Netzpolitik
03.03.2015

Oettinger will Spezialdienste mit 5G-Standard forcieren

Der EU-Digitalkommissar hat sich dafür ausgesprochen, bei der Regulierung eines künftigen Mobilfunkstandards die Anforderungen bestimmter Anwendungen zu berücksichtigen.

Die nächste Mobilfunkgeneration 5G brauche die sogenannte Netzneutralität, müsse es aber auch erlauben, dass besonders zeitsensible Spezialservices „gedeihen“ könnten, sagte Günther Oettinger am Dienstag auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona.

Netzneutralität bezeichnet das Prinzip, dass alle Daten im Internet gleich behandelt und gleich schnell transportiert werden. Vor allem Europas Mobilfunkanbieter treten seit längerem dafür ein, schnelle Überholspuren anbieten zu dürfen. Das soll nach ihrer Ansicht Investitionen in schnelle Netze fördern. Kritiker fürchten dadurch jedoch eine Benachteiligung des normalen Datenverkehrs.

Bevorzugte Behandlung

Oettinger hatte sich zuvor im Industrie-Ausschuss des Europäischen Parlaments erklärt, er könne sich vorstellen, Rettungsdiensten oder Krankenhäusern eine höhere Bedeutung beizumessen als Anbietern von Musikvideos. Eine abschließende Meinung zur Netzneutralität habe er habe er aber noch nicht.

Der künftige Mobilfunkstandard 5G soll als Nachfolger der derzeitigen LTE-Technik schnellere Datenverbindungen bringen. Damit sollen etwa selbstfahrende Autos ermöglicht werden - diese brauchen vor allem deutliche schnellere Reaktionszeiten, um mit anderen Autos kommunizieren und Unfälle vermeiden zu können. Ein anderer möglicher Einsatzbereich sind medizinische Operationen durch spezialisierte Ärzte, die sich an einem anderen Ort befinden.

Industrie 4.0 Pläne

Doch, wie Erich Möchel auf FM4 schreibt, geht es dabei nicht nur um Ärzte, Rettungsdienste und Krankenhäuser. Die Telekoms sollen demnach ein eigenes Mautsystem bekommen, mit dem der ganze "Industrie 4.0"-Zweig bedient werden soll. Der privilegierte Datenkanal sei ein "temporäres Körberlgeld" für lukrative Datenströme von Smart Meter, Büro- und Haussteuerungen sowie Daten aus der Verkehrstelematik zu verstehen, so Möchel. "Auch wenn es sich um einen neuen Datenkanal handelt, kann von Netzneutralität hier keine Rede sein, denn die Interaktionen der Kunden - Ablesen von Werten, Steuerung und Kommunikation - erfolgen über die Browser oder mobile Apps", heißt es in einem weiteren Bericht.