Netzpolitik 05.01.2018

Facebook: Glückwünsche für Neujahrsbaby verschwanden kurz

Naime und Alper Tamgac mit"Neujahrsbaby 2018" Asel

Zehntausende Glückwunsch-Postings für das Wiener Neujahrsbaby waren über Nacht von Facebook verschwunden. Ein beliebter Flowerrain-Aufruf wurde kurzzeitig entfernt.

Zehntausende Glückwunsch-Postings für das Wiener Neujahrsbaby und seine Eltern waren über Nacht von Facebook verschwunden. Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner beklagte am Freitagmorgen, dass sein Aufruf zu einem „Flowerrain“ (Anm.: Das positive Gegenstück zu einem Shitstorm) offenbar entfernt wurde. Der ursprüngliche Beitrag wurde mehr als 17.000 Mal kommentiert und mehrere tausend Mal geteilt. Update: Der Beitrag ist seit 11:30 Uhr wieder online.

In einem weiteren Facebook-Posting, in dem er sich direkt an CEO Mark Zuckerberg wendet, schreibt Schwertner: „Ich kann es nicht glauben: Mein #flowerrain Posting an das Wiener Neujahrsbaby Asel und ihre Eltern ist über die Nacht plötzlich weg. Ich vermute es wurde von Facebook gelöscht!“ Der Beitrag war längere Zeit nicht mehr auf seiner Timeline auffindbar, auch unter Nachrichtenartikeln, die den Beitrag eingebettet haben, gab es nur mehr eine Fehlermeldung. "Ich habe um halb eins (Anm.: in der Nacht von Donnerstag auf Freitag) zuletzt auf den Beitrag geschaut, da war er noch da", erklärt Schwertner gegenüber der futurezone.

Zu diesem Zeitpunkt habe der Beitrag zwischen 27.000 und 28.000 Likes und 25.000 Kommentare gehabt und wurde mehr als 10.000 Mal geteilt. Fragwürdige Beiträge von Dritten, die eine Löschung erklären konnten, gab es laut Schwertner nicht. Die Zahl der wütenden Reaktionen sei sehr gering gewesen, lediglich rund 50 Nutzer hatten ein wütendes Emoji statt einem Like ausgewählt. Eine Anfrage der futurezone bei Facebook läuft derzeit noch. Laut Schwertner habe Facebook aber bereits mitgeteilt, dass man den Fall prüfe.

Anzeigen nach Hasspostings

Die Geburt des Wiener Neujahrsbabys zog dieses Jahr zahlreiche Hasskommentare nach sich, weil die Mutter des Kindes auf dem Foto ein Kopftuch trägt. Kommentare wie "Nächster Terrorist ist geboren" oder "hat die Frau Krebs? Oder warum trägt sie ein Kopftuch? Kalt wird es ja wohl nicht sein" fanden sich vor allem auf Facebook.

Schwertner startete daraufhin eine Gegeninitiative und rief dazu auf,„Glückwünsche, nette Worte und Willkommensnachrichten für das entzückende Baby und seine Eltern“ zu hinterlassen. Die Hasskommentare und der darauf folgende „Flowerrain“ sorgte auch international für Aufsehen. So berichtete unter anderem die New York Times über den Fall. Mittlerweile wird auch rechtlich gegen die Hasskommentare vorgegangen. Die Beratungsstelle „Gegen Hass im Netz“ prüft derzeit die Kommentare auf Verdacht gegen Verstoß des Verhetzungsparagraphen und könnte mehrere Personen anzeigen.

Schwertner bat Facebook noch am Morgen öffentlich, das erfolgreiche Posting wiederherzustellen: „Lieber Mark Zuckerberg, bitte lass das nicht zu! Wir wollen zeigen, dass Liebe>Hass ist - im echten Leben da draußen und auch hier auf Facebook. Bitte hilf auch du mit!“

( futurezone ) Erstellt am 05.01.2018