Netzpolitik
05.08.2011

Kritik an Plänen für "iranisches Internet"

Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen warnt vor einer Abschottung der iranischen Bevölkerung vom globalen Internet.

Bis Ende August soll es nach Angaben des iranischen Kommunikationsministers Resa Takipur eine Testversion für ein nationales Computernetz geben. „In der Konsequenz würde eine Art Intranet mit neuen Möglichkeiten entstehen, Dissidenten, Oppositionelle, Blogger und kritische Internetnutzer zu kontrollieren“, erklärte Reporter ohne Grenzen (ROG) am Freitag in Berlin.

Zahlreiche Websites blockiert
Schon bisher blockieren die Behörden in Teheran den Zugang zu zahlreichen Websites - aus politischen Gründen oder mit der Begründung „unmoralischer Inhalte“, wie vermeintliche oder auch tatsächliche pornografische Darstellungen bezeichnet werden. Betroffen sind unter anderem Web-Angebote von iranischen Oppositionellen, europäische und amerikanische Medien sowie die Online-Plattformen Facebook und Twitter. Bis Anfang nächsten Jahres soll auch eine eigene Suchmaschine eingerichtet werden.

"Vollständige Zensur"
„Die Pläne zeigen, dass das Regime eine vollständige Zensur über alle Kanäle der Informationsverbreitung verhängen will“, erklärte ROG. Es werde vermutet, dass lediglich Unternehmen und staatlichen Einrichtungen der Zugang zum weltweiten Internet weiter offen stehen werde.

Zurzeit sind nach Informationen von Reporter ohne Grenzen mindestens 16 Cyberaktivisten sowie 25 Journalisten im Iran inhaftiert. Zuletzt sei am 27. Juli der Herausgeber der Website „Ayandenews“, Foad Sadehghi, festgenommen worden, teilte die Organisation mit.

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