Netzpolitik
05/04/2017

IS-Terroristen basteln sich eigenes soziales Netzwerk

Weil bestehende Chat-Programme und soziale Medien verstärkt gegen IS-Accounts vorgehen, baut sich die Terrororganisation ein eigenes Online-Kommunikationsnetzwerk auf.

Auf einer Sicherheitskonferenz in London hat der Europol-Chef Rob Wainwright bekanntgegeben, dass während eines zweitägigen Einsatzes gegen islamische Extremisten ein neues Kommunikationsnetzwerk des IS entdeckt wurde, wie engadget berichtet. An der Operation waren neben Europol-Beamten auch Ermittler aus den USA, Belgien, Griechenland, Polen und Portugal beteiligt. Bei dem Einsatz sollen rund 2000 Beispiele für extremistische Inhalte gefunden worden sein. Diese waren über insgesamt 52 Online-Netzwerke verteilt worden. "Im Zuge der Operation hat sich auch herausgestellt, dass der IS dabei ist, eine eigene Social-Media-Plattform zu bauen, um ihre Agenda zu befördern", sagte Wainwright laut Reuters.

Details zum Terroristennetzwerk lieferte der Europol-Chef nicht. Dafür nannte er einen möglichen Grund für den Do-It-Yourself-Ansatz der Terroristen. Wainwright glaubt, dass die Anti-Propaganda-Maßnahmen bestehender Player die Terroristen zu diesem Schritt gezwungen haben. Google, Facebook, Twitter und Co hätten zuletzt mehr Aufmerksamkeit auf terroristische Aktivitäten gelenkt und würden entsprechende Inhalte mittlerweile schnell löschen, sagte Wainwright: "Wir haben es ihnen sicher schon viel schwerer gemacht in diesem Raum zu operieren.Trotzdem sehen wir immer noch Publikationen dieser gräßlichen Videos und großangelegte Kommunikationsnetzwerke im Netz." Der Europol-Chef konnte nicht genau sagen, wie schwierig es für seine Leute wäre, etwas gegen terroristische Aktivitäten in privaten, selbstgebauten Netzwerken des IS zu unternehmen. Der Kampf gegen Online-Propaganda gehe aber jedenfalls weiter.