© Screenshot/Tor Project

Überwachung
07/03/2014

Keywords: Tor-Nutzer sind für NSA Extremisten

Bereits eine Google-Suche nach Tor reicht aus, um auf der "Extremisten"-Liste der NSA zu landen. In Österreich wurde zudem ein Tor-Server von der NSA verstärkt überwacht.

Wer auf Google nach Anonymisierungs-Tools wie Tor oder Tails sucht, wird von der NSA automatisch als "Extremist" markiert. Das geht aus einem Bericht der ARD hervor, der Teile des Quellcodes von XKeyScore, dem Trojaner der NSA, vorliegen soll. Im Code des Programms ist die IP-Adresse eines Mietservers gelistet. Diesen Computer, der in einem Rechenzentrum in Nürnberg seht, belauscht der US-Geheimdienst explizit. Sobald man auf der "Extremisten"-Liste landet, wird man verstärkt beobachtet.

Auch Österreicher betroffen

Auffällig ist auch, dass eine deutsche IP-Adresse darin zu finden ist, die zu einem Verzeichnisserver von Tor gehört. In den Codezeilen finden sich demnach die IP-Adressen zweier Server in Deutschland. Einen davon betreibt der Chaos Computer Club, den anderen hat der Informatikstudent Sebastian Hahn angemietet.

Offenbar hat die NSA diesen in ihre Datenbank aufgenommen und beobachtet, auch andere Verzeichnisserver, darunter aus Österreich, den Niederlanden, Schweden und USA, waren gelistet. Auf den Verzeichnisservern wird eine Liste aller verfügbaren Tor-Server abgelegt, die vom Client abgerufen wird. Nach einem Bericht von „derstandard.at“ soll es sich bei dem betroffenen Österreicher sdabei um einen nicht namentlich genannten Mitarbeiter einer „großen österreichischen Universität“ handeln. Er habe sich in der Sache nicht äußern wollen.

Hahn hat im Netz eine Liste von Fragen und Antworten veröffentlicht. Demnach habe er keine Beweise, dass die Relays von allen Unterstützern von Tor von XKeyscore erfasst würden, gesehen.

"Tor stinks"

Der Anonymisierungs-Dienst Tor ist dem US-Geheimdienst ein Dorn im Auge. Bislang scheint die NSA noch keinen Weg gefunden zu haben, das Tor-Netzwerk vollständig zu infiltrieren. Dabei hat sich unter der NSA offenbar schon Unmut breit gemacht. In einer internen Präsentation, die von Edward Snowden geleakt wurde, heißt es bereits "Tor stinks" und dass man nie alle Tor-Nutzer eindeutig identifizieren könne.

Empörung in Deutschland

Die Ausspähung des Anonymisierungsnetzwerk Tor durch den US-Geheimdienst NSA ist in Deutschland bei den Grünen und der Piratenpartei auf scharfe Kritik gestoßen. Man sehe sich von den neuen Enthüllungen in ihrem Einsatz für Anonymität im Internet bestärkt, sagte der politische Geschäftsführer der Piratenpartei, Kristos Thingilouthis. Menschen, die sich mit digitalen Werkzeugen gegen Überwachung zur Wehr setzten, würden von der NSA „wie Terroristen behandelt“. Der Geheimdienst bedränge „den einzig möglichen Schutzraum“ vor Überwachung.

Die innenpolitische Sprecherin der bayerischen Grünen-Landtagsfraktion, Katharina Schulze, kritisierte, der Staat vernachlässige einmal mehr seine Schutzpflicht gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. „Dass die Spähaktionen der NSA sich jetzt auch schon gegen Personen richten, die sich um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor Datenspionage bemühen, ist dreist und unverschämt.“

Die Journalistenvereinigung Reporter ohne Grenzen (ROG) forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. „Angesichts dieser Enthüllungen muss die Bundesregierung endlich ihre Strategie aufgeben, den NSA-Skandal auszusitzen und bei der Aufklärung die entscheidenden Fragen auszuklammern“, erklärte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Die Piraten sowie die Journalistenvereinigung betreiben selbst Server, über die Daten von Tor-Nutzern geleitet werden.