Netzpolitik
27.11.2016

Spiegel Online verliert gegen Adblock Plus

Ein weiteres Medienunternehmen scheitert vor Gericht gegen den Adblock-Anbieter. Nun muss die Rechtmäßigkeit von Adblockern vom Bundesgerichtshof entschieden werden.

Eine weitere Klage gegen den Adblock-Plus-Entwickler Eyeo ist vor Gericht gescheitert. Das Landgericht Hamburg wies eine Klage von Spiegel Online zurück, eine Begründung wurde noch nicht abgegeben. Damit ist Spiegel Online bereits das sechste deutsche Medienunternehmen, das vor Gericht gegen Eyeo scheitert. Zuvor verloren bereits Zeit Online und Handelsblatt (beide Verlagsgruppe Holtzbrinck) sowie Süddeutsche Zeitung, RTL und ProSiebenSat.1 vor Gericht. Lediglich Bild-Eigentümer Axel Springer SE konnte einen Sieg verbuchen, das Urteil wurde jedoch in zweiter Instanz aufgehoben. Das Gericht bezeichnete die Praktiken von Eyeo jedoch als „in hohem Maße bedenklich“ und verbot das sogenannte „Whitelisting“.

"Moderne Wegelagerei"

Dahinter steckt das Geschäftsmodell von Eyeo, das seinen Adblocker kostenlos vertreibt. So wird grundsätzlich jegliche Werbung blockiert, große Unternehmen, unter anderem Google, können sich jedoch davon freikaufen, wenn sie „akzeptierte Werbeformate“ einsetzen. Dazu müssen sie einen bestimmten Prozentumsatz ihrer Werbeumsätze an Eyeo abliefern. Das Vorgehen wird von vielen Medienunternehmen als „moderne Wegelagerei“ bezeichnet.

Kurioserweise beginnt Eyeo bereits damit, sich ein neues Standbein aufzubauen. Über die Acceptable Ads Platform tritt Eyeo künftig selbst als Werbevermarkter an und zeigt statt angeblich „schädlicher“ Werbung eigene „sichere“ Werbung an. Das Unternehmen will unter anderem Werbekonzerne mit seinen mehr als 100 Millionen Nutzern locken. Auf der Republica kündigte man zudem eine Kooperation mit Flattr, dem Start-up des Pirate-Bay-Mitgründers Peter Sunde, an.

Suche nach Alternativen

Nun muss der deutsche Bundesgerichtshof über Eyeo entscheiden. Wie dabei die Chancen für die Medienkonzerne stehen, ist unklar. In früheren Verfahren werteten Richter die Tatsache, dass zahlreiche Online-Plattformen bereits alternative Finanzierungsmodelle (zum Beispiel Bild Plus und Spiegel Plus) testen, als Argument für Eyeo. Zudem ist die Adblocker-Rate in Deutschland rückläufig. Laut dem Bundesverband Digitale Wirtschaft wurde bei rund 19,11 Prozent aller Page Impressions die Auslieferung von Werbung blockiert - vor einem Jahr waren es noch 21,1 Prozent.