Netzpolitik
06/18/2013

“NSA-Analysten haben Zugriff auf alles”

Am Montagnachmittag hat sich PRISM-Aufdecker Edward Snowden in einem Live-Chat des Guardian den Fragen der Leser gestellt. Dabei sprach er unter anderem darüber, warum er nicht schon früher mit den Dokumenten an die Öffentlichkeit gegangen ist, was er von den Stellungnahmen von Google und Facebook hält und betonte ausdrücklich, nicht mit China zu kooperieren.

"Die Wahrheit kommt ans Licht und sie kann nicht aufgehalten werden", sagte Edward Snowden zu Beginn des einstündigen Online-Chats mit Guardian-Lesern am späten Montagnachmittag. Schon vor der Amtszeit Obamas wäre Snowden in der Position gewesen, die brisanten Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen. Dass er dies nicht getan hat, erklärte der 29-Jährigen in dem Chat mit Obamas Wahlkampf, der für ihn sehr vielversprechend gewesen sei - auch in Hinblick auf Systemmissbrauch. Allerdings habe sich schnell nach seinem Amtsantritt gezeigt, dass auch der neue President den alten Kurs fortührte.

"Zugriff auf alles"
Das Mitlesen von E-Mails sei bei der NSA ohne Kontrolle möglich, so Snowden. Die Analysten würden alles bekommen, was sie wollen - egal ob IP-Adressen, Inhalte, Rohdaten, Attachments. "Und das alles kann für eine sehr lange Zeit aufgehoben werden."

sei eines der wenigen Dinge, die in dem Fall wirklich helfen würden, riet der Whistleblower einem Fragesteller. Die Absicherung von Endgeräten sei aber leider so schrecklich schwach, dass die NSA immer Wege drumherum finde.

Facebook und Google zum Schweigen verpflichtet
Dass die involvierten Firmen wie Facebook oder Google in ihren Stellungnahmen, abgestritten haben, überhaupt jemals von einem Programm wie PRISM gehört zu haben, erklärt sich der Whistleblower wie folgt: Die Firmen seien natürlich dazu verpflichtet, Stillschweigen zu bewahren, was Details betreffe. Außerdem sei aufgrund der Wortwahl, die sich in allen Stellungnahmen ähnlich, zu erkennen, dass diese vor Veröfffentlichung redigiert worden seien.

Allerdings wünscht sich Snowden von den Konzernen, dass diese mehr moralische Verantwortung wahrnehmen und sich den Forderungen der Behörden stärker entgegenstellen würden. "Wenn sie sich weigern würden so zu kooperieren, was würde die Regierung machen? Sie abdrehen?"

Auf die Frage hin, ob er mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten würde, sagte Snwoden: "Das war eine vorhersehbare Schmutzkübelkampagne." Wäre er ein chinesischer Spion, so wäre er wohl direkt nach Peking geflogen, so Snwoden weiter. "Ich habe keinen Kontakt zur chinesischen Regierung." Er habe auch keine wichtigen Informationen über militärische Operationen der USA preisgegeben, betonte der Whistleblower neuerlich.

"Dieses Land ist es wert, dafür zu sterben"
Fehlenden Patriotismus kann man dem Whistleblower jedenfalls nicht unterstellen. Auf die Frage, was er anderen raten würde, die in einer ähnlichen Position sitzen wie er und Informationen leaken könnten, sagte Snowden: "Dieses Land  ist es wert, dafür zu sterben."

Starke Kritik übte Snowden auch daran, dass die USA ihre Abhörmaßnahmen ständig mit der Terrorgefahr rechtfertigen würden. Journalisten sollten sich laut Snowden die Frage stellen, wie viele Terrorangriffe, seit Einführung der Maßnahmen nach dem 11. September 2001, tatsächlich lediglich auf diese Weise verhindert werden konnten bzw. nicht anders genauso hätten verhindert können.

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