Netzpolitik
07.10.2010

Eine Google-Bombe für HC Strache

Bei George W. Bush wurde sie gezündet, bei Karl Heinz Grasser und nun auch beim FPÖ-Chef - wer "Vollkoffer" in die Google-Suchmaske eintippt, bekommt die Webseite von HC Strache als ersten Treffer angezeigt. Google hat auf die seit einer Woche bekannte Systemlücke noch nicht reagiert.

Eine Masche, der Google Anfang 2007 mit einem Algorithmus den Kampf angesagt hat und die laut einer offiziellen Stellungnahme Googles eigentlich technisch entschärft worden ist, wurde im Wien-Wahlkampf wieder aktiv: Google-Bombing. Wer bei google.at den Begriff "Vollkoffer" in die Suchmaske eintippt, bekommt als ersten Treffer die Seite www.hcstrache.at gelistet - es steht weder "sponsored link" noch "Anzeige" daneben. Entdeckt wurde die Bombe bereits vor einer Woche vom Portal be24.at, was auch Google bekannt sein dürfte. Bis dato hat der Suchgigant aber noch nicht reagiert.

Die Bombe

Beim Google-Bombing handelt es sich um eine Methode, bei der mit einem sogenannten Ankertext (anklickbarer Text) Hunderte Links im Web gesetzt werden. "Wenn viele Webseiten, Blogs etc. einen Link - in diesem Fall mit dem Linktext , Vollkoffer" auf die HC-Seite - verlinken, dann funktioniert so etwas kurzfristig", sagt der Suchmaschinen-Experte Christoph Pichler . "Der Linktext wird also von Google als relevant interpretiert. Aber das funktioniert nur mit Begriffen, die nicht so geläufig und vor allem nicht kommerziell sind." Internet-Aktivisten benutzten diese Methode, damit bei bestimmten Suchbegriffen die Webseiten bekannter Politiker oder Organisationen an die erste Stelle in der Trefferliste oder zumindest auf die erste Seite der Suchresultate gelangen.

Wer früher das Wort "failure" eintippte, gelangte durch diese Manipulation auf die Seite des Weißen Hauses, bei der Suche nach "liar" wurde die Homepage des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair angezeigt, in der Schweiz landete man bei der google.ch-Suche auf der Seite des Schweizer Politikers Christoph Blocher, wenn man "jämmerlicher Waschlappen" eintippte. Auch der ehemalige österreichische Finanzminister Karl Heinz Grasser wurde an die erste Stelle gereiht, wenn man "völlige Inkompetenz" in die Suchmaske von google.at tippte (und auf "Gut Glück" klickte).

(// Gerald Reischl//)