Netzpolitik
17.06.2014

Pro-Erdogan-Türken hackten Homepage von Sebastian Kurz

Utl.: Feldzug von selbst ernannten "Osmanen"-Hacker gegen Anti-Türkei-Webseiten

Sebastian Kurz (ÖVP) warnende Worte an den türkischen Premierminister in der Zeitung "Österreich§, die österreichische Gesellschaft nicht zu spalten, sind in der Türkei nicht ohne Nachhall geblieben. Eine türkische Hackergruppe hat die Internetseite des österreichischen Außenministers mit einer eindeutigen Botschaft verunstaltet. Der angekündigte Besuch Recep Tayyip Erdogans am Donnerstag in Österreich hat dessen Apologeten auf den Plan gerufen: "Wer bist du denn Kleiner", postete am Montag eine Hackergruppe, die sich Akincilar (Räuber) nennt, auf der Internetseite von Kurz. In der Botschaft, die auf türkisch, englisch und deutsch lanciert wurde, heißt es weiter: "Du kannst nicht entscheiden, wie unser Premierminister zu reden hat". Neben dem Bild des türkischen Ministerpräsidenten prangt jenes von Sultan Süleyman dem Prächtigen, der als einer der bedeutendsten Osmanenherrscher gilt.

Die Gruppe, die sich selbst als "Wir sind Akincilar, Wir sind Osmanen, Wir sind die Türkei!" vorstellt, rückt Premier Erdogan in holprigem Deutsch in die Nähe der großen Osmanenherrscher. "Erdogan ist der Nachkommen der Ahnen, die bis nach Wien vorgedrungen sind, dem Grund und Boden" (auf dem ihr euch jetzt befindet). Der Sprecher von Kurz, Gerald Fleischmann, bestätigte gegenüber der APA, dass auf der Fan-Seite des Außenministers, auf der Fotos hochgeladen werden könnten, eine entsprechende Botschaft drei Stunden lang zu sehen gewesen sei. Der Außenminister sehe die Sache aber "locker". In der Vergangenheit sollen die selbst ernannten "Osmanen" bereits katholische Webseiten aufgrund missionarischer Aktivitäten aufs Korn genommen haben, ebenso wie kurdische Websites oder Internetauftritte, die die Leugnung des Genozids an den Armeniern durch die Türkei anprangern.