Netzpolitik
10.08.2016

Gut 100 Bieter buhlen um Handyfrequenzen in den USA

In den USA beginnt nächste Woche die heiße Phase der milliardenschweren Versteigerung von neuen Mobilfunkfrequenzen.

Wie lange die Auktion noch dauert, ist unklar. Ebenso naturgemäß das Endergebnis, auch wenn es eine wichtige Indikation gibt: Der US-Regulierer FCC verlangt im ersten Anlauf für alle Frequenzen zusammen 86 Mrd. Dollar (77,6 Mrd. Euro).

Es geht um Macht

Aus deutscher Sicht ist der Schlagabtausch interessant, da unter den Bietern auch die Deutsche-Telekom-Erfolgstochter T-Mobile US ist. Frequenzen sind das unsichtbare Rückgrat des Mobilfunks. Mit dem Wettbieten werden die Marktverhältnisse für Jahrzehnte zementiert, da Spektrum für Smartphones in etwa genauso wichtig ist wie Straßen für Autos: Je mehr zur Verfügung steht, desto zügiger läuft der (Daten-)Verkehr. Da das Angebot aus physikalischen Gründen knapp ist, sind die Preise sehr hoch.

Die Versteigerung ist in zwei Phasen unterteilt. Bevor das neue Funkspektrum im zweiten Teil unter den Hammer kommt, muss es erst freigeschaufelt werden. Denn die Frequenzen gehören seit Jahrzehnten amerikanischen Fernsehstationen. Deshalb übernimmt die FCC quasi die Rolle eines Maklers und kaufte im ersten Schritt den Sendern die Frequenzen ab. Das geschah von Ende März an und dauerte drei Monate, die Kosten belaufen sich auf gut 86 Mrd. Dollar. Mindestens diesen Betrag will die Behörde nun im zweiten Teil der Auktion einnehmen und dann an die TV-Stationen weiterreichen. Experten bezweifeln, dass das der FCC so ohne weiteres gelingt. Deshalb ist der zweite Teil der Auktion, der am Dienstag (16. August) beginnt, auch der eigentlich spannende.

Mehr als 100 Bieter

Dabei treten nicht nur drei der vier US-Mobilfunkanbieter an, sondern mehr als 100 Bieter, darunter Fernsehkonzerne wie Comcast oder Dish. Gelingt es der FCC nicht, die Gebote so hoch zu treiben, dass ihre Ausgaben gedeckt sind, würde sie die zweite Phase der Auktion abbrechen und mit den Fernsehsendern wieder von vorne beginnen. Menge und Preis der Frequenzpakete würden neu ausgehandelt und erst anschließend zur Auktion freigegeben. In dem Fall dürfte sich das Ganze bis 2017 hinziehen. Und auch wenn der Hammer endgültig gefallen ist, können die Meistbietenden nicht sofort loslegen. Das Spektrum muss nämlich noch von den Sendern geräumt und dann von der FCC neu geordnet werden, damit es sich für den Mobilfunk eignet. Für das sogenannte "Refarming" werden bis zu drei Jahre veranschlagt.

T-Mobile US dürfte bei der Auktion eine prominente Rolle spielen, da dort erstmals Funkfrequenzen aus dem 600 Megahertz-Bereich verkauft werden, mit denen sich dünn besiedelte Gebiete und große Gebäude gut versorgen lassen. Hier hat der drittgrößte US-Handynetzbetreiber Nachholbedarf. Das T-Mobile-Management ließ schon vor Monaten durchblicken, dass man bis zu zehn Mrd. Dollar ausgeben könnte. Die Konzernmutter Deutsche Telekom, die noch zwei Drittel der Anteile hält, hat bereits ihre Unterstützung signalisiert und greift der Tochter finanziell sogar unter die Arme. Schließlich ist das Amerika-Geschäft seit Jahren der Wachstumsmotor des rosa Riesen.

Deutschland

Die hohen Preise für Spektrum auf der anderen Seite des Atlantiks sind aus Sicht der Bonner gerechtfertigt, da es die letzte Auktion auf absehbare Zeit ist und man dort das Eigentum an den Frequenzen erwirbt. Sie können später also weiterverkauft werden. Hierzulande gehören die Frequenzen dem Staat, der sie für meist 15 Jahre an Mobilfunkunternehmen vermietet. Deshalb ist Spektrum in Deutschland günstiger zu haben: Die jüngste Aktion 2015 spülte dem Bund bescheidene 5 Mrd. Euro in die Kassen.