerium will mit einem digitalen Flüchtlingsgipfel das Angebot an Smartphone-Apps und Websites für Flüchtlinge besser koordinieren. Digitale Angebote wie die „Ankommen“-App oder andere digitale Helfer mit Tipps für den Alltag gebe es inzwischen viele, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Dienstag in Berlin. Die erhoffte Reichweite und Wirkung blieben jedoch oftmals aus. „Mit dem digitalen Flüchtlingsgipfel wollen wir deshalb die fehlende Abstimmung ermöglichen.“

Gemeinsam mit der Initiative D21, der vom Innenministerium unterstützen Initiative Betterplace Lab sowie Open Transfer sollen deshalb einheitliche Programmierschnittstellen entwickelt, eine bessere Abstimmung bei den Geldgebern ermöglicht sowie eine einheitliche Sprache bei Übersetzungen gefunden werden. Oft werde bei den vielen Initiativen „an der einen oder anderen Stelle das Rad vielleicht auch immer wieder erfunden“. Eine bessere Abstimmung sei deshalb geboten. „Unser Land braucht neue Ideen für die Koordinierung“, sagte de Maizière.

Viele zivilgesellschaftliche Initiativen für die Hilfe von Flüchtlingen seien im vergangenen Jahr aus dem Boden geschossen, sagte Joana Breidenbach vom Betterplace Lab. „Wir befinden uns aber nun an einem Scheideweg.“ Die Vielfalt drohe zu kollabieren. Mit Hilfe gemeinsamer Plattformen könne dagegen durch viele gebündelte Angebote ein ganz neues Ökosystem entstehen.

Erfahrungsaustausch

Einen intensiveren Erfahrungsaustausch forderte Birgit Radow vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. „Es gibt wenige geeignete Stellen dafür.“ So lerne ein Projekt aus Lüneburg nicht von einer Initiative in Mainz, „weil man gar nicht weiß, dass es dort was gibt“. „Digital“ ersetze nicht das Gespräch. Und viele digitale Angebote würden oft zu „Datenfriedhöfen“, weil sie nicht bekannt seien und schon deshalb nicht genutzt würden.

„Wir brauchen aufbereitete und bewertete Erfahrungen“, sagte Radow. Es fehle nicht an guten Ideen, aber oft noch an Geld an den richtigen Stellen. Wie zahlreiche neue Initiativen arbeiteten inzwischen auch Stiftungen viel mehr und besser zusammen als früher. Aber auch staatliche Stellen müssten lernen, besser mit zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammenzuarbeiten.