Netzpolitik
06.03.2016

Staatsanwalt vermutet Böses auf verschlüsseltem iPhone

Der Streit zwischen Apple und dem FBI über die Entsperrung des iPhones eines islamistischen Attentäters nimmt bizarre Züge an.

Am 22. März findet vor dem zuständigen Gericht in Kalifornien eine Anhörung im Streit zwischen dem FBI und Apple über die Entsperrung des iPhones eines islamistischen Attentäters statt. Bei dem Gericht langen bereits seit längerem Unterstützungsbriefe ein. Mit einem solchen sorgt nun der Bezirksstaatsanwalt von San Bernardino, wo der Attentäter die tödlichen Schüsse abgab, für Aufsehen. Er warnt nämlich davor, dass sich auf dem iPhone des Attentäters ein „lying dormant cyber pathogen“ befinde, der die Infrastruktur des Bezirkes gefährden könnte. Der Ausdruck lässt sich schwer ins Deutsche übersetzen, aber auch im Englischen erschließt sich seine Bedeutung nicht.

"Magisches Einhorn"

Mit viel Fantasie könnte damit ein „schlafender Cyber Erreger“ gemeint sein. Allerdings ist ein solcher Begriff bis dato weder in der Computerwissenschaft noch in der Sicherheitsforschung bekannt, wie der IT-Forensiker Jonathan Zdziarski gegenüber Ars Technica und auf seinem Blog ausführt. Wahrscheinlich wolle der Staatsanwalt damit sagen, dass sich ein „magisches Einhorn“ auf dem Smartphone befinde, meinte Zdziarski trocken.

Google-Recherchen deuten darauf hin, dass der Ausdruck von Harry-Potter-Fan-Fiction aus dem Netz entlehnt wurde. Über seine wahre Natur ist allerdings nirgendwo etwas zu erfahren. Kein Wunder, dass das „Cyber Pathogen“ für Spekulationen sorgt. „Cyber Pathogene“ seien so unsagbar gefährlich, dass die Forschergemeinschaft aus gutem Grund nie auch nur eine einzige Arbeit darüber veröffentlicht habe, ist etwa auf Twitter zu lesen:

Gefragt wurde auch, warum der Attentäter den gefährlichen „Erreger“ erst nach seinem Tod in Umlauf bringen wollte:

Ob sich auf dem verschlüsselten iPhone überhaupt relevante Daten befinden ist unklar. Ermittler hoffen auf Hinweise zu Komplizen. Der Polizeichef von San Bernardino zweifelt aber daran. Die Chancen stünden gut, dass sich auf dem Smartphone nichts befinde, was für die Polizei von Wert sei, wird er von Ars Technica zitiert.