Tarifvergleich
11/25/2010

Gratis-iPhone kostet bis zu 1440 Euro

Mit dem Start des iPhone 4 bei A1 und 3 geht der Kampf um Smartphone-Kunden in die nächste Runde. Bei den nun angepriesenen Gratis-iPhone-Angeboten ist allerdings Vorsicht angesagt. Denn diese sind meist an Verträge gekoppelt, die hohe Folgekosten nach sich ziehen. Die FUTUREZONE zeigt, bei welchen Tarifen man lieber zweimal überlegen sollte.

von Martin Stepanek

Laut aktuellen Erfahrungswerten bei T-Mobile und Orange verbraucht ein iPhone-User durchschnittlich 250 Megabyte an Daten. Die monatliche SMS-Nutzung liegt laut einer A1-Studie bei 70 bis 80 SMS pro Monat. Was das Telefonieverhalten betrifft, weist der aktuelle Marktbericht RTR Telekom Monitor einen monatlichen Durchschnittswert von 153 Sprachminuten pro aktivierter SIM-Karte aus.

Faustregel für Smartphone-Nutzung
Als Faustregel für eine sorgenfreie Smartphone-Nutzung gilt folglich, dass man mit einem Vertrag über 1000 Freiminuten, 1000 SMS sowie einem Gigabyte an Daten gut über die Runden kommt. Aufpassen muss man daher bei Zusatzpaketen, die den Preis des Gerätes senken, in der Praxis aber kaum ausgenutzt werden können.

Auf den ersten Blick sind die Erstanmeldungs-Angebote, um für null oder einen Euro ein iPhone 4 mit 16 Gigabyte zu erhaschen, ähnlich. Bei Orange ("Hallo iPhone") und T-Mobile ("HIT 2000") fällt ein Monatstarif von 39 Euro an und auch Marktführer A1 liegt mit 45 Euro Grundgebühr ("A1 Smart Inclusive 2000) im Rahmen. Lediglich 3 bietet mit einem 30-Euro-Vertrag ("Superphone 4000) eine deutlich günstigere Variante an - jedoch mit 36 Monaten Bindungsfrist.

A1 und T-Mobile setzen auf Zusatzpakete
Ein genauer Blick auf das Angebot offenbart jedoch, dass T-Mobile und A1 das iPhone 4 nur bei Abschluss von Zusatzpaketen um null Euro anbieten. Bei T-Mobile muss dafür ein multimediales Zusatzpaket um monatlich 14 Euro dazugebucht werden, was die Vertragsgebühren auf 53 Euro erhöhen. A1 wiederum empfiehlt ein iPhone-Paket um 15 Euro, das den monatlichen Tarif auf 60 Euro hochschraubt.

Auf die vertraglich vorgesehene Mindestbindung von 24 Monaten hochgerechnet fällt für das Gratis-iPhone bei A1 damit ein Vertragsvolumen von 1440 Euro an. Da mit dem iPhone-Paket das ohnehin großzügig bemessene Kontingent von 2000 Gratis-SMS noch einmal um 500 SMS aufgestockt und das Datenvolumen von zwei auf fünf Gigabyte erweitert wird, erscheint der Erwerb eines Gratis-iPhones nur als zweitbeste Wahl.

99 Euro billiger als null Euro
Denn wer auf das iPhone-Paket verzichtet, muss zwar 99 Euro für das Gerät auf den Tisch legen, kann dafür aber 15 Euro pro Monat sparen, ohne dabei große Abstriche bei der Smartphone-Nutzung machen zu müssen. Die Gesamtkosten lassen sich so auf 1179 Euro senken. Bedenkt man zudem, dass ein entsperrtes iPhone 4 etwa bei Geizhals derzeit zumindest 700 Euro kostet, erscheint der Preis angesichts der gebotenen Services wieder als plausibel.

Auch bei T-Mobile muss letztlich der Kunde selbst entscheiden, ob das Multimediapaket um monatlich 14 Euro den geringen Kostenvorteil von 99 Euro beim Gerätekauf rechtfertigt. Immerhin erhält man für das Zusatzpaket aber auch mobiles Handy-TV und eine Navigationslösung, die im Standardtarif nicht inkludiert ist. Die Gesamtkosten für die Mindestvertragsdauer belaufen sich inklusive Multimediapaket jedoch auf stolze 1272 Euro.

3 kokettiert mit 36 Monaten Vertragsdauer
Bei 3 stellt sich für Normaltelefonierer die Frage, ob sich der kleinere 20-Euro-Tarif mit 2000 Sprachminuten ("Superphone 2000") nicht als günstigere, da ausreichende Alternative zum 30-Euro-Tarif erweist. Denn die beim günstigeren Vertrag anfallenden Kosten von 249 Euro für das iPhone 4 hat man bereits ein Jahr vor Vertragsende wieder hereingebracht. Verkompliziert wird die Entscheidungsfindung bei 3 zudem durch die Wahl zwischen einer 24-monatigen und 36-monatigen Mindestbindung.

Orange lässt nur eine Wahl
Mit jeweils 2100 Minuten und SMS sowie sechs Gigabyte inkludierten Daten ist der "Hallo iPhone"-Tarif von Orange zwar ebenfalls überdimensioniert. Im Vergleich zu den anderen Orange-Handytarifen erhält man damit aber tatsächlich die günstigste iPhone-4-Variante des Anbieters. Denn bei allen anderen Tarifen steigen die Kosten für das iPhone 4 überdimensional an. Mit 937 Euro Gesamtkosten für zwei Jahre Vertragsdauer liegt Orange aber gut im Rennen.


Discounter als Alternative
Angesichts der hohen Gesamtkosten, die alle vorgestellten Verträge durch die Bindefrist mit sich bringen, ist auch ein alternativer Weg denkbar, um günstig an ein iPhone 4 zu kommen. So bieten die A1- und Orange-Discounter bob bzw. yesss! aktuell um 12,80 Euro pro Monat ein Paket mit jeweils 1000 Sprachminuten und SMS sowie einem Gigabyte Datenvolumen an.

Auf die üblichen 24 Monate hochgerechnet fallen bei dieser Variante daher nur Vertragskosten von 307 Euro an. Das fiktiv eingesparte Geld kann folglich für den Erwerb eines entsperrten iPhone 4 ausgegeben werden. Etwaige Einbußen bei Kundenbetreuung und Leistungsumfang stehen dem Vorteil gegenüber, dass man nicht für mehrere Jahre an einen Provider gebunden ist und das erworbene iPhone in allen Netzen benutzen kann.

Fazit
Wer im Weihnachtsgeschäft nach einem Gratis-iPhone Ausschau hält, sollte lieber zweimal hinschauen. Denn gerade bei A1, T-Mobile, aber auch 3 ist abhängig vom eigenen Telefonieverhalten das Null-Euro-Angebot vertraglich nicht immer die günstigste und beste Variante. Als Alternative erweisen sich zunehmend auch die Discounter als Smartphone-tauglich.

(Martin Stepanek)


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Sparen kann man in der Vorweihnachtszeit auch durch zahlreiche Zusatzzuckerln wie 100 Euro Bonus, erlassene Monatsgebühren und Online-Boni. Diese Geldgeschenke sind im Tarifvergleich ebenso wenig berücksichtigt wie die bei manchen Providern anfallenden Anmeldegebühren.