© Jakob Steinschaden

Netzpolitik
05/02/2017

Istanbul lädt Wikipedia-Gründer von Kongress aus

Das Online-Lexikon wurde in der Türkei wegen kritischer Artikel blockiert. Jetzt hat die Stadtverwaltung Istanbul Jimmy Wales von der Gästeliste eines Kongresses gestrichen.

Nach der Sperrung des Online-Lexikons Wikipedia in der Türkei wegen kritischer Artikel hat Istanbul auch den Gründer Jimmy Wales von einem Kongress ausgeladen. Die Stadtverwaltung teilte am Dienstag mit, Wales sei "von der Gästeliste entfernt worden". Ein Grund wurde nicht genannt. Wales hatte an der internationalen Urbanismuskonferenz World Cities Expo teilnehmen wollen, die vom 15. bis 18. Mai in Istanbul stattfindet.

Die Telekommunikationsbehörde in Ankara hatte am Samstag den Zugang zu Wikipedia mit einer Verwaltungsanordnung blockiert. Dies wurde damit begründet, dass Wikipedia trotz wiederholter Aufforderungen mehrere Artikel in der englischen Version nicht geändert habe, in denen Terrorismus propagiert und die Türkei der Kooperation mit Terrorgruppen bezichtigt werde.

Menschenrecht

"Zugang zu Informationen ist ein grundlegendes Menschenrecht", schrieb der Wikipedia-Gründer Wales daraufhin auf Twitter. Im Kampf für dieses Recht stehe er an der Seite des türkischen Volkes. Die Türkei blockiert immer wieder soziale Medien wie Twitter und Facebook und reduziert nach Anschlägen oder Protesten auch ganz den Zugang zum Internet.

Der türkische Oppositionsabgeordnete Erdal Aksunger sagte dem Onlinemagazin "Al-Monitor", Wikipedia sei eine wichtige Informationsquelle und es könne nicht behauptet werden, dass das Online-Lexikon Terrororganisationen unterstütze. "Leider können Einschränkungen der grundlegenden Menschenrechte in der Türkei leicht umgesetzt werden", sagte der CHP-Politiker.