© Stefano Rellandini, Reuters

AnonAustria
04/01/2012

E-Mail-Veröffentlichungen blieben aus

Die für den 1. April vom österreichischen Anonymous-Ableger AnonAustria angekündigte Veröffentlichung von Politiker-E-Mails aus Protest gegen die Vorratsdatenspeicherung blieb aus. Sie war frei erfunden, um das Interesse für die umstrittene verdachtslose Datenspeicherung zu steigern, die am Sonntag in Österreich in Kraft trat. Am Sonntagnachmittag entschuldigten sich die Aktivisten für den "Aprilscherz".

Zwar sprang der vor einigen Tagen eingerichtete Countdown für die Operationen "Pitdog" und "Free All Pwnies" am Sonntag um 00.00 Uhr auf "Now!". Darüber hinaus gab es jedoch nichts zu sehen. Über den Kurznachrichtendienst Twitter gab das Kollektiv gegen 1.00 Uhr nachts an, selbst Ziel einer DDoS-Attacke (Distributed Denial-of-Service) geworden zu sein, die von Regierungsservern ausgehe. "Das glaubt doch niemand. Veröffentlichen, oder Aprilscherz bekanntgeben", hieß es in Reaktionen auf den Tweet. Danach herrschte auf dem Twitter-Account des Kollektivs lange Zeit Funkstille.

Medienaufmerksamkeit "hochkurbeln"
Auf Pastebin wurden unterdessen Auszüge aus dem IRC-Chat von Anonymous Austria gepostet. Dort hieß es, dass die angekündigten Veröffentlichungen "frei erfunden waren", um die Medienaufmerksamkeit für die umstrittene Vorratsdatenspeicherung "hochzukurbeln".

Es habe innerhalb des Kollektivs Stimmen gegeben, "die gegen die Aktion waren". Das Ziel die Vorratsdatenspeicherung ins Rampenlicht zu rücken, sei allerdings ein voller Erfolg gewesen, hieß es weiter: "Wir hoffen diese Aktion war vorallem der Politik eine Lehre wie es sich anfühlt wenn jemand Daten über einen hat die nicht für die Öffentlichkeit gemacht sind."

Entschuldigung für "Aprilscherz"
In einer am Sonntagnachmittag ebenfalls auf Pastebin veröffentlichten längeren Mitteilung hieß es dann: "Zusammengefasst: Die Operationen waren ein Aprilscherz." Die Aktivisten entschuldigten sich dafür, falsche Hoffnungen gemacht zu haben, aber man komme "nur mit `Skandalen` und `Hacks` in die Zeitung und Medien".

Am Samstagabend war in einem angeblich von den Aktivisten mit der Tageszeitung "Österreich" geführten Interview noch davon die Rede, dass Anonymous im Besitz von 10.295 E-Mails von österreichischen Poltikern sei, die "eine Menge Indizien" für Skandale enthalten würden. Die E-Mails hätten die Aktivisten "teils über Hacks, teils über Sympathisanten" erhalten, so das Blatt.

"Grubenhund"
Stutzig hätte schon das Twitter-Stichwort der Aktion machen können, der Hashtag lautete nämlich #OpPitDog. Übersetzen kann man "Pit Dog" als Grubenhund, was Medienleuten als Synonym für Zeitungsente bekannt ist. "Österreich" zeigte sich davon unbeirrt und hatte die Schlagzeile "Anonymous-Hacker packt aus - 10.295 Polit-E-Mails gehackt" auch noch auf der Titelseite ihrer Sonntagsausgabe.

Proteste gegen Vorratsdatenspeicherung
Keine Zeitungsente ist die Vorratsdatenspeicherung, die am Sonntag in Österreich in Kraft tritt. Sie sieht die Speicherung sämtlicher Verbindungsdaten von Telefon, Handy, Internet und E-Mail für sechs Monate vor. Am Samstag

in Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck und Graz zahlreiche Menschen gegen die verdachtsunabhängige Speicherung von Daten. Fast 85.000 Österreicher haben bereits eineBürgerinitiativegegen die Datenspeicherung unterzeichnet, auch eineVerfassungsklageist in Vorbereitung.

Zahlreiche Aktionen
Der österreichische Anonymous-Ableger sorgte im Laufe des vergangenen Jahres mehrmals für Aufsehen - sowohl mit dem Lahmlegen von Parteiwebsites als auch mit der Veröffentlichung geheimer Daten. Die Gruppe begründet ihre Aktionen mit dem Aufzeigen von Sicherheitslücken und dem schlampigen Umgang mit sensiblen Bürger-Daten seitens Behörden und Unternehmen.

Zu den größten Coups der Gruppe zählte etwa ein Hack der

(Gebühren Info Service), im Zuge dessen über 200.000 Datensätze von Kunden inklusive Bankdaten abgegriffen wurden. Erst nachdem AnonAustria mit der Veröffentlichung der Daten gedroht hatte, wurde das Datenleck seitens der GIS bestätigt. Für Aufregung sorgte auch der Klau von
im September 2011. Dabei wurden private Adressen von 25.000 Beamten im Netz veröffentlicht, was den Aktivisten auch herbe Kritik einbrachte. Kurz darauf verschaffte sich AnonAustria Zugang zu 600.000 Datensätzen der
. Öffentlich gemacht wurde diese allerdings nicht.

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