Netzpolitik
03/23/2015

Neuseeland spähte WTO mit NSA-Software XKeyscore aus

Der neuseeländische Geheimdienst wollte offenbar Tim Groser, damals Anwärter auf den Generaldirektor-Posten der WTO, einen Vorteil verschaffen.

Neuseeland hat die von der NSA entwickelte Spionage-Software XKeyscore 2013 eingesetzt, um Kandidaten auf den Generaldirektor-Posten der Welthandelsorganisation (WTO) auszuspähen. Das berichtet der Blog The Intercept. Demnach wurden Kandidaten aus Brasilien, Costa Rica, Ghana, Indonesien, Jordanien, Kenya, Mexiko und Südkorea vom neuseeländischen Geheimdienst GCSB überwacht. Neuseeland hatte damals mit Tim Groser selbst einen vielversprechenden Kandidaten, er scheiterte jedoch am Brasilianer Roberto Azevêdo.

Konzentration auf Indonesien

Die Überwachung sollte Groser offenbar einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Besonderes Augenmerk wurde laut The Intercept auf die indonesische Kandidatin Mari Pangestu gelegt, da man wohl befürchtete, ein anderer Konkurrent aus dem Pazifik-Raum könnte den Posten bekommen. Pangestu wurde laut The Intercept besonders schwer überwacht, die komplette Kommunikation zu den Themen WTO, Indonesien und Neuseeland wurde mitgeschnitten.

Weder die WTO noch der neuseeländische Geheimdienst wollten sich zu den Enthüllungen äußern. Groser wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben, betonte jedoch, dass derartige Enthüllungen „oft falsch sind und bewusst zu einer bestimmten Zeit veröffentlicht werden, um möglichst großen politischen Schaden zu verursachen.“