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Domainvergabe
06/13/2012

ICANN gab Bewerber für neue Domains bekannt

Die Internetverwaltung ICANN hat eine Liste der Bewerber für die neuen Top Level Domains bekannt gegeben. Darunter finden sich insgesamt 1.930 Bewerber, darunter zahlreiche Markennamen. Aber auch generische Begriffe, wie .app und .sex werden nun in den nächsten Monaten vergeben. Aus Österreich sind .wien, .tirol und .vig dabei.

Die Internetverwaltung ICANN gab heute (13. Juni 2012) auf einer Pressekonferenz in London die Bewerber für die neuen Top Level Domains bekannt. Demnach haben sich insgesamt 1.930 Firmen aus 60 verschiedenen Nationen beworben, darunter auch bekannte Unternehmen wie

 Canon oder Volkswagen. Der Andrang auf gewisse Namen ist groß, laut ICANN haben sich 751 Bewerber auf knapp 230 Domainnamen gestürzt. Demnach werden nach dem Auswahlverfahren maximal 1.409 neue Top Level Domains übrig bleiben.

Der Großteil der Bewerbungen, insgesamt 1.846, sind sogenannte Standard-Bewerbungen. 84 Bewerbungen umfassen "Gemeinschaftsbegriffe" wie zum Beispiel .immo oder .cola. Diese erhalten Vorrang gegenüber herkömmlichen Bewerbungen. Nordamerika liegt mit 911 Bewerbungen weit voran, dahinter folgt Europa mit 675 Bewerbungen. Asien und Ozeanien konnte 303 Bewerbungen verzeichnen, Lateinamerika und die Karibik 24 sowie Afrika 17. Die 2011 beschlossene Zulassung von sogenannten "Generic Top Level Domains" (gTLD), die aus nahezu jedem Begriff bestehen können, ist somit die bislang größte Erweiterung des Adressraums in der Geschichte des Internets.

In der Liste finden sich neben unzähligen Markennamen, wie Apple, Microsoft oder BMW, auch sehr viele generische Begriffe, die heiß umkämpft sind. So bewerben sich insgesamt 13 Unternehmen, darunter auch der Online-Versandhändler Amazon, um die TLD .app. Top Level Domains für Pornoseiten sind

offenbar für viele nicht mehr interessant, so gibt es derzeit nur zwei Bewerber für .sex. Zum Vergleich: .gay hat derzeit vier Bewerber. Auch für .porn und .adult hat sich bislang jeweils nur ein Bewerber gefunden. 

.wien, .tirol und .vig einzige österreichische Beiträge
Die Registrierung für die neuen Domains öffnete bereits im Jänner und endete im April. Zahlreiche Unternehmen hatten bereits im Vorfeld ihr Interesse angekündigt. Durch die hohen Kosten wie die Bewerbungsgebühr von 185 000 Dollar (derzeit etwa 148 000 Euro) und den hohen laufenden Betriebskosten (25.000 US-Dollar pro Jahr) hatte sich der Bewerberkreis allerdings von vornherein auf größere Unternehmen, Institutionen oder Verbände reduziert.

Der österreichische

fungiert unter anderem als technischer Partner für zwölf neue Top Level Domains, darunter auch .wien und .tirol. Für diese hatte sich ein Privatkonsortium beworben, die für eine erfolgreiche Bewerbung eine Unterstützungserklärung der Länder Wien und Tirol benötigten. Da diese aus
auf eine Bewerbung verzichteten, erhielt man diese ohne Vorbehalte. nic.at ist für die technische Verwaltung von insgesamt zwölf europäischen Bewerbern zuständig, darunter auch .berlin, .hamburg und .brussels. Neben .tirol und .wien hat sich auch die Vienna Insurance Group, die in Österreich unter anderem die Wiener Städtische sowie die donau Versicherung betreibt, für eine Bewerbung entschieden und suchte bei der ICANN um die .vic-TLD an. 

Umstrittenes Bewerbungsverfahren
Ab Juli prüft die ICANN die ersten Anträge. So dürfen die Bewerber keine Markenrechte verletzten und müssen bestimmte technische Anforderungen erfüllen. Dazu führt die ICANN bereits seit dem 8. Juni ein Reihungsverfahren durch, bei dem zunächst insgesamt 500 Bewerber ausgewählt werden. Die Bewerber werden zunächst nach geografischen Regionen aufgeteilt: USA, Europa, Afrika, Asien sowie Lateinamerika inklusive der Karibik. Damit haben Bewerber etwa aus Afrika oder Lateinamerika einen Vorteil. Alle Bewerber aus diesen Regionen dürften im ersten Gang durchkommen.

In einem zweiten Schritt können Bewerber zu einem klar definierten Zeitpunkt in einer von der ICANN bereitgestellten Oberfläche einen Button drücken. Wer in dieser Art Lotterie am nächsten an die vorgegebene Zeit heranreicht, ist in seiner Region einen Schritt weiter. Dabei sollen Differenzen bis in den Millisekundenbereich gezählt werden. Das Verfahren soll so lange wiederholt werden, bis die Gruppe 500 Bewerbungen erreicht hat. Bei mehreren Bewerbern um die gleiche Adressendung etwa für .web werden alle der ersten Gruppe zugeteilt, in der sich einer der Bewerber befindet. Ab Dezember will die Organisation erste Ergebnisse veröffentlichen. Da einige Endungen voraussichtlich heiß umkämpft sein werden, dürfte sich das Verfahren in einigen Fällen weiter hinziehen. Prof. Wolfgang Kleinwächter von der Universität Aarhus geht davon aus, dass spätestens Anfang 2014 die ersten Adressen mit den neuen Endungen ans Netz gehen, die ICANN selbst rechnet mit April oder Juni 2013.

Experten: gTLDs sind Geldmacherei
Die Ausweitung des Internet-Adressraums ist allerdings umstritten. Befürworter verweisen darauf, dass in einigen Adressräumen immer weniger griffige Adressen frei sind, etwa bei den .de-Endungen für deutsche Websites. Namen wie stadtplan.berlin sollen die Navigation künftig erleichtern; und die Marketingbranche hofft auf neue Vermarktungsmöglichkeiten. Wolfgang Kleinwächter, der bei der ICANN im Gremium für generische TLD sitzt, erhofft sich außerdem Innovationen: „Die neuen Adressen geben den Eigentümern viel mehr Spielraum und Rechte." Nach Ansicht der Internet-Expertin Jeanette Hofmann stehen mittlerweile aber kommerzielle Interessen im Vordergrund.

„Anfangs ging es um mehr Vielfalt im Namensraum", sagte die Direktorin des Instituts für Internet und Gesellschaft in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Einige Bewerber hätten jedoch Hunderte Adressen beantragt. „Da stellt sich eine neue Industrie auf", bedauerte die Politikwissenschaftlerin. Vor allem den Inhabern von Markenrechten könnte die neue Vielfalt Probleme bereiten. Zwar gibt es Möglichkeiten, eingetragene Namen zu schützen, der Aufwand dürfte mit der Zulassung Hunderter neuer Top Level Domains jedoch deutlich höher sein als im Moment. Unter anderem die US-Regierung hatte deswegen Bedenken gegenüber den ICANN-Plänen geäußert, sich aber nicht durchsetzen können. Experten wie die Internet-Expertin Esther Dyson befürchten, dass durch die Erweiterung eher Redundanzen entstehen, die das Internet unnötig unübersichtlicher machen als dass tatsächlich mehr Gestaltungsfreiheit ensteht.

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