Netzpolitik
05.06.2014

Hunderte US-Städte lassen Glasfaser-Netz ungenutzt

Wegen Verträgen von Städten mit großen Telekom-Konzernen wird vielen US-Bürgern schnelleres Internet vorenthalten.

Wie das VICE Magazine berichtet, schlummert im Untergrund vieler US-Städte jede Menge Internet-Bandbreite, die allerdings ungenutzt bleibt. Große Telekom-Konzerne wie Comcast, Verizon oder Time Warner Cable haben Verträge mit vielen Stadtregierungen abgeschlossen, die es verhindern, dass kleinere Unternehmen mit den Telekom-Konzernen konkurrieren und die städtischen Glasfaser-Netze nutzen können. Die Konzerne drohen teilweise mit einem kompletten Angebotsrückzug, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden.

Unter anderem ist diese Art von Abkommen in Washington DC der Fall. Nach Verhandlungen wurde ein Teil des Glasfaser-Netzes für Behörden und Non-Profit-Organisationen freigegeben. Privatkunden müssen weiterhin mit geringeren Bandbreiten auskommen. Neben den Knebelverträgen gibt es einen weiteren Grund, warum Privathaushalte oftmals auf Glasfaser-Geschwindigkeiten verzichten müssen: Die so genannte "letzte Meile".

Kleinstädte gehen eigene Wege

Um Glasfaser-Verbindungen von Stammleitungen bis ins Haus zu bringen, sind oftmals große Investitionen notwendig, die einzig große Telekom-Firmen bewältigen können. Einige kleinere Städte in den USA haben jedoch bereits versucht, ihre Bevölkerung auf eigene Faust mit schnellerem Internet zu versorgen - mit großem Erfolg. Gerade in ländlichen Gebieten hat der Ausbau der Infrastruktur zu einem Eindämmen der Abwanderung und zur Beflügelung der lokalen Wirtschaft geführt.

In San Francisco ist durch einen kleineren Internet-Anbieter eine Art Glasfaser-Insel für Unternehmen entstanden. Glasfaser-Internet für Privatkunden bleibt dagegen eine kostspielige Angelegenheit. Preise von 200 Dollar pro Monat müssten verlangt werden, um Profit für kleinere Internetanbieter abzuwerfen.