Netzpolitik
28.09.2017

Facebook löschte vor Bundestagswahl Zehntausende Accounts

Facebook scheint vom US-Präsidentschaftswahlkampf gelernt zu haben. In Deutschland wurden vorsorglich vor der Wahl verdächtige Accounts gelöscht.

Facebooks Vizepräsident Richard Allan äußerste sich zu den Bemühungen des Social Media-Giganten, die Einflüsse von Falschmeldungen und gezielter Missinformation durch Werbeanzeigen auf die vergangene Bundestagswahl zu minimieren.

"Related Articles"

Man habe eng mit der Bundesregierung zusammengearbeitet und den Verantwortlichen unter anderem bei Maßnahmen zum Thema Cybersecurity beratend zur Seite gestanden. Wie engadget berichtet, habe Facebook mehrere Strategien verfolgt, um den demokratischen Prozess in Deutschland zu schützen. So habe man mit der Funktion "Related Articles" dafür gesorgt, dass Leser, die sich für eine bestimmte Thematik interessierten, auch andere Sichtweisen zu eben diesem Thema angezeigt bekommen. Weiterhin habe das Soziale Netzwerk sogenannte Clickbait-Artikel, also solche, die durch besonders reißerische Überschriften um Aufmerksamkeit buhlen, und offensichtlichen Spam gefiltert und gelöscht.

Zusätzlich habe man zehntausende "Fake Accounts", also Konten, die keiner echten Person gehören, gelöscht.

Hilfe bei Wahlprogrammen

Die Plattform hat es aber nicht nur bei diesen Maßnahmen belassen. Wie die Seite weiter berichtet, habe man den Nutzern auch aktiv Informationen rund um die Wahlprogramme der Parteien und ihrer Kandidaten immer dann angeboten, wenn sich ein User einen Post ansah, der mit der Wahl in Verbindung stand.

Geringes Maß an Falschmeldungen

"Diese Maßnahmen konnten Fehlinformationen vor der Wahl nicht gänzlich verhindern, sie erschwerten aber die Möglichkeit, dass diese sich ausbreiten und in den News Feeds der Nutzer auftauschen", so der Facebook Vize. Studien hätten außerdem gezeigt, dass das Ausmaß an Fehlinformationen relativ niedrig gewesen sei. Man habe viel aus der deutschen Wahl gelernt und werde dieses Know-how nutzen, um auch die demokratischen Wahlen anderer Länder zu schützen, so Allan.

Man wolle daher seine Kontakte zu Wahlkommissionen auf der ganzen Welt ausbauen. "So lange es Menschen gibt, die versuchen unsere demokratischen Prozesse zu stören, werden wir mit unseren Partnern in Regierungen und der Gesellschaft daran arbeiten, diese bösartigen Attacken abzuwähren", zeigte sich Allan kämpferisch.